Interview mit Jürgen Heugel Vom Fußballer zum Karnevalspräsidenten

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Das wird Jürgen Heugel am meisten fehlen: Bei der Renninger Fasnet als Präsident aktiv zu sein wie hier beim Rathaussturm 2019. Foto: factum//Jürgen Bach

Renningen - Anzeichen für die fünfte Jahreszeit sucht man vielerorts vergeblich. Seit dem 11. November sollten eigentlich die Narren regieren. Doch diesmal wurden die Narren selbst zum Narren gehalten – von einem winzigen Virus namens Sars-Cov-2. Faschingsveranstaltungen aller Art sind den November über tabu, keiner weiß genau, wie es danach weitergeht. Jürgen Heugel (60) aus Weil der Stadt hat sich kein einfaches Jahr ausgesucht, um Präsident des Landesverbands Württembergischer Karnevalvereine (LWK) mit seinen vielen anerkannten Masken- und Brauchtumsgruppen zu werden. Der bisherige Präsident der Renninger Schlüsselgesellschaft hat sich dennoch für das Amt beworben und wurde im September gewählt.

Herr Heugel, hatten Sie schon als Kind eine enge Verbindung zum Fasching?

Nein, gar nicht. Ich bin natürlich mal auf Faschingsfeiern gegangen, später auch mit den Kindern. Aber ich war nie in einem Verein. Stattdessen war ich bis in die 90er aktiver Fußballer.

Wie sind Sie dann dazu gekommen?

Über meine Töchter. Die haben in der Renninger Schlüsselgesellschaft getanzt. Aus diesem Grund bin ich auch in einem Renninger Verein, obwohl ich eigentlich in Weil der Stadt wohne. Erst war ich ganz normales Mitglied, ich bin aber relativ zügig in den Elferrat gekommen, das muss so um das Jahr 2002 gewesen sein. 2007 wurde ich dann Vize-Präsident und 2009 schließlich Präsident der RSG.

Sie sind also ein Quereinsteiger. Was fasziniert Sie so am Fasching?

Es ist vor allem das Brauchtum. Das ist ja eine Jahrhunderte alte Kultur mit vielen Facetten, die da gelebt wird. Im Verein begeistert mich vor allem die Jugendarbeit, zu beobachten, wie der Verein dadurch gewachsen ist, und zu sehen, wie unsere Garden an Turnieren teilnehmen. Und natürlich gehört auch der Spaß mit dazu. Man muss Freude unter die Leute bringen, dafür ist die fünfte Jahreszeit da.

Was hat Sie schließlich dazu bewogen, noch einen Schritt weiterzugehen und sich als Präsident des Landesverbandes zu bewerben?

Ich bin schon seit 2010 in den Landesverbänden vertreten, zum Beispiel im Landesverband für Gardetanz. Seit dem Jahr 2013 bin ich nun im Präsidium des LWK, da ein Präsidiumsmitglied aufgrund einer Krankheit ausgefallen war. Das war also eher ein Zufall. In 2016 wurde ich dann zum Vizepräsident in dem Landesverband gewählt. Als dann aber der amtierende Präsident gesagt hat, dass er nicht mehr antreten wird, habe ich mich als Präsident aufstellen lassen.

Sind Sie in Renningen dann gar nicht mehr aktiv?

Doch, ich bleibe in der RSG und beteilige mich auch weiter am Vereinsleben, hauptsächlich in beratender Tätigkeit. Aber ich habe schon länger gesagt: Ich möchte gerne irgendwann eine neue Herausforderung. Gleichzeitig verjüngt sich das Leitungsteam in der RGS. Es hat also gut gepasst. Und im Landesverband sah ich meine Chance, etwas zu verändern.

Was genau ist Ihre Aufgabe dort?

Verbandsarbeit ist auf jeden Fall etwas ganz anderes als die Vereinsarbeit. Es geht überall darum, dass das Kulturerbe der Fasnet erhalten bleibt und gepflegt wird. Wir organisieren Schulungen, Workshops, die Württembergischen Meisterschaften im Gardetanzsport, Ehrungen und Verleihungen, den Ministerpräsidentenempfang und dergleichen. In erster Linie sind wir aber Dienstleister für die zahlreichen Mitgliedsvereine. Zum Beispiel haben wir dafür gesorgt, dass unsere Mitgliedsvereine die Corona-Soforthilfen des Landes für Vereine erhalten haben.

Bildet Corona für Sie dahingehend eine besondere Herausforderung?

Wir müssen bei unseren eigenen Veranstaltungen natürlich alles Notwendige bedenken. Das meiste liegt aber in den Händen der Mitgliedsvereine. Wir können ihnen nur eine Leitlinie geben, darüber hinaus müssen sie eigenständig planen und entscheiden und sich mit ihren jeweiligen Ordnungsämtern auseinandersetzen – sofern nicht, wie jetzt, ohnehin ein allgemeines Verbot von Veranstaltungen gilt.

Wenn dieses Jahr so vieles nicht stattfinden kann – haben Sie als Präsident dann überhaupt etwas zu tun?

Das auf jeden Fall. Unsere Ordensverleihung musste ausfallen, das stimmt. Wir hoffen aber, dass wir das im Januar nachholen können. Ansonsten wird es, außer der Fernsehsitzung „Schwäbische Fasnet aus Donzdorf“, die jedes Jahr im SWR zu sehen ist, wohl keine öffentlichen Veranstaltungen des Landesverbandes geben. Aber wir planen jetzt schon für die Zukunft – nach der Fasnet ist schließlich vor der Fasnet. Und im Hintergrund ist viel zu tun, denn wir möchten den Landesverband umstrukturieren, dabei steht die Transparenz gegenüber unseren Mitgliedsvereinen und die Digitalisierung im Vordergrund.

Was wird Ihnen an der Schlüsselgesellschaft am meisten fehlen?

Ich bleibe ja, wie gesagt, Mitglied im Verein. Aber was mir auf jeden Fall fehlen wird, das sind die eigenen Veranstaltungen, die ich als Präsident hatte, zum Beispiel der Rathaussturm in Renningen, und meine Tätigkeit auf der Bühne anlässlich unserer Sitzungen. Dafür gibt es im Landesverband andere Gelegenheiten. Zum Beispiel kann ich viele Veranstaltungen unserer Mitgliedsvereine besuchen und so die Vielfalt der Fasnet in Württemberg erleben.

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