Jubilare bei Lewa Ein ganzes Arbeitsleben bei einer Firma

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Klaus Lahme (links) und Hans-Detlef Haucke sind Lewa seit 40 Jahren treu. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Vierzig Jahre bei einer Firma – ­dieses Jubiläum wird heutzutage nicht mehr sehr oft gefeiert. Das Leonberger Traditionsunternehmen Lewa GmbH kann gleich zwei dieser seltenen Jubilare beglückwünschen: Hans-Detlef Haucke und Klaus Lahme. Beide sind 1979 in die Firma eingetreten und bis heute noch dabei, der 67-jährige Klaus Lahme vollberuflich und Hans-Detlef Haucke, 71 Jahre alt, seit 2013 stundenweise.

In den vergangenen vier Jahrzehnten haben beide eine Menge mitgestaltet und miterlebt und die Entwicklung des Unternehmens vom familiengeführten Betrieb zum Konzern mitgetragen. „Als ich in Leonberg anfing, haben hier rund 200 Leute gearbeitet, heute sind es 600“, ­erinnert sich Lahme. Inzwischen ist die Lewa der führende Anbieter von präzisen ­Dosierpumpen, Prozessmembran-Pumpen und Dosier­anlagen für die Ver­fahrenstechnik, gehört zur japanischen ­Nikkiso-Gruppe und ­beschäftigt weltweit 1 200 Mitarbeiter.

Die Zahlen werden wichtiger

Der Maschinenbautechniker Klaus Lahme ist heute der Leiter der Kalkulationsabteilung, die er mit aufgebaut hat. „Dabei geht es um die Preisfindung der Verkaufsprodukte“, erklärt er. „Der Kal­kulator ist die Schnittstelle zwischen ­Betriebswirtschaft und Technik.“ Als ­Lahme bei Lewa anfing, war der Betrieb stark von der Ingenieurs-Technik geprägt. „Die Betriebswirtschaft lief irgendwie so mit“, erinnert er sich und lacht. „Damals haben unsere Kunden über die Technik, die wir entwickeln, entschieden. Was sie gebraucht haben, haben wir gemacht. Das hat sich in den vergangenen Jahren verändert, die Standards sind gesetzt und die Technik hat nicht mehr diesen Stellenwert. Die Zahlen sind immer wichtiger ­geworden, denn unsere Kunden sind ­heute stark preisorientiert.“

Auch in der Entwicklungs- und Kon­struktionsabteilung, in der Hans-Detlef Haucke arbeitet, hat sich seit seinem Eintritt in das Unternehmen vieles verändert. Haucke hat nach der Ausbildung zum Mechaniker ein Maschinenbaustudium absolviert und in den Semesterferien bei der Lewa gejobbt. Als er nach dem Studium als Konstrukteur anfing, standen in seinem Büro nur zwei Schreibtische, gegeneinander geschoben, „mit nur einem Telefon für alle drauf. Gerechnet wurde mit dem Rechenschieber, konstruiert auf dem Zeichenbrett.“ Lahme nickt, beide lachen herzlich bei dieser Erinnerung. „Ja, und die Aufträge wurden in eine Kladde eingetragen und im Schreibsaal von den Datentypistinnen getippt“, ergänzt Lahme.

Sie denken gern an früher zurück

Die Erinnerungen an die alten Zeiten sind noch lebendig: „Ich weiß noch, dass unser damaliger Chef und Firmengründer Herbert Ott oft, wenn wir samstags ar­beiten mussten, eigenhändig ein Vesper gebracht hat“, erinnert sich Lahme. Diese Zeiten sind zwar vorbei, doch die familiäre Atmosphäre, die die Lewa auszeichnet, hat sich gehalten. Auch deshalb haben weder Haucke noch Lahme im Lauf der Jahre die Firma gewechselt.

Bis 1985 hat Haucke am Zeichenbrett konstruiert, erst dann hielt nach und nach die moderne IT Einzug: Fernschreiber, Fax und schließlich der erste PC. „Aber nur ein PC pro Abteilung“, sagt Haucke und grinst, „da musste man sich ab­sprechen, wer wann an das Gerät durfte.“ Doch die alte Zeit hatte auch ihre Vorteile: „Man konnte in Ruhe arbeiten und kon­struieren, heute wird man oft durch ­E-Mails oder Anrufe unterbrochen.“

„Möglichkeiten erkennen und nutzen“

Und nicht alle Kollegen sind den Schritt ins Computerzeitalter mitgegangen. Haucke erinnert sich an einen ehemaligen Kollegen, der nach den ersten Versuchen am PC aufgab und meinte, am Reißbrett gehe das viel schneller. „Das war nicht der einzige. Aber man musste sich eben einarbeiten“, meint er, und Lahme ergänzt: „Und dabei auch die neuen Möglichkeiten erkennen und nutzen.“ Das haben beide über die Jahre beständig getan.

Seinen größten Kampf hat Haucke ­ausgefochten, als er die Geschäftsleitung vom internen Informationssystem EDM, einem Datenmanagementsystem, überzeugt hat. „Aber dann haben alle ungläubig geguckt und waren von den Socken, was das System alles konnte“, freut er sich bis heute, „die Einführung war ein Quantensprung und hat uns richtig vorwärts­gebracht.“

Was bringt die Zukunft?

Ans Aufhören denkt der Diplom-Ingenieur nicht. Er lebt in Leonberg, sein Weg zur Lewa ist in wenigen Minuten zu bewältigen und lohnt sich auch für wenige Stunden in der Woche: „Mir macht die Arbeit Spaß. Ich weiß nie, was mich erwartet, wenn ich komme“, das gefällt ihm, denn: „Es sind immer spezielle Aufgaben, die zu lösen sind.“ Kurz überlegt er: „Und was ich weiß, gebe ich auch gerne an die jüngeren Kollegen weiter. Man muss das Rad doch nicht jedes Mal neu erfinden“, ist seine Meinung. Die Schulungen, die Haucke anbietet, sind bei den jungen und neuen Mitarbeitern sehr beliebt.

Das mit der Wegezeit, das ist bei Klaus Lahme anders. Er hat jeden Tag eine ­ordentliche Strecke vor sich: „Ich lebe im Welzheimer Wald, ich bin also zwangsweise ein Frühaufsteher, um einigermaßen störungsfrei nach Leonberg zu kommen“, erzählt er, und das gilt gleichermaßen für Auto und Bahn. Deshalb bedeutet für ihn der für das kommende Jahr geplante ­Ruhestand auch den Abschied von der ­Lewa. Bis dahin hofft er auf einen Nachfolger: „Viele Ingenieure heute wollen bauen und nicht Zahlen analysieren, so, wie das mein Job ist“, erklärt er. „Aber für mich war es immer ein gutes Gefühl, wenn die Geschäftsleitung Entscheidungen aufgrund meiner Expertisen getroffen hat.“ Langweilen wird sich Klaus Lahme aber nicht im Ruhestand, dafür sorgen schon die Enkelkinder.

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