Interview mit Mario Weisbrich „Müssen an nächste Generationen denken“

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„Der Gemeinderat ist von der Bevölkerung gewählt, und ich werde vertrauensvoll mit ihm zusammenarbeiten“, sagt Weisbrich. Foto: Gorr

Wimsheim - Was war 2019? Und wie geht es künftig weiter? Den Anfang des neuen Jahres nutzen wir, um mit den Bürgermeistern in der Region Bilanz zu ziehen. Heute: Mario Weisbrich aus Wimsheim, für den Klimaschutz kein neues Thema ist.

Herr Weisbrich, wo steht Wimsheim zum Jahreswechsel 2019/2020? Welche Projekte wurden in der jüngsten Vergangenheit oder werden gerade realisiert?

Diese Liste könnte relativ lang werden. Ich möchte sie mal auf zwei größere Punkte beschränken, die auch für die Bevölkerung am augenscheinlichsten sind. Gut läuft die Sanierung des Feuerwehrgerätehauses. Da sind wir im Plan, sowohl zeitlich, als auch bei den Kosten. Deutliche Anlaufschwierigkeiten hatte hingegen die Platzgestaltung für die neue Ortsmitte. Wenn man allerdings die Gesamtlaufzeit dieses Projekts seit 2003 anschaut, relativiert sich die aktuelle Verzögerung um ein halbes Jahr etwas. Aber Scherz beiseite, der Abstimmungsbedarf zwischen den Beteiligten war groß, jetzt läuft die Baustelle und ich bin zuversichtlich, dass wir 2020 einen Knopf dranmachen können. Was die Bevölkerung hingegen nicht so mitbekommt, ist die Umstellung aufs neue kommunale Haushaltsrecht, die gerade passiert. Das macht viel Arbeit. Dazu kommen die ganz normalen Unterhaltungstätigkeiten für die kommunale Infrastruktur, für Wasser, Abwasser, Liegenschaften. Hier wollen wir ein gleichmäßig hohes Niveau erhalten. Dazu sind viele Handgriffe notwendig.

Und welche Vorhaben stehen in der Warteschlange, außer die Ortsmitte?

Ganz aktuell, aber eigentlich permanent, ist das die Kinderbetreuung. Hier verändern sich die Bedingungen wie Zahlen, Bedürfnisse, räumlichen Gegebenheiten und Personal ständig. Da müssen wir oft anpassen. Wir werden dafür wohl in den nächsten Jahren viel Geld in die Hand nehmen müssen. 2025 soll der Rechtsanspruch auch für die Ganztagsbetreuung in der Grundschule kommen. Wir müssen jetzt anfangen zu überlegen, wie wir das machen können, wo wir räumliche Möglichkeiten schaffen und wie wir das nötige Personal bekommen. Diese Dinge brauchen langen Vorlauf. Der bestehende Rechtsanspruch auf Betreuung für unter Dreijährige erfordert permanente Nachsteuerung. Hier ist der Betreuungswunsch deutlich größer, als man bei der Festsetzung des Rechtsanspruchs angenommen hat. Und allein die notwendigen Erzieher auszubilden dauert drei Jahre.

Zu welchen Einweihungsfesten können die Wimsheimer in diesem Jahr gehen und was gibt es Neues?

Das Feuerwehrhaus werden wir dieses Jahr sicher einweihen, und den neuen Platz in der Ortsmitte auch, das muss jetzt einfach klappen. Dann wird es den Spatenstich für die Erschließung des 2. Bauabschnitts für das Neubaugebiet Frischegrund geben. Außerdem wollen wir das digitale Ratsinformationssystem für alle Bürger als App an den Start bringen. Und ab dem Frühjahr sollen in einer weiteren Bürger-App viele Informationen über die Gemeinde rasch und einfach verfügbar sein.

Wie haben Sie die Kommunalwahlen im Mai 2019 erlebt?

Der Gemeinderat ist von der Bevölkerung gewählt, und ich werde vertrauensvoll mit ihm zusammenarbeiten. Mich hat überrascht, dass zwischen dem öffentlich vorgetragenen Anspruch, mehr junge Menschen und mehr Frauen in Gemeinderat und Kreistag haben zu wollen, und den Wahlergebnissen doch eine ziemliche Diskrepanz herrscht. An den einzelnen Gewählten soll dies allerdings keine Kritik sein.

Das Thema Klimaschutz wird immer wichtiger. Welche Ansätze und Projekte dazu gibt es in Wimsheim?

Klimaschutz ist bei uns kein neues Thema. Wir haben seit über zehn Jahren Förderprogramme für Energieeinsparung, Solarthermie, Wärmepumpeneinbau, Wärmedämmung, Regenwassernutzung und manches mehr. Wimsheim hat ein eigenes kleines Nahwärmenetz für Schule, Kindertagesstätte, Hagenschießhalle und Sportstätte. Seit Jahren sind wir Mitglied in einem interkommunalen Energieeffizienz-Netzwerk. Bei diesen Themen sind wir ganz gut unterwegs und schauen bei jeder Investition darauf. Allerdings stammt der größte Teil des CO2-Ausstoßes in Wimsheim, nämlich 65 Prozent, von der Autobahn, und da haben wir keine Einflussmöglichkeiten.

Die Kommune war jüngst wieder auf der Suche nach möglichen Neubaugebieten, denn die Nachfrage ist groß. Wird Wimsheim weiter wachsen? Wie wird der Ort in zehn Jahren aussehen?

Nicht viel anders als heute. Die neuen Baugebiete, die wir jetzt aktuell entwickeln, werden wohl die letzten sein, denn wir sind räumlich und planerisch begrenzt. Wir haben zwar großen Zuzugswunsch und viele Anfragen, aber wir müssen auch an nachfolgende Generationen denken. Wir müssen die Potenziale sichern für Menschen, die auch in 20 Jahren hier noch wohnen oder herziehen möchten. Wimsheim bleibt eine attraktive Wohngemeinde mit einer breiten Palette an Wohnformen, mit einem regen Vereinsleben und mit Arbeitsplätzen hier vor Ort.

Zur Person: Mario Weisbrich ist seit 2010 Bürgermeister von Wimsheim. 2018 wurde er im Amt bestätigt. Der 46-jährige Diplom-Verwaltungswirt (FH) leitete vor seiner Zeit in Wimsheim zehn Jahre lang das Bauamt in der Gemeinde Kämpfelbach im westlichen Enzkreis.

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