Kämmerei Wimsheim Der Herr der Zahlen geht in Pension

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Im Ruhestand werden Anton Dekreon seine fünf Enkelkinder, die alle im Ort wohnen, wohl kräftig auf Trab halten. Foto: Andreas Gorr

Wimsheim - Zahlen haben mir immer schon gelegen, deswegen wollte ich unbedingt in die Kämmerei.“ Dieses Berufsziel hat der Kämmerer von Wimsheim nicht nur erreicht, er ist ihm auch treu geblieben. Am heutigen 31. Januar hat Anton Dekreon seinen letzten Arbeitstag. Mehr als 40 Jahre war er der Herr über die Zahlen im kommunalen Haushalt. Er verwaltete jenes Geld, mit dem die kleine Gemeinde seit Ende der 70er-Jahre einen beachtlichen Aufschwung nahm.

Damals, nach dem Praktikum bei der Stadt Schwaigern und dem Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Stuttgart, stieß der frisch gebackene Diplom-Verwaltungswirt im Staatsanzeiger auf die neu geschaffene Stelle in Wimsheim. „Die haben jemanden für den gehobenen Gemeindedienst gesucht“, erinnert er sich. So bewarb sich der 24-Jährige aus dem Raum Heilbronn in dem 1800-Seelen-Ort Wimsheim. Die damals kleinste Heckengäu-Gemeinde hatte es ebenso wie Mönsheim, Heimsheim und Friolzheim geschafft, selbstständig zu bleiben, als sie im Zuge der Gebietsreform 1973 vom Kreis Leonberg in den Enzkreis wechselten.

300.000 Mark Gewerbesteuereinnahmen

Anton Dekreon trat im November 1978 seinen Dienst in Wimsheim an. Sein Schreibtisch stand in dem kleinen Gebäude gegenüber dem heutigen Rathaus, in dem sich derzeit noch die Sozialstation befindet. In drei Räumen war die gesamte Gemeindeverwaltung untergebracht. „Das waren schon sehr beengte Verhältnisse“, erinnert sich Dekreon schmunzelnd. Sein Dienstherr war der fünf Jahre ältere Bürgermeister Karlheinz Schühle, ebenfalls neu im Amt. „Wir haben gemeinsam gekämpft“, erzählt er. Aus dieser Anfangszeit sollte eine jahrzehntelange, vertrauensvolle Zusammenarbeit werden.

Nicht nur das Rathaus war klein zu jener Zeit, auch die Finanzen der Gemeinde umfassten einen Bruchteil dessen, was der Kämmerer heute umwälzt. „300 000 Mark an Gewerbesteuereinnahmen hatten wir damals, heute sind es 1,5 Millionen Euro“, beschreibt Dekreon den Wandel. Der Gesamthaushalt der Gemeinde hatte ein Volumen von 1,7 Millionen Mark, heute zehn Millionen Euro. Der Wandel der einstmals landwirtschaftlich geprägten Gemeinde ging einher mit dem Ausbau der Infrastruktur wie etwa Straßen, Wasser- und Abwasserleitungen, Regenrückhaltebecken. Mehrere Baugebiete schufen Raum für neue Wimsheimer Bürger. Heute leben 2850 Menschen im Ort. Eine ähnliche Entwicklung nahm die Gewerbeansiedlung.

Orkan Lothar wütet im Wimsheimer Wald

Eine große finanzielle Aufgabe als Kämmerer sei der Bau der neuen Schule gewesen, die 1995 eröffnet wurde. Bis dahin gingen die Wimsheimer Kinder in jenes Gebäude, in dem heute die Gemeindeverwaltung untergebracht ist. Mit dem Auszug der Schüler konnte das Gebäude zum Rathaus umgebaut und modernisiert werden. Damals hat jeder seinen eigenen PC bekommen, erzählt Anton Dekreon. Davor habe es einen einzigen PC für die gesamte Verwaltung gegeben. Auch die Kommunikation wurde im Laufe der Zeit durch die neue Technik erleichtert. „Wenn wir früher dringend jemand vom Bauhof gesucht haben, mussten sich der Hauptamtsleiter Reinhold Müller oder ich uns ins Auto gesetzt, um ihn zu holen“, erinnert sich Dekreon.

Schwer beschäftigt hat den Kämmerer der Orkan Lothar, der 1999 auch im Wimsheimer Wald wütete. „Das war eine große Sache in jener Zeit“, so Dekreon. „Der Holzverkauf lief über meinen Schreibtisch.“ Geld bekam die Gemeinde für die Abnahme des Aushubs beim Bau des Engelbergtunnels an der A 81. „Daraus haben wir den Lärmschutzwall entlang der A 8 gebaut, der heute bewaldet ist“, erzählt der Kämmerer.

Mit vier Millionen Euro Kosten aber war der Bau der Hagenschießhalle, die 2007 in Betrieb genommen wurde, der größte finanzielle Brocken, den er zu verbuchen hatte. „Wir sind in Sachen Infrastruktur sehr gut aufgestellt“, so die Einschätzung von Anton Dekreon, und auch die Finanzen seien in Ordnung. Die Rücklage beträgt vier bis fünf Millionen Euro. Im Übrigen, so betont der Kämmerer, der nie Ambitionen hatte, selbst Bürgermeister zu werden, sei es nicht Aufgabe einer Kommune, Geld zu horten, sondern die Infrastruktur zu entwickeln.

„Was machbar war, haben wir gemacht“

Anton Dekreon, der zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen neben der kompletten Finanzverwaltung auch für das Personalwesen zuständig war, bezeichnet sich selbst als Teamplayer und betont, dass die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat immer sehr gut war. „Was machbar war, haben wir gemacht“, bringt er es auf den Punkt.

Im Ruhestand werden ihn seine fünf Enkelkinder, die alle im Ort wohnen, wohl kräftig auf Trab halten. Er will selbst mehr Sport machen, und nicht mehr nur als Stadion-Sprecher bei den Heimspielen des TSV Wimsheim fungieren. Damals, in seiner Anfangszeit, wurde er Kassier des Vereins. Dadurch haben sich rasch viele private Kontakte ergeben. „Da haben wir als Familie relativ schnell beschlossen, dass wir hierbleiben“, sagt er rückblickend. Und als er hinzufügt: „Wimsheim ist eine liebenswerte Gemeinde“, merkt man, wie sehr ihm der Ort in den vergangenen 40 Jahren ans Herz gewachsen ist.

Mit der Pensionierung von Anton Dekreon wird es einen Generationenwechsel in der Wimsheimer Kämmerei geben. Die 28-jährige Sophie Husar, die bereits unter anderem die Kassenverwalterin in Wimsheim ist, wird die neue Kämmerin der Gemeinde. Die Heidenheimerin hat an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg studiert und wird für 2020 den ersten Haushalt in der neuen doppischen Darstellung vorlegen.

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