JVA Heimsheim in der Coronapandemie Nach der Impfung fällt die Trennscheibe

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Der Weg in die JVA ist für Besucher seit Beginn der Coronapandemie noch mehr erschwert als vorher schon. Persönliche Kontakte waren phasenweise komplett untersagt. Foto: Simon Granville

Heimsheim - Mehr Besuche und wieder Aussicht auf Ausgänge: Die insgesamt erfreuliche Entwicklung der Corona-Infektionszahlen hat sich auch auf die Einschränkungen im Gefängnis in Heimsheim ausgewirkt. An einen Gefängnisalltag wie vor der Pandemie ist aber weiterhin nicht zu denken.

Seit mehr als 16 Monaten herrschen in der Justizvollzugsanstalt strenge Regeln, um eine Ausbreitung des Virus in der JVA zu verhindern. Die Handhabung hat sich bewährt, sagt der Leiter der JVA, Frank Jansen. „Natürlich hatten wir auch in der JVA vereinzelt Fälle unter den Bediensteten“, sagt er. Danach war es das Wichtigste, alle Kontakte nachzuvollziehen. Übertragungen auf Insassen habe es aber nie gegeben. „Positive Coronafälle gab es nur bei Neuzugängen, die also schon infiziert zu uns kamen.“

Quarantäne-Abteilung für Neuankömmlinge

Umso mehr habe sich die neue Quarantäne-Station ausgezahlt. Diese wurde extra geschaffen, um Gefangene, die neu in der JVA Heimsheim ankommen, zu isolieren, bevor sie ins Haupthaus kommen. „Platzmäßig war und ist es schwierig, das ging nur durch Nachverdichtung in den anderen Bereichen.“ Sprich: mehr Doppelbelegungen in den Zellen als üblich. Doch die neue Abteilung war zu wichtig, um darauf zu verzichten, betont Jansen. „Die JVA ist eine in sich geschlossene Blase, aber die ist sehr fragil.“

Die Quarantäne-Abteilung ist daher nicht die einzige Veränderung in der JVA, die weiterhin Bestand haben wird. Auch die Maskenpflicht in der JVA gilt noch. „Die Akzeptanz war tatsächlich groß, als das für die Gefangenen eingeführt wurde“, erinnert sich Frank Jansen. In der Anfangszeit hatte die Maskenpflicht erst nur für die Bediensteten gegolten. „Da hatten wir das Gefühl, die Gefangenen warten nur darauf.“ Seit Herbst 2020 gilt die Maskenpflicht auch für die Gefangenen, nur wenige lehnten die Einführung anfangs ab. „Danach hat man richtig gemerkt, wie auch andere Einschränkungen eher akzeptiert wurden, weil die Gefangenen gemerkt haben: Jetzt wird es ernst, Corona ist auch bei uns angekommen.“ Und diese Einschränkungen waren und sind erheblich, bedauert Jansen.

Auf Teamsport mussten und müssen die Gefangenen verzichten, das Platzkontingent während der Gottesdienste bleibt wegen der Abstandsregeln stark begrenzt. Besonders hart sind die Einschränkungen bei den Besuchen von draußen. Ehrenamtliche, die sonst einmal die Woche Mitmachprogramme wie Malkurse oder Spielegruppen für die Gefangenen anbieten, dürfen die JVA seit Monaten nicht mehr betreten. „Unser Ziel ist es aber, diese wichtigen Freizeitgruppen für geimpfte Gefangene wieder zu reaktivieren“, erklärt Frank Jansen. „Die Ehrenamtlichen müssen gleichfalls geimpft oder negativ getestet sein.“ Bislang habe er auf seine Anfragen hin zahlreiche positive Rückmeldungen erhalten, sodass die Freizeitgruppen nach derzeitigem Stand bald wieder starten können.

Wieder mehr private Besuche möglich

Und bei privaten Besuchen? „Es gab Phasen, in denen diese landesweit komplett ausgesetzt waren, das waren glücklicherweise aber immer nur einzelne Wochen.“ Seit Anfang des Jahres waren Besuche immerhin einmal im Monat für jeweils eine Stunde möglich, seit dem 1. Juli sind es zwei Stunden im Monat. „Außerdem haben wir Skype-Besuche neu eingeführt, vor allem für die Teilnehmer am Eltern-Kind-Programm.“ Zu diesem Zweck wurden extra Tablets für die Besucherräume angeschafft.

Körperlicher Kontakt blieb jedoch lange untersagt, selbst persönliche Besuche waren bis zum Juli nur mit einer Trennscheibe möglich. Erst jetzt, dank der erhöhten Impfquote außerhalb des Gefängnisses und einer groß angelegten Impfaktion im Gefängnis sind Besuche mit direktem Kontakt wieder möglich – zumindest für geimpfte Gefangene. „Zwischen nicht geimpften Personen findet der Besuch weiterhin im Trennscheibenbesuchsraum statt.“ Die sogenannten vollzugsöffnenden Maßnahmen, bei denen Gefangene mit Aussicht auf baldige Entlassung stundenweise nach draußen dürfen, um wichtige Dinge wie Bewerbungsgespräche zu erledigen, waren coronabedingt ebenfalls ausgesetzt. Zumindest für geimpfte Gefangene sind Ausgänge nun wieder möglich.

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Immerhin: Die Betriebe der JVA konnten bis auf zwei kurze Zeiträume 2020 und zum Jahreswechsel durchgehend offenbleiben. „Das war ein großer Wunsch der Insassen“, berichtet Frank Jansen.

„Wir sind sehr froh, dass wir die Möglichkeit für die Impfaktion vor einigen Wochen erhalten haben“, sagt der Gefängnisleiter. Dadurch sind jetzt mehr als 80 Prozent der Bediensteten durchgeimpft und etwa 50 Prozent der Gefangenen. „Ein mobiles Impfteam kam dafür bei uns vorbei.“ Allein dadurch seien die Lockerungen bei Besuchen, Ausgängen und künftig bei den Freizeitgruppen überhaupt möglich. Ein weiterer Termin zum Impfen sei wünschenswert, „die Impfbereitschaft wird dank der Lockerungen sicher noch mal nach oben gegangen sein“. Auf einen Termin habe die JVA selbst aber leider wenig Einfluss, „das hängt davon ab, wie viel Impfstoff vorhanden ist“.

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