Jagd in der Region Der Wolf nähert sich langsam

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Soll der Wolf gejagt werden oder nicht? Sabine Kurtz, Thomas Dietz, Heiderose Berroth, Bernd Murschel, Andreas Kindler und Tobias Brenner (v.l.) diskutieren. Foto: Schöll

Weil der Stadt - Im vergangenen Jahr war es soweit: Wolfsspuren bei Iptingen und ein­deutige DNA-Hinterlassenschaften an einem gerissenen Reh nahe Wiernsheim belegten, dass zum ersten Mal ein Wolf im Gebiet der Kreisjägervereinigung Leonberg aufgetaucht war. Kurz darauf wies das    zuständige baden-württembergische ­Umweltministerium in direkter Nachbarschaft ein Gebiet in einem 30-Kilometer-Radius rund um Bad Wildbad offiziell als „Förderkulisse Wolfsprävention“ aus.

Für die  Kreisjägervereinigung Leonberg ein guter Anlass, um während der ­Mitgliederversammlung in der Festhalle Merklingen mit Politikern und Vertretern der Landwirte über den künftigen Umgang mit dem Wolf zu diskutieren. Auf dem Podium standen die CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz, der umweltpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Bernd Murschel, Heiderose Berroth von der FDP, Tobias Brenner (SPD) sowie der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Andreas Kindler, und der stellvertretende Bezirksjäger­meister im Landesverband, Thomas Dietz. Kreisjägermeister Bodo Sigloch, der die kontrovers geführte Diskussion moderierte, betonte, dass Vertreter der AfD bewusst nicht eingeladen worden waren.

Akzeptanz der Bevölkerung ist für den Wolf überlebenswichtig

Sigloch machte zunächst deutlich, dass für die Zukunft des Wolfs hierzulande die Akzeptanz in der Bevölkerung für das Tier überlebenswichtig sei. Das setze einen „pragmatischen Umgang“ voraus. Er stellte zur Debatte, ob eine Regelung wie sie in der Schweiz praktiziert werde, nicht auch in Deutschlang gangbar wäre. Dort ist der Wolf zwar geschützt, aber Abschussfreigaben könnten erfolgen, wenn ein einzelnes Tier mehr als 25 Nutztiere im Monat gerissen habe. Sabine Kurtz betonte, dass für sie „die menschliche Sicherheit in jedem Fall Vorrang habe“. Ihr zur Seite sprang Heiderose Berroth, die darauf verwies, dass die FDP im Bund einen Antrag eingebracht ­habe, wonach der Wolf als jagdbare Tierart im Bundesjagdgesetz verankert werden sollte, dieser aber abgelehnt wurde.

Bernd Murschel forderte generell einen „sachlichen Umgang“ mit dem Problem: „Über eine Regelung wie in der Schweiz kann man sich durchaus unterhalten“, sagte Murschel. Er betonte jedoch, dass ein komplettes Wolfsmanagement wegen eines einzigen Wolfs in der Region „mit Kanonen auf Spatzen geschossen“ sei. Den Schaf- und Weidetier­haltern ließen die Grünen schon jetzt ihre volle Unterstützung zukommen. Für den Vorsitzenden des Kreisbauernverbands sind das Lippenbekenntnisse: „Einen pragmatischen Umgang mit dem Wolf gibt es nicht“, meinte Andreas Kindler. „Der Wolf hat im Kreis Böblingen einfach nichts zu suchen.“ Das sei viel zu gefährlich in einem so dicht besiedelten Gebiet. An die Adresse der Politik ging seine Kritik, dass die Diskussion von Tierschützern dominiert sei, das Anliegen der Bauern und Nutztier­halter aber nicht ausreichend berücksichtigt werde. Bezirksjägermeister Dietz wies darauf hin, dass die Weidetierhalter im Land einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz lieferten und auf keinem Fall „im Regen stehen gelassen“ werden dürften. Die Entschädigungsregelungen seien unterm Strich nicht kostendeckend.

„Der Wolf ist kein Kuscheltier“

Dem Wolfsproblem mit Hilfe von verschiedenen Zonen zu Leibe zu rücken, in denen der Wolf Schutz genieße, bedingt ­bejagt werden dürfe oder nicht geduldet werde, hält Bernd Murschel indes für nicht umsetzbar: „Der Wolf hat pro Nacht einen Bewegungsradius von über 70 Kilometern. Wie soll das umgesetzt werden?“ Berroth und Kurtz hielten dagegen eine Zonierung für zwingend, weil das Raubtier von dichten Besiedlungsgebieten unbedingt fern­gehalten werden müsse. „Der Wolf ist kein Kuscheltier“, meinte Kurtz, die kritisch darauf verwies, dass in Finnland inzwischen weniger Wölfe lebten als in Deutschland. Tobias Brenner hielt in diesem Zusammenhang eine Obergrenze für Wölfe, wie verschiedentlich diskutiert, nicht für praktikabel. „Wir brauchen eine verträgliche ­Anzahl, keine starre Obergrenze.“

Dass der Wolf für die Landwirtschaft in der Region derzeit gar nicht das wichtigste Problem sei, darauf hatte zu Beginn der Veranstaltung der Erste Landesbeamte im Landratsamt Böblingen, Martin Wuttke hingewiesen: Nicht der Wolf, sondern die Afrikanische Schweinepest sei das derzeit wichtigste Thema. „Das ist wirklich eine sehr reelle Gefahr“, sagte Wuttke.

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