Jugendgemeinderat Renningen Jugendliche sollen sich auch selbst einbringen

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Die Kommunalpolitiker Resi Berger-Bäuerle, Jan Hambach, Marcus Schautt (von rechts) sowie Wolfgang Steudle (Zweiter von links) und Monika Breitweg und stellen sich den Fragen von Moderator Bernd Reinhardt. Foto: factum/Bach

Renningen - Am 26. Mai sind Kommunalwahlen in Baden-Württemberg. Dann dürfen nicht nur alle Erwachsenen an die Wahlurnen gehen und ihre Stimme abgeben, sondern bereits junge Menschen von 16 Jahren an. Doch wen soll man wählen? Wer steht für was ein? Welche Ziele haben die Kandidaten und Parteien? Viele Renninger Schüler konnten sich davon am Dienstag selbst ein Bild machen. Der Renninger Jugendgemeinderat hatte zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, an der aus jeder Fraktion im Gemeinderat ein Vertreter teilnahm, um sich den Fragen der Jugendlichen zu stellen.

Einigkeit bei den großen Themen

Zu Gast sind Marcus Schautt (Freie Wähler), Wolfgang Steudle (CDU), Jan Hambach (SPD), Monika Breitweg (Grüne) und Resi Berger-Bäuerle (Frauen für Renningen). Wenig überraschend: bei den großen Themen gehen die Politiker weitgehend Hand in Hand. Unterschiede finden sich eher in Detailfragen. Bei den „Fridays for future“-Demos zum Beispiel sind sich alle einig, dass das Engagement der Schüler richtig und wichtig ist. Auch was Klimaziele innerhalb von Renningen angeht, streben die Politiker ähnliche Ziele an und betrachten das Wahlrecht ab 16 auch bei anderen Wahlen grundsätzlich als positiv. Nicht das Alter sei entscheidend, sondern das eigenständige Denken, transparente Politik und ein verantwortungsvoller Umgang mit Informationen. „Es gibt genügend Erwachsene, die noch nie bei so einer Podiumsdiskussion saßen“, erinnert Jan Hambach.

Was die Angebote für Jugendliche angeht, sehen die Politiker Renningen gut aufgestellt. Einerseits mit dem erfolgten Ausbau der Mediathek und dem baldigen Neubau der Sporthalle, andererseits mit Angeboten wie dem Freibad und den vielen Vereinen. Die SPD strebt zudem erweiterte Öffnungszeiten im Jugendhaus an, die Grünen unterstützen das. Einig sind sich die Vertreter aber darin: bei der Einbeziehung junger Menschen ist es vor allem wichtig, dass diese sich selbst einbringen. „Wir können versichern, dass wir immer Hilfe zur Selbsthilfe leisten, wenn ihr euch engagiert“, sagt Schautt. Der Input aber müsse von den Jugendlichen selbst kommen.

Unterschiede beim Thema ÖPNV

Unterschiedliche Ansätze gibt es zum Beispiel beim Thema öffentliche Verkehrsmittel. Während Resi Berger-Bäuerle sich für einen Stadtbus mit kürzerer Taktung ausspricht und Jan Hambach ergänzend an den erfolgreichen Einsatz der Jusos für einen Ausbau des Nachtbusses nach Böblingen erinnert, sieht Marcus Schautt hier vor allem finanzielle Schwierigkeiten. Ein besseres Stadt- und Nachtbusangebot ist „ein hehrer Wunsch, aber auch extrem teuer“. Er könne sich daher vorstellen, dass hier zunächst nur kleine Schritte möglich sind. Wolfgang Steudle denkt in ganz anderen Dimensionen: Statt ein Bussystem auszubauen, das weiter CO2 produziert, sollte man sich lieber verstärkt auf die Verbesserung der Radwegestruktur konzentrieren und auf lange Sicht Busse elektrifizieren. „Was soll ich jetzt noch sagen bei so vielen grünen Ideen, die hier kommen?“, bemerkt Monika Breitweg da schmunzelnd.

Auch wenn viele Ansichten sich ähneln, nehmen die Teilnehmer vom Gymnasium Renningen doch einiges von der Veranstaltung mit. 250 Schüler zwischen der neunten und zwölften Klassenstufe sind zu Gast. Danach folgen in einer zweiten Runde Schüler der Realschule. „Ich fand’s gut, dass man die Ansichten der Parteien hier einmal gesehen hat“, erzählt eine Schülerin der Kursstufe. „Ich mochte viele Aussagen, gerade was das Thema Umwelt und Klima angeht.“ Trotz der ähnlichen Tendenzen „hat man aber schon ein bisschen gesehen, wen man gut oder schlecht findet“.

„Informiert euch, geht wählen!“

Damit wäre das Ziel des Jugendgemeinderats in jedem Fall erfüllt. „Als JGR arbeiten wir mit dem Gemeinderat oft zusammen und kennen die Leute natürlich schon“, erzählt Ann-Sophie vom JGR. „Dank der Veranstaltung bekommen auch die anderen einen Eindruck von den Parteien“. Eine Schulkameradin kann das nur bestätigen: „Die Podiumsdiskussion war sehr hilfreich. Und sie motiviert, sich weiter zu informieren.“ Den Rat gibt auch der Moderator Bernd Reinhardt zum Abschluss an seine Mitschüler weiter: „Informiert euch, redet mit denen, die sich zur Wahl stellen, und redet auch untereinander.“ Und vor allem: „Geht wählen.“

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