Kabarett in Leonberg Vermischung mit Laktose- und Humorloseintoleranz

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Viel Humor, eine Prise Musikalität macht den „Gaisburger Marsch“ aus. Foto: factum/Bach

Leonberg - Vor ausverkauften Reihen – wie eigentlich immer im Spitalhof – und sehr erwartungsvollem Publikum, ging es doch auch um den allseits so beliebten Gaisburger Marsch, zeigten der Musiker Wolfram Karrer und der Schauspieler Gerd Plankenhorn als Köche eines Sternelokals oder wahlweise als Pilze im Walde ihre hohe komödiantische Begabung.

Während erstere den einkehrenden „Mittelstandsabschaum mit Kind und Kegel“ durch Einführung von Reservierungsgebühren in astronomischer Höhe abzuhalten gedachten, überlegten die Wurzelpflanzen, nicht ins Omelett zu wollen oder übten sich im Ausdruckstanz als kleine Knollenblätterpilze. Da waren Skurrilitäten nicht ausgenommen, die zu verstehen manchem Gast im Spitalhof etwas schwer fiel. „Die beiden mussten die Zuschauer nach den Sketchen schon beinahe auffordern zu klatschen, weil die nicht begriffen, wenn einer zu Ende war“, meinte der Zuschauer Hermann Sproul über den in seinen Augen sehr gelungenen Auftritt.

In der Tat war die Mischung aus Kabarett auf der Basis kulinarischer Spezialitäten des Ländles gewöhnungsbedürftig, dafür aber auch umwerfend komisch, wenn beispielsweise die Erfindung des Wraps sehr überzeugend einem Mönch aus Zwiefalten Ende des 19. Jahrhunderts zugedacht wurde.

„Wo is bloß des Spätzlebrett?“

Eine Reise durch die Welt unternahmen die beiden Künstler in ihrem musikalischen Varieté, vielseitig in der Instrumentenauswahl. Gewürzt mit Anleihen berühmter Welthits wie „Don’t let me be missunderstood“ und modifiziert zu „Wo is bloß des Spätzlebrett?“ oder gar lyrischem Chanson à la française um „Schalotte“, die Zwiebel auf Singletour. Stets in breitestem Schwäbisch „von dr Alb raaa“ erklärten sie auch, warum die Schwaben die Erfinder des Musikstils Rap sind, oder jodelten ein zweifach donnerndes „Fondue“. Und sie gaben Tipps in Sachen Abnehmen: FdH im Ländle heißt „a Nixle in a Bixle“,. Die Lacher waren ihnen diesmal gewiss.

Auf der schwäbischen Alb wird nicht nur Feinripp produziert, sondern auch Humor vom Feinsten. Mit zwei Mitgliedern des renommierten und bundesweit anerkannten Theaters Lindenhof in Melchingen hatte sich das Leonberger Kulturamt wieder einmal einen besonders leckeren Happen auf die kreative Festtafel geholt. Seit vielen Jahren ist das Ensemble um Intendant Stefan Hallmayer ein Garant für qualitätvolle Unterhaltung, und Regisseur Heiner Kondschak hatte für dieses Programm besonders schmackhafte Zutaten serviert. Diese sind zwar mit „Die Liebe zur Brezel, die Leidenschaft für Spätzle und der Kartoffelsalat scheee schlonzig und a bissle warm“ als typisch schwäbischer Unterhaltungsthematik nicht völlig taufrisch gewesen, dagegen aber die geniale Vermischung mit Laktose-, Fructose- und Humorloseintoleranz.

30 Jahre Theater Lindenhof

Wolfram Karrer begleitet das Theater Lindenhof schon seit vielen Jahren. So war er als Musiker, Komponist und musikalischer Leiter bei etlichen Produktionen mit dabei und überzeugte jetzt in Leonberg mit hoher Spielkunst. Gerd Plankenhorn gehört bereits seit fast 30 Jahren dem Theater Lindenhof an. Er spielte seit 1990 über 70 Rollen in mehr als 50 Inszenierungen.

Der in der Pause vom Obst-, Garten- und Weinbauverein Eltingen-Leonberg gereichte schmackhafte Eintopf mit Knöpfle bereicherte das üppige Menü für ein Publikum, dem vorher theatral-musikalisch der Mund wässrig gemacht worden war. Leider fehlte eine Zugabe als zusätzliches Dessert, aber vielleicht wird es ja noch nachgeholt.

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