Karstadt Leonberg Oliver Zander befürchtet einen Domino-Effekt

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Karstadt-Mitarbeiter demonstrieren für den Erhalt ihrer Filiale und des Leo-Centers. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Ein entscheidender Punkt bei den Verhandlungen zwischen der Unternehmensgruppe Galeria Karstadt Kaufhof und der Einkaufszentren-Betreibergesellschaft ECE sind die Mieten. Die sind dem Vernehmen nach dem Warenhaus-Konzern zu hoch, um künftig profitabel arbeiten zu können.

Nachdem Galeria Karstadt Kaufhof vor einer guten Woche verkündet hatte, insgesamt 62 Filialen in ganz Deutschland schließen zu wollen – darunter mehrere in ECE-Centern, Leonberg gehört dazu – laufen hinter verschlossenen Türen intensive Gespräche zwischen beiden Seiten.

Auf deren Ergebnisse hoffen nicht nur die Mitarbeiter, der Betriebsrat und etliche Kunden. Auch Oliver Zander stellt die Frage, „ob für Flächen in dieser Größe seitens des Center-Managements noch entsprechende Mieten zu erzielen sind?“

Daraus ergibt sich für den Landesvorsitzenden der christdemokratischen Mittelstandsvereinigung MIT und Chef des Leonberger CDU-Stadtverbandes gleich eine weitere Frage: „Wäre es nicht nicht für alle sinnvoller, die Mieten insgesamt so zu reduzieren, dass die entsprechende Rentabilität auch für den Karstadt-Konzern wiederhergestellt wird?“

Zander betont, dass die Probleme im Warenhauskonzern aus seiner Sicht teilweise hausgemacht sind: „Strategische Fehlentscheidungen in der Konzernzentrale und die damit verbundene gesunkene Rentabilität führen dazu, dass Standorte wie Leonberg offensichtlich nicht ertragreich genug sind“, erklärt der Wirtschaftsexperte. „Fehlentwicklungen und deren Auswirkungen bekommen gerade in der jetzigen Zeit eine zusätzliche Dynamik. Dies ist vor allen Dingen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich täglich für ihr Unternehmen einsetzen und deren Existenz auch oftmals davon abhängt, äußerst bedauerlich.“

Ob allerdings immer politische Lösungen machbar oder sinnvoll sind, bezweifelt der CDU-Politiker. So sollte die Politik nur in sogenannte systemrelevante Bereiche eingreifen, also Berufszweige und Branchen, die für die Grundversorgung im Alltag wichtig sind. „Ob Karstadt und das Leo-Center systemrelevant sind, an dieser Frage scheiden sich die Geister“, räumt Oliver Zander ein.

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Während der Zeit der Geschäftsschließungen im März und April waren mehrere Läden im Leo-Center als systemrelevant eingestuft und konnten geöffnet bleiben, darunter die Apotheke, der Edeka-Markt, die Bäckerei Trölsch und andere Lebensmittelgeschäfte. Karstadt blieb zu. Bei all den Überlegungen betont Zander: „Die Menschen dürfen dabei unter keinen Umständen vergessen werden.“

Der Mittelstandspolitiker unterstreicht, dass es jetzt nicht nur um das Warenhaus selbst geht: „Ich befürchte, wenn es nicht gelingt, Karstadt in Leonberg zu halten oder einen adäquaten Ersatz zu finden, wird dies zu einem Domino-Effekt führen“, erklärt Zander im Gespräch mit unserer Zeitung. „Über kurz oder lang könnten damit das gesamte Gebilde Leo-Center sowie die weitere Entwicklung der Stadt, vom Postareal bis hin zur Altstadt, ins Wanken geraten.“

Die aktuellen Probleme hätten schon vor vielen Jahren erkannt werden können. Doch es habe damals keine Handelsstrategie gegeben, „die über den Tellerrand hinaus“ blickt, und auch eine „verkehrstechnische Gesamtstrategie“ lasse auf sich warten, bemängelt Zander.

Tatsächlich hat die Positionierung von Leonberg als Handels- und Freizeitzentrum erst in jüngster Zeit professionelle Strukturen bekommen. Im Oktober wurde die Stelle einer Citymanagerin geschaffen, im Februar jene eines Veranstaltungsmanagers. Beide Positionen werden schon seit Jahren gefordert, wurden aber erst jetzt umgesetzt. Beide Akteure sind mit großem Engagement dabei, haben aber durch die Corona-Krise momentan nur beschränkte Gestaltungsmöglichkeiten.

Zentraler Punkt der von Zander angesprochenen Strategie ist die Verknüpfung von Marktplatz und Leo-Center. Besonders die Altstadt leidet am zerfaserten Stadtzentrum, das nicht durch eine attraktive Fußgängerzone, sondern durch die viel befahrene Eltinger Straße geprägt wird. Ein neues Quartier auf dem Gelände der ehemaligen Hauptpost soll das urbane Loch stopfen und buchstäblich eine Brücke zwischen beiden Polen schlagen.

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