Keine Zusammenlegung Ditzinger Ortsfeuerwehren bleiben eigenständig

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Die Feuerwehr in Hirschlanden will nicht mit der in Schöckingen fusionieren. Foto: dpa

Ditzingen - Peter Gsandner ist enttäuscht. Der Kommandant der Gesamtfeuerwehr Ditzingen hatte gehofft, dass die Abteilungen Schöckingen und Hirschlanden dafür sind, den Plan ihrer Zusammenlegung in einem neuen Feuerwehrzentrum weiterzuverfolgen. In dem Fall hätte die Stadtverwaltung mögliche Standorte untersucht. Doch in Hirschlanden stimmten mehr Feuerwehrleute dagegen als dafür – und das Thema ist vom Tisch.

Am Einsatzort binnen zehn Minuten

So bleibt der Platzmangel der einzelnen Abteilungen bis auf Weiteres bestehen. „Der Neubau hätte das Raumproblem gesamtstädtisch entschärft“, sagt Peter Gsandner. Die Abteilungen hätten mehr Platz in der Fahrzeughalle oder im Lager gewonnen, weil sie Geräte hätten auslagern können. In Heimerdingen parkt mangels Platz ein Fahrzeug im Freien. Auch viele Feuerwehrkameraden seien enttäuscht gewesen, meint der 52-Jährige. Bei dem Thema haben man auf Solidarität gesetzt.

Der Kommandant betont, dass sich für Bürger in Not durch das Nein zum Neubau keine Nachteile ergeben. „Wir versuchen nach wie vor, in einer angemessenen Zeit am Einsatzort zu sein. Der Bürger erhält den bestmöglichen Schutz“, sagt Gsandner. Mit „angemessener Zeit“ meint er binnen zehn Minuten nach der Alarmierung. Dies sieht das Innenministerium vor. Eine gesetzliche Vorgabe, in welcher Zeit die Feuerwehr etwa bei einem Brand vor Ort sein muss, gibt es laut Peter Gsandner nicht. Die zehn Minuten einzuhalten, gelinge derzeit über alle Abteilungen hinweg in 99,99 Prozent der Fälle.

Vier Atemschutzträger sind nötig

Gleichwohl hätte ein Neubau die Tagesverfügbarkeit verbessert. Das geht aus einem Gutachten von 2017 hervor. Auch die Verfügbarkeit war ein wesentlicher Aspekt in der jahrelangen Debatte über die Zusammenlegung. Geht es nach dem Innenministerium, müssen unter den neun Feuerwehrleuten, die als Erstes am Einsatzort sind, vier Atemschutzträger sein. Diese müssen besondere Anforderungen erfüllen, zum Beispiel häufig im Einsatz zu sein. Die Abteilungen Schöckingen und Hirschlanden haben aber nur 32 beziehungsweise 25 Einsatzkräfte. Außerdem arbeiten nicht alle von ihnen am Wohnort und stehen deshalb tagsüber nicht bereit. Insgesamt hat die Wehr mehr als 160 Aktive.

Hirschlanden hat mit einem Nein nicht gerechnet

Roland Hug weist darauf hin, dass sich die zwei Abteilungen schon immer gegenseitig unterstützten. Bei Einsätzen würden grundsätzlich beide alarmiert. Zudem beteiligt sich die Abteilung Ditzingen. „Ein Tag hat 24 Stunden. Wir mögen zwischen 7 und 16 Uhr Probleme haben, doch es gibt auch davor und danach Einsätze“, sagt der Hirschlander Abteilungskommandant. Mit dem Nein zum Neubau müsse man nun leben. Hug vermutet, dass einige Kameraden ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben wollten. Der Kommandant selbst habe nicht mit jenem Ergebnis gerechnet.

Die Stadt „respektiert und akzeptiert“ die Entscheidung über ein „sensibles Thema“, sagt der Sprecher Guido Braun – wenngleich sie den Prozess bis dahin „wohlwollend“ begleitet habe. Jetzt müsse man gemeinsam eine passende Fläche für ein Übungsgelände finden. Dort sollen auch die Jugendwehr und Lager sein.

Übungsplatz lieber heute als morgen

Ein eigenes Übungsgelände hätte Peter Gsandner lieber heute als morgen. Meist übt die Wehr auf dem Bauhof. Dort darf sie aber keine Fahrzeuge abstellen und sie muss fragen, bevor sie das Gelände nutzt. Der Kommandant schätzt, dass die Wehr in frühestens fünf Jahren auf dem eigenen Gelände übt und ausbildet. Er ist seit fast 35 Jahren Feuerwehrmann und weiß , wie lange Bauprojekte dauern. „Das zehrt an den Nerven.“ Aktuell macht Peter Gsandner die Erfahrung im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung und Modernisierung der Feuerwehrhäuser in Ditzingen und Heimerdingen. Alle vier Gerätehäuser im Stadtgebiet seien in die Jahre gekommen und eng, jene zwei erhalten einen Anbau, Ditzingen noch dieses Jahr, in Heimerdingen seien die Planungen „in vollem Gang“.

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