Jubilare in Ditzingen Rathauschef kommt zum Geburtstag

Von Franziska Kleiner
Für die Jubilare gilt: Ein Wunsch pro Kerze. Foto: dpa/An/dreas Altwein

Ditzingen - Der Herr Bürgermeister oder gar der Oberbürgermeister kommt, um dem Bürger seines Ortes zum Geburtstag zu gratulieren. An diesem Ritual hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert. Selbst wenn die einstige, fast schon ehrfürchtige Distanz zum Rathauschef längst einer Begegnung auf Augenhöhe gewichen ist, so wird der Besuch des Rathauschefs anlässlich hoher Geburtstage offenbar immer noch gewürdigt. Darauf jedenfalls verwies die große Mehrheit der Mitglieder des Ditzinger Ausschusses für Finanzen, Kultur und Soziales und lehnte einen Antrag der Verwaltung ab, den diese noch im zu Ende gegangenen Jahr vorgelegt hatte. „Lassen Sie es, wie es ist“, hatte unter anderem der Fraktionschef der Unabhängigen Bürger, Dieter Schnabel, gefordert.

Reaktion auf den demografischen Wandel

Die Verwaltung hatte beantragt, die Jubilare – deren Einverständnis vorausgesetzt – künftig erst anlässlich ihres 85. Geburtstages zu besuchen. Bisher erhalten die Jubilare bereits zum 80. Geburtstag Besuch von der Verwaltungsspitze. Auch wenn in der Pandemie manch’ Ritual ausgesetzt wurde, so will die Verwaltung zwar grundsätzlich daran festhalten. Aber sie wollte eben künftig erst später mit der persönlichen Gratulation beginnen. „Wir wissen, dass es wertgeschätzt wird“, sagte der Oberbürgermeister Michael Makurath (parteilos). Gleichwohl fügte er mit Blick auf die demografische Entwicklung an: „Es werden viele.“

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Zumal es laut Makurath nicht allein mit dem Besuch am Geburtstag getan sei. „Sie müssen die Leute erst einmal antreffen“, verwies er auf die Organisation der Besuche bei einer Altersgruppe, die zunehmend agiler sei. „Das hat mit Aufwand zu tun“, sagte er und begründete damit den Vorstoß der Verwaltung. Diese hatte eine Statistik des Statistischen Landesamts vorgelegt, nach der im Fünfjahreszeitraum bis 2025 zwar die Zahl der 80- bis 84-Jährigen von 962 auf 904 sinkt, aber die Gruppe der mindestens 85 Jahre alten Bürger größer werde: in Ditzingen wächst sie von 731 auf 961.

Unterschätzt die Verwaltung die Bedeutung?

In der Aussprache hatte am heftigsten die CDU gegen den Vorstoß der Verwaltung argumentiert. „Ich glaube, die Verwaltung unterschätzt die Bedeutung, es geht um persönliche Kontakte“, sagte etwa der Fraktionschef Sven Sautter. Wolfgang Gommel warb für ein Beibehalten der alten Regel, weil ein 80-Jähriger auf jeden Fall noch mitbekomme, dass sein Lebenswerk geehrt werde. Die Verwaltung hatte den Antrag zwar zunächst mit den Ortsverwaltungen der drei Teilorte abgestimmt. Barbara Radtke (CDU), Ortsvorsteherin von Hirschlanden, schloss sich in der Diskussion dann aber ihrer Fraktion an – unter anderem mit dem Verweis, dass die Ditzinger noch lange nach dem Fest erzählten, es sei ein „super Geburtstag“ gewesen, weil der Oberbürgermeister da gewesen sei. Bei Bedarf dürfte sich eine Vertretung angesichts der Stellvertreterregelung finden lassen, zeigte sie sich überzeugt.

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Wie in anderen Kommunen In pandemiefreier Zeit gratuliert wird

Leonberg
 Der Oberbürgermeister oder einer seiner Dezernenten gratuliert persönlich zum 90., zum 100. und 105. Geburtstag eines Bürgers – danach kommt der Verwaltungschef oder ein Vertreter jedes Jahr. In den Teilorten übernimmt das Überbringen der Glückwünsche der Ortsvorsteher.  

Gerlingen
In Gerlingen besucht der Bürgermeister oder sein Stellvertreter die Bürger zum 80. Geburtstag, zum 90., 95. und hundertsten Geburtstag.

Weil der Stadt
Die Jubilare werden zum 85., 90. und 100. Geburtstag, wenn gewünscht, vom Bürgermeister besucht. Hat der Rathauschef selbst keine Zeit, übernimmt der Erste Beigeordnete den Besuch. Wenn auch er verhindert ist, gratuliert einer der ehrenamtlichen Stellvertreter des Bürgermeisters persönlich.

Rutesheim
  Hier teilen sich die Bürgermeisterin Susanne Widmaier und Erster Beigeordneter Martin Killinger die Freude, die Jubilare zu beglückwünschen. Beim 80. gratuliert Killinger, beim 90., 95., 100. und allen weiteren, schaut die Rathauschefin persönlich vorbei.

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