Junge Menschen in der Coronazeit Dankbar für jede Freiheit

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Lea Stegmüller Foto: Marie Part

Weissach - Sie guckt auf die Uhr. Es ist kurz vor fünf. Feierabend also. Sie schaltet den PC-Bildschirm aus, steht von ihrem Schreibtischstuhl auf und sinkt erschöpft in ihren Sessel. Nachdenklich blickt sie aus dem Fenster. Doch dann lächelt Lea Stegmüller plötzlich, rafft sich auf und geht in die Küche. Sie kommt mit einem Glas Wein zurück, schaltet ihren Laptop an und sagt grinsend zu ihren Freunden: „Ich bin ein bisschen zu spät, tut mir leid. Wie war euer Tag?“

21-Jährige will ihre Familie schütze

„Ich habe sehr negative Gefühle, wenn ich an Corona denke. Einerseits werden so viele Menschen dadurch gefährdet und andererseits kann das alltägliche Leben nicht mehr so stattfinden wie davor. Das ist wirklich schlimm“, sagt Lea Stegmüller mit gesenktem Blick. Die 21-jährige Flachterin hatte sowohl im Freundes- als auch im Familienkreis schon Corona-Fälle.

„Ein enger Freund von mir hatte vor einiger Zeit Wochen das Virus. Er hatte hohes Fieber und keinen Geschmackssinn, aber es geht ihm jetzt zum Glück wieder gut“, erzählt sie. Die Sorge um die Menschen in ihrem Umfeld ist größer geworden. „Meine Oma, meine Eltern, meine Freunde und meine Kollegen sind diejenigen, die ich schützen möchte“, sagt sie.

Skype-Runden bei Wein

Die Corona-Pandemie beeinflusst das Leben der jungen Frau jeden Tag. „Wir sind dazu angehalten, so viel wie möglich im Homeoffice zu arbeiten und immer eine Maske zu tragen, wenn wir im Büro sind. Das schränkt die Arbeit mit meinen Kollegen natürlich massiv ein“, erzählt die Sachbearbeiterin. Und in der Freizeit? „Ich treffe nur noch meine engsten Freunde. Wenn wir uns in der Gruppe sehen wollen, skypen wir miteinander. Dann setzt sich jeder mit einem Glas Wein vor den Bildschirm und wir erzählen uns, was in der letzten Zeit so passiert ist oder spielen etwas zusammen“, erzählt sie lächelnd.

Zu der Einschränkung ihrer sozialen Kontakte kommt zudem, dass die junge Frau ihrem Sport nur noch bedingt nachkommen kann. „Normalerweise gehe ich mehrmals die Woche ins Fitnessstudio. Aber seitdem die wieder geschlossen haben, versuche ich, daheim so viel Sport wie möglich zu machen“, sagt sie.

Kleine Dinge mehr schätzen

Ihre Zuversicht geriet kurz ins Schwanken, als sie im Sommer eine Reise absagen musste, die schon seit mehr als einem halben Jahr geplant war. „Ich hatte mich so darauf gefreut, mit meinen zwei besten Freundinnen nach Ibiza zu fliegen. Und dann, nicht einmal eine Woche bevor es losgehen sollte, wurde Ibiza zum Risikogebiet erklärt.“

Trotz allem beschwert sich die junge Frau nicht. Sie findet die Maßnahmen sinnvoll und ist bereit, sich einzuschränken. Sie ist unsicher, ob das Leben wieder genauso wird, wie es einmal war. „Ich denke, dass es lange dauern wird, bis alles wieder normal ist. Die Menschen haben die Hygienemaßnahmen sehr verinnerlicht, und ich stelle es mir komisch vor, auf einmal wieder in einer großen Menge zu feiern, Hände zu schütteln und andere zu umarmen“, sagt sie nachdenklich. Doch dann lächelt sie breit und sagt: „Aber diese Zeit hat auch etwas Positives. Ich habe definitiv gelernt, die kleinen Dinge im Leben viel mehr wertzuschätzen, und ich bin sehr dankbar für jede Freiheit, die wir zurückgewinnen.“

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