Kleinfelder-Keller in Leonberg Ein unentdeckter Teil der Altstadt-Unterwelt

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Foto: Oli Graf

Leonberg - Wer dieser Tage mit offenen Augen durch die Altstadtgassen schlendert, dem wird an der Ecke Graf-Ulrich-Straße/ Im Zwinger eine kleine rote Tür auffallen, über der ein Wappen prangt. Es ist das der Familie Kleinfelder, die schon seit dem 14. Jahrhundert hier wohnt.

Das alte Stammzeichen soll den Weg in ein Tiefgeschoss weisen, das am Freitag erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Pünktlich zum Pferdemarktauftakt macht der Kleinfelder-Keller seine Tore auf. Ein wichtiges Signal, wurde doch in den vergangenen Jahren zurecht befürchtet, dass angesichts der Schließung dreier Traditionsgewölbe die Leonberger Keller-Tradition stark bröckelt.

1200 Liter Most und 400 Liter Wein

Da kommt der Keller der Familie Kleinfelder, die obendrüber das Damenmode-Geschäft Only Woman betreibt, gerade recht. „Früher wurden hier Lebensmittel und Getränke gelagert“, erinnert sich der Hausherr Martin Kleinfelder. „Gut 1200 Liter Most und 400 Liter Wein, damit es über den Winter reichte.“

In seiner frühen Jugend gehörte es zu seinen Aufgaben, den Most nach oben zu bringen. „Bis ich oben war, hatten immer zwei oder drei Schluck gefehlt. Und meine Eltern hatten sich gewundert, dass der Bub immer gut drauf ist.“ Der Kühlschrank machte den Keller überflüssig. Der kleine Martin musste keinen Most mehr holen.

Fünf Kubikmeter Steine

Erst als vor zwei Jahren im Haus ein Umbau anstand, fiel dem Restaurator Matthias Haag das in Vergessenheit geratene Tiefgewölbe auf. „Das dürft ihr nicht verstecken“, empfahl der Fachmann der Familie. „Da müsst ihr was draus machen.“

Und sie machten was draus. Ein Jahr waren die Sanierungsspezialisten Haag, Roman Braun und andere Helfer zugange. Fünf Kubikmeter Steine mussten sie herausschleppen, der Boden wurde um einen halben Meter gesenkt. „Es war schon eine richtige Drecksarbeit“, sagt Kleinfelder.

Doch die hat sich gelohnt. Denn herausgekommen ist ein schmucker Keller, der mit vielen netten Details ausgestattet ist, Sitzbänke mit Kissen und eine separate Bar hat. Echte Hingucker sind ein Bild von einem Schwarzwald-Mädchen und eine Lampe mit einem Lüsterweibchen über der Theke. „Die habe ich bei einem Antiquitätenhändler entdeckt“, berichtet Martin Kleinfelder stolz. „Der hatte sie 20 Jahre in seinem Büro hängen.“

Haus aus dem 14. Jahrhundert

An der Bar gibt es während des Pferdemarkts kleine Leckereien und Getränke aller Art. Wem allerdings der Sinn nach etwas Hochprozentigem steht, der muss sich recken: Die Destillate sind in einem Korb an einem Seil. Früher wurde damit das Bier von unten nach oben gehievt.

Das Haus der Kleinfelders hat Geschichte. Im 14. Jahrhundert ist die Familie von Vorpommern nach Leonberg gesiedelt. „Anfangs waren es drei kleinere Häuser, die im Lauf der Jahrhunderte bei mehreren Umbauten zum jetzigen Gebäude zusammengewachsen sind“, erzählt Kleinfelder.

Platz für 50 Gäste

Ausdrückliches Lob zollen er und sein Schwiegersohn Oliver Reuter den städtischen Baubehörden, die den Umbau sehr konstruktiv begleitet hätten. Der Keller soll nicht nur beim Pferdemarkt die Gäste locken, sondern insgesamt die Altstadt beleben. Die Kleinfelders wollen dort Kleinkunstabende und Konzerte veranstalten. Auch kann das Gewölbe, in dem bei normaler Bestuhlung 50 Menschen Platz finden, für private Feiern gemietet werden.

Doch jetzt steht zuerst die Feuertaufe beim Nationalfeiertag an. Da dürften sich ein paar Menschen mehr in diesen bisher unentdeckten Teil der Unterwelt wagen.

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