Jens Millow ist Amtsverweser Startschuss auch ohne Erhebung ins Amt

Von Sophia Herzog
Mit über 75 Prozent der Stimmen siegte Jens Millow bei der Weissacher Bürgermeisterwahl im Juli. Ende September wird er erst einmal Amtsverweser. Foto: Jürgen Bach

Überraschung ist es nicht, die Jens Millow in der jüngsten Sitzung – und der letzten vor seinem offiziellen Amtsantritt Ende September – ins Gesicht geschrieben steht. „Dass es so kommt, war eigentlich klar“, kommentiert er vor den versammelten Gemeinderäten und einem kleinen Publikum. Denn Millow, der die Bürgermeisterwahl Anfang Juli mit etwas mehr als 75 Prozent der Stimmen gewonnen hatte, muss erst einmal Amtsverweser bleiben. Nun hat auch der Weissacher Gemeinderat ihn offiziell zum Amtsverweser bestellt, in einer offenen und einstimmigen Abstimmung.

Erst einmal Amtsverweser

Fast schon vorbestimmt erscheint dieser Vorgang tatsächlich jedem, der die Kommunalpolitik in den Kommunen rund um Leonberg mindestens beiläufig verfolgt: Der kreisbekannte Helmut Epple hatte in den vergangenen Jahren bereits in Weil der Stadt oder Rutesheim gegen die dortigen Bürgermeisterwahlen geklagt. Erfolgreich war er damit nie – bis es aber offizielle Rückmeldung von den Gerichten gibt, dauert es gerne mal ein paar Monate. So fristete der Weiler Bürgermeister Christian Walter rund ein Jahr in der Rolle des Amtsverwesers, bevor er offiziell als Bürgermeister eingesetzt wurde.

Und auch in Weissach ist dieser Fall eingetreten: Epple, der hier ebenfalls kandidiert und knappe 0,8 Prozent der Stimmen erreicht hatte, legte gleich im Juli Beschwerde gegen die Wahl beim Landratsamt ein. Dieses hatte die Beschwerde zwar schnell zurückgewiesen, Epple ging im Anschluss aber den gerichtlichen Weg und reichte Klage beim Verwaltungsgericht in Stuttgart ein. Bis es hier eine Entscheidung gibt, hat Millow alle Rechte und Pflichten eines Bürgermeisters, allerdings kein Wahlrecht im Gemeinderat und den Ausschüssen.

Startschuss für den neuen Bürgermeister

Für Millow scheint das aber weder große Enttäuschung noch Hindernis zu sein: Die Einsetzung zum Bürgermeister wäre ein guter Startschuss gewesen, sagt er vor dem Gemeinderat. Die Bestellung zum Amtsverweser reiche ihm aber als Startschuss. „Wir können loslegen“, verspricht er. Einen Teil der Mitarbeiter habe er in den vergangenen Tagen schon kennenlernen können, nun gelte es, die Personallücken im Rathaus zu schließen. Akut wird für den neuen Bürgermeister in den kommenden Wochen und Monaten nach Antritt auch das Thema Gasmangellage werden.

Die Personalsituation in den Weissacher Kitas, die Unterstützung des Ehrenamts, die Aufwertung der Ortsmitte und die Stärkung von Gastronomie und Einzelhandel sind laut Jens Millow ebenfalls wichtige Themen für die neue Amtszeit. Gemeinsam mit Bürgern und Gemeinderat möchte Amtsverweser Millow außerdem einen Gemeindeentwicklungsplan entwickeln, der der Gemeinde Weissach in Zukunft als Leitfaden dienen soll. Viel zu tun? Das bestätigt der neue Amtsverweser auch mit seinen Schlussworten: „Herr Millow, an die Arbeit.“

„Chance zu einem kompletten Neuanfang“s

Zuversichtliche Worte finden zudem die Mitglieder des Gemeinderats. Auch wenn man Jens Millow nicht wie eigentlich geplant in einer Sondersitzung des Rates ins Amt erheben konnte, freut sich etwa Andreas Pröllochs auf die kommende Zeit. Pröllochs leitete die Sitzung anstelle des Noch-Amtsinhabers Daniel Töpfer, der verhindert war. „Wir haben die Chance zu einem kompletten Neuanfang“, sagt er, mahnt aber auch: „Es liegen große Herausforderungen vor uns, die wir nur in enger Zusammenarbeit bewältigen können.“ Er wünscht sich einen direkten Austausch zwischen Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung. Und: „Eine neue Kultur der Zusammenarbeit.“

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