Karl-Heinz Schmidt aus Weil der Stadt Ein Nebenjob mit 20 Wochenstunden

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Wandert aus Leidenschaft: Karl-Heinz Schmidt. Foto:  

Weil der Stadt - Was er denn im Ruhestand macht? Acht Jahre lang liegt bei Karl-Heinz Schmidt diese Überlegung zurück, lange musste er aber nicht überlegen. Wandern war schon immer Schmidts Leidenschaft, viele Jahre war er im Deutschen Alpenverein und damit im großen Gebirge unterwegs.

„Ich hatte mir überlegt, wie ich diese Erfahrungen weiter einbringen kann“, erinnert er sich. Denn: Warum in die Ferne schweifen, wenn die schönsten Wanderwege doch vor der Haustüre beginnen? Im Schwarzwaldverein weiß man das schon lange. Seit mehr als 80 Jahren kommen dort die Wanderlustigen zusammen, suchen die Schönheiten der Heimat und folgen den blauen und gelben Rauten – den Erkennungszeichen ihrer Wege.

Und machen dabei die Erfahrung, dass gemeinsam unterwegs zu sein einfach schöner ist. „Es gibt immer jemand, der was Interessantes zu erzählen hat“, sagt Karl-Heinz Schmidt. „Das macht richtig Spaß!“ Die Mitgliedschaft vor acht Jahren ist daher schnell unterschrieben, schnell steigt er auch zum Wanderführer auf, trägt damit die Verantwortung für eine ganze Gruppe.

„Wenn ich anschließend eine positive Resonanz bekomme, macht es noch viel mehr Spaß“, erklärt der 69-Jährige. Einfach so kann man das natürlich nicht werden. Eine zehntägige Ausbildung, samt Prüfung, muss einer bei der Wanderakademie des Schwarzwaldvereins ablegen, wenn er Wanderführer werden will. Schmidts Spezialität sind Wanderungen zu geschichtlichen Monumenten – eine richtige kleine Fangemeinde hat er sich seitdem erarbeitet.

Mit der Karriere im Ortsverein Weil der Stadt-Leonberg (der so heißt, seit sich die 60 Leonberger Mitglieder 2014 den 450 Mitgliedern des Weiler Vereins angeschlossen haben) war da aber noch lange nicht Schluss. 16 Jahre lang ist Rudolf Fuchs Vereinsvorsitzender gewesen. Als er aufhören wollte, war die große Frage: Wer macht’s? „Er hat mich bearbeitet“, erinnert sich Karl-Heinz Schmidt. Die Zeiten, in denen sich die Leute um solche Posten stritten, sind lange vorbei.

Und das nicht ohne Grund: Um einen modernen Verein mit fast 500 Mitgliedern zu führen, bedarf es weit mehr, als nur bei ein paar Stammtischen zu repräsentieren und sonntags den Wanderhut aufzusetzen. Beinahe einen Nebenjob übt Schmidt aus, auf 20 Stunden schätzt er den Aufwand – pro Woche. „Der Datenschutz ist zum Beispiel so ein Thema, in das ich mich richtig einarbeiten musste“, sagt er. Eine neue Homepage hat er konzipiert, und gleichzeitig arbeitet er auf überregionaler Ebene im Vorstand des Schwarzwaldvereins mit.

Verwaltungsarbeit ist anstrengend

Wanderführungen machen ihm sehr viel Spaß, das Verwalten dagegen ist manchmal schon ein bisschen anstrengend, gibt Karl-Heinz Schmidt zu. Als kleiner Trost bleibt ihm, dass die Schwarzwaldvereins-Arbeit bei den Schmidts auch Familienarbeit ist. Denn die Ehefrau hat das Amt der Pressewartin übernommen. „Sonst hätte ich ihn gar nicht mehr gesehen, wenn ich das nicht gemacht hätte“, sagt Renate Schmidt und schmunzelt.

Gleichzeitig engagiert sich Karl-Heinz Schmidt noch bei der Heimat- und Wanderakademie, die der Schwarzwaldverein zusammen mit dem Schwäbischen Albverein betreibt. Der Weil der Städter ist dort Referent für Orientierung und Technik, er lehrt die künftigen Wanderführer, mit Navigationsgeräten im Gelände umzugehen. Als früherer Ingenieur beherrscht Schmidt die Technik aus dem Effeff. „Vieles war mir geläufig“, sagt er. „Es ist auch interessant, sich neues Wissen anzueignen.“

Auch an einem Lehrbuch schreibt er

Und wer professionell im Gelände unterwegs ist, greift künftig auch in Buchform „zum Schmidt“. Denn der begeisterte Wanderer schreibt in den wenigen freien Minuten an einem Lehrbuch. Fünf Handbücher will das Kollegium der Wanderakademie herausgeben, Schmidt hat davon den Band über das Bergwandern übernommen. 15 Jahre ist das bisherige Lehrbuch alt und damit völlig veraltet. „Ich habe dafür viel Fachliteratur und Fachartikel gelesen“, berichtet er. „Schwierig wird es, wenn man in der Literatur auf unterschiedliche Meinungen stößt.“ Dann muss er sich entscheiden.

Der Text ist mittlerweile fertig, derzeit überprüfen Experten wie Geologen und Meteorologen das Buch, im Herbst ist dann die Veröffentlichung geplant. Die Arbeit wird Karl-Heinz Schmidt aber nicht ausgehen. Denn auch zu Hause, in der Weil der Städter Ortsgruppe, machen seine Mitstreiter und er sich Gedanken, wie man den Verein in die Zukunft führen kann. Zielgruppe sind vor allem Familieneltern um die 40, die junge Kinder mitbringen. „Mit interessanten Themen wie unserem neuen Landesvermessungsweg wollen wir sie ansprechen“, sagt Schmidt.

Und wenn dann noch Zeit bleibt, schnürt Karl-Heinz Schmidt selbst gerne die Wanderschuhe. Eben jener Vermessungsweg in Weil der Stadt ist einer seiner Tipps. Wer ein bisschen mehr Zeit hat und ein geübter Wanderer ist, dem empfiehlt der Experte die Xanderklinge mit drei Meter hohen Wasserfällen bei Holzbronn (Calw). Auch das Monbachtal oder die Wolfsschlucht im Nagoldtal legt er ans Herz. Denn eines bleibt, trotz all der Arbeit: Wandern ist Schmidts Leidenschaft.

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