Katastrophenhilfe aus Leonberg Im Frühjahr geht es wieder ins Ahrtal

Von Arnold Einholz
So haben die Eltinger Helfer Gebiete des Ahrtals bei ihrem Einsatz vorgefunden – bis zur Normalität sind große Anstrengungen notwendig. Foto: Privat

Leonberg - „Im Frühjahr fahren wir wieder hin.“ Ihr jüngst zweiter Einsatz im Ahrtal hat bei den beiden Schlammbrüdern Wilfried Geier und Theo Fischer aus der Umweltgruppe des Bürgervereins Eltingen den festen Entschluss reifen lassen, dass sie ein weiteres Mal helfen und anpacken müssen.

Vor ihrem Einsatz Mitte Dezember hatten sie zunächst die zahlreichen gespendeten Sachen für die drei geplanten Anlaufstellen vorsortiert und – in Bananenkisten verpackt – in Wohnmobil und Anhänger transportsicher untergebracht. „Die Liste ist lang gewesen“, sagt Wilfried Geier. Es wurden unter anderem Bargeld, ein Werkstattofen mit Rohren, Flachheizkörper, Schwerlastregale, eine Mikrowelle, diverses Bau- und Elektromaterial, Malerbedarf, Drogerie- und Hygieneartikel, Lebensmittel, Haushaltsartikel mitgenommen. „Brezeln, Weihnachtsgebäck, Hefezopf und Stollen kamen von den Bäckereien Marquart und Zachert“, schildert Theo Fischer.

Die Würmtalschule hat Weihnachtspakete gepackt

Die Schwerlastregale gingen direkt an eine Frau im Altstadtring von Ahrweiler, die die Regale im Netz unter www.ahrhelp.de gesucht hatte. Das Bau- und Elektromaterial wurde im Baustoffzelt „Kaiser Walporzheim“, einem Ortsteil von Bad Neuenahr, und in Dernau im „Tante-Emma-Laden“ abgegeben. Die restlichen Sachspenden – Haushalts-, Drogerie- und Hygieneartikel sowie Lebensmittel – aus Leonberg und Umgebung gingen an das Verteilzentrum für das Ahrtal in Gelsdorf. „Wir sind sehr dankbar für die vielen Sachspenden“, sagen die Helfer. Flutopfer von Bad Neuenahr sowie die Gemeinden Dernau und Mayschoß bekamen die Spendengelder.

Viel Freude bereitet hätten die Weihnachtsgeschenke der Klasse 5 der Würmtalschule Merklingen. Die Pakete wurden nach Sinzig gebracht, wo eine Weihnachtsfeier eines Kindergartens und einer Schule stattgefunden hat. „Die Veranstalter waren überrascht und haben sich sehr darüber gefreut“, erzählen die beiden Eltinger.

Einsatz unter schweren Bedingungen

Ihr erster Einsatz war in Dernau in einem großen Weinkeller. Der lose Deckenputz musste mit einem Bohrhammer unter erschwerten Bedingungen abgetragen und aus dem Keller entsorgt werden. Weil im anderen Teil des Kellers die Wände mit Trockeneis abgestrahlt wurden und dabei Kohlendioxid freigesetzt wurde, mussten immer wieder Pausen im Freien eingelegt werden.

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Der zweite Einsatz erfolgte in einem Zwölf-Mann-Team in der Grundschule Dernau, wo auf dem verstaubten Dachboden die alten Schulmöbel entsorgt wurden. Die Schule erhält eine Grundsanierung mit Solardach, weil die Klassenzimmer im ersten Stock bis zu 1,5 Meter unter Wasser standen.

In Walporzheim werden Motorgeräte repariert

Weil der Helfer-Shuttle-Bus bis Ende Februar Winterpause macht, haben sich Theo Fischer und Wilfried Geier zum dritten Einsatz in Walporzheim gemeldet, um dort tatkräftig mitzuhelfen. In Walporzheim werden von der Flut beschädigte Motorgeräte – von der Säge bis zum Traktor – wieder zum Laufen gebracht. „Da haben wir in zwei Tagen einen Motorroller wieder fahrbereit gemacht“, erzählen die beiden Tüftler aus Eltingen. Zunächst wurde der Motor auf festsitzende Motorkolben geprüft – das war in Ordnung. Das Fahrgestell und die Verkleidungsteile wurden mit einem Hochdruckreiniger gereinigt. Weil das Flutwasser bis in das Innere von Vergaser, Tacho, Gasdrehgriff und Antrieb eingedrungen war, mussten diese Teile zerlegt, von Schlamm befreit und teilweise mit Ultraschall und Zahnbürste gereinigt werden. „Nachdem Motoröl und Zündkerze gewechselt waren, surrte der Motorroller wie früher.“

Im Frühjahr geht es wieder ins Ahrtal

„Am Abreisetag haben wir noch den Familien vom November-Einsatz einen Überraschungsbesuch abgestattet, um zu sehen, wie der Bau vorangeht“, sagt Theo Fischer. „Wir wurden herzlich empfangen“, ergänzt Wilfried Geier. Das ältere Ehepaar, dem sie damals geholfen hatten, sei inzwischen aus dem Keller in den ersten Stock umgezogen und habe jetzt Heizung und Warmwasser.

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„Als wir abends in Eltingen ankamen, ließ uns der Gedanke nicht los, wie sie wohl im Ahrtal dieses Jahr Weihnachten feiern“, sagt Wilfried Geier im Rückblick. „Da waren wir uns einig, im Frühjahr fahren wir wieder hin und helfen“, sagt Theo Fischer.

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