Kabarett in Zeiten von Corona Für Thomas Schreckenberger fallen alle Auftritte aus

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Seine letzte reguläre Vorstellung hatte Thomas Schreckenberger am 7. März in Leonberg. Foto: factum/Jürgen Bach

Kabarett - Noch bis vor drei Wochen hat bei Thomas Schreckenberger ein Auftritt den nächsten gejagt. Dann schlugen Bund, Länder und Kommunen deutschlandweit Virus-Alarm – und plötzlich hat der Kabarettist und Satiriker ganz viel Zeit. Zum Beispiel, um seinen Söhnen bei den Hausaufgaben zu helfen oder draußen im Gechinger Heckengäu frische Luft zu tanken, Zeitung zu lesen und sich neue Pointen auszudenken. Fragt sich nur, wann er diese dann wieder auf der Bühne präsentieren kann.

„Meine letzte reguläre Vorstellung hatte ich am 7. März in Leonberg“, erzählt Schreckenberger. Auf Einladung des SPD-Ortsvereins hatte er sein Programm „Hirn für alle“ in der Aula der Schule in Höfingen vor rund 120 Gästen präsentiert. „Weniger Zuschauer als sonst, aber noch okay“, sagt der vielfach ausgezeichnete Künstler. „Dann fielen innerhalb von zwei Tagen alle Auftritte bis Ostern weg. Das wären zwölf Termine gewesen“, beschreibt Schreckenberger die rasante Entwicklung seiner ganz persönlichen Corona-Krise.

Ersatztermine bis ins Jahr 2021

Am Freitag, 13. März, hatte er seinen bis dato letzten Auftritt. „Das war bei einer privaten Feier in Stuttgart“, erzählt der Gewinner der „Böblinger Mechthild“ des Jahres 2007, „da hätte ich vor rund 50 Leuten spielen sollen“. Viele sagten ab. Gekommen seien am Ende nur etwa 30 Zuschauer.

Seitdem arbeite seine Agentur auf Hochtouren, um für sämtliche Auftritte Ersatztermine zu finden. Bisher sind nahezu alle Termine verschoben, zum Teil bis ins Jahr 2021. Ein Gastspiel, auf das Schreckenberger sich ganz besonders gefreut hatte, wäre dieser Tage im Kulturforum Planegg bei München gewesen. „Dafür waren schon 400 Karten verkauft“, erzählt er. Nun ist der Auftritt auf 16. Juli verschoben.

Das Geld für die ausgefallenen Engagements ist trotzdem futsch. An den Ersatzterminen könne man schließlich keinen anderen Auftritt mehr machen. Und zwischen Juni und August gebe es so gut wie keine Auftrittsmöglichkeiten. Kabarettisten seien eben Saisonarbeiter: Da drängen sich die Termine in den kälteren Monaten. Im Sommer herrscht dagegen Kleinkunst-Flaute.

Im Moment hofft Schreckenberger noch, dass die Viruspandemie schnell wieder verschwinden möge. „Im Mai sieht es theoretisch ganz gut aus“, sagt er mit Blick auf seinen Tourplan. Allerdings befürchtet er, dass er auch diese Auftritte wird absagen oder zumindest verschieben müssen. „Vielleicht befinde ich mich ja schon in der Sommerpause“, sagt er lakonisch.

Apropos Sommerpause: In dieser Zeit wollte der Familienvater eigentlich mit Frau und Kindern in den Urlaub fahren. „Eine Woche Kroatien – und eine Woche Südtirol“, sagt er mit einem säuerlichen Lächeln im Gesicht. Ausgerechnet das Risikogebiet Südtirol – nicht nur aus finanziellen Gründen erscheint dieser Urlaub im Moment ziemlich unwahrscheinlich.

Andere Kollegen sind noch schlechter dran

Trotz allem hat der 51-Jährige in dieser Situation sogar noch Glück. „Meine Frau ist verbeamtet. Da bin ich sehr froh drüber“, sagt der ehemalige Realschullehrer. Andere Kollegen seien da deutlich schlechter dran. Zudem sei 2019 in beruflicher Hinsicht ein sehr gutes Jahr für ihn gewesen. „Es sind noch ein paar Rücklagen da, aber die hätte man natürlich lieber für etwas anderes verwendet“, erklärt er.

Neben seinen Auftritten hat Thomas Schreckenberger vor ein paar Jahren noch eine weitere Einnahmequelle als Comedy-Autor für sich erschlossen. Unter anderem liefert er Gags und Pointen für Christoph Sonntag. Aber auch da sei der Bedarf bei den Kollegen gerade nicht sehr hoch.

So bleibt ihm momentan nur die Hoffnung, dass die Corona-Krise bald vorbeiziehen möge – oder dass sich aus einer der zuletzt in den Sozialen Medien gestarteten Initiativen für freiberufliche Künstler eine konkrete Lösung ergibt. „Der Deutsche Kulturrat hat da ja zuletzt eine Nothilfe gefordert“, erklärt Schreckenberger. Allzu hoch hänge er seine Hoffnungen derzeit aber noch nicht. Für Kabarettisten gebe es ja auch keine klar definierte Berufsvereinigung.

Was macht Thomas Schreckenberger jetzt mit all der Freizeit? Wäre das nicht eine gute Gelegenheit, um neues Gag-Material zu produzieren? „Das stimmt“, erklärt der gebürtige Heidelberger. Allerdings sei das zu Hause im Kreis der Familie gar nicht so einfach. „Da gibt es einfach zu viel Ablenkung. Ich bin viel kreativer, wenn ich unterwegs bin“, erzählt er. Viele seiner Pointen schreibe er zum Beispiel im Zug auf dem Weg zum Auftritt.

Nun wird er sich wohl umgewöhnen müssen. Immerhin: Die Abgeschiedenheit der freien Natur beginnt bei ihm direkt hinter seinem Haus am Gechinger Südwestrand. „Vielleicht schreibe ich ja ein Buch“, überlegt er. Natürlich mit satirischem Inhalt.

Gut möglich, dass er dann auch etwas zum Thema Corona schreibt. Zuletzt habe er sich zum Beispiel sehr über einen Medienbericht im Zusammenhang mit dem Virus amüsiert, laut dem die Holländer jetzt wegen der Schließung der Coffeeshops zuhause Haschisch horten. „Und was macht der Deutsche? Der bunkert Klopapier im Keller.“ Irgendwie seien da doch die Prioritäten falsch gesetzt, findet der Kabarettist. Seinen Sinn für Humor hat Thomas Schreckenberger offensichtlich noch nicht verloren.

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