Impftermin im Dialysezentrum Leonberg Die Impfung gibt es zur Dialyse dazu

Von Arnold Einholz
Björn Friedrich erläutert den Patienten in Leonberg die Modalitäten für die Corona-Impfung während der Dialyse. Foto: Simon Granville

Leonberg - Zwei mobile Impfteams des zentralen Impfzentrums Stuttgart sind gegenwärtig in den Dialysezentren in Leonberg, Böblingen und Herrenberg unterwegs, um den Patienten vor Ort während der Behandlung auch ein Coronavakzin zu verabreichen. In den von der gemeinnützigen Stiftung Patienten-Heimversorgung (PHV) betriebenen Zentren werden gegenwärtig rund 340 chronisch nierenkranke Patienten mit der lebenserhaltenden Dialysebehandlung versorgt.

In den drei Zentren werden sämtliche Dialyseverfahren einschließlich der Heimdialyse angeboten. Sie stehen unter der Leitung eines Fachärzteteams bestehend aus Konrad Teuffel, Richard Storkenmaier, Andrea Fritz, Björn Friedrich, Jens Wilhelm, Eva Kohns und Hanno Bunz.

In hohem Maße gefährdet

„Wir freuen uns, dass wir den Patienten nun die dringende Schutzimpfung ermöglichen können. Nach der geltenden Impfverordnung gehören Dialysepatienten leider nicht zur Impfgruppe mit der höchsten Priorität, obwohl diese Patientengruppe in höchstem Maße gefährdet ist,“ erläutert Professor Björn Friedrich, der hauptsächlich im Leonberger Zentrum tätig ist. „Die Listen wurden seinerzeit schnell gestrickt und vieles nicht berücksichtigt.“

Dabei verlaufe laut nationalen und internationalen Studien für jeden fünften Dialysepatienten die Corona-Infektion tödlich. Ursächlich dafür ist neben der Nierenerkrankung die Vielzahl an Begleiterkrankungen, unter denen Dialysepatienten häufig leiden. „Besonders gefährdet sind ältere Patienten und Männer“, weiß der Fachmann. Bei Menschen im Alter von über 75 Jahren, die auf eine Dialyse angewiesen sind, sterbe sogar fast jeder dritte. „Auch von unseren Patienten sind leider einige mit dem Coronavirus verstorben“, schildert Björn Friedrich.

Viele gehören erst zur zweiten Prioritätengruppe

Deshalb würden schon seit langem Bemühungen laufen, dass Dialysepatienten so schnell wie möglich geimpft werden. Nachdem die Prioritätenliste 1 so gut wie abgearbeitet ist, was auch gut 20 Prozent der Dialysepatienten betrifft, können sich die mobilen Impfteams auch auf die Prioritätenliste 2 konzentrieren. Dazu gehören auch jüngere Dialysepatienten. „Unser Alterdurschnitt liegt bei 75 Jahren, aber wir haben auch einen 25-jährigen Patienten und mehrere über 90“, schildert Friedrich. Alle nicht Geimpften bekommen nun bis Ende Mai den Biontech-Impfstoff verabreicht.

Das Problem ist, dass die Dialysepatienten in der Regel dreimal wöchentlich für jeweils vier bis fünf Stunden zur Blutwäsche in das Dialysezentrum müssen. Eine Selbstisolation zum Schutz vor einer Corona-Ansteckung sei daher so gut wie nicht möglich. Im Dialysezentrum gelten zwar strenge Hygienerichtlinien, aber ein Kontakt zu den Mitpatienten, dem Pflegepersonal und den behandelnden Ärzten lasse sich nicht vermeiden. „Dazu kommt, dass viele nicht mobil sind und als liegender Patient nicht in ein Impfzentrum gebracht werden dürfen“, schildert Björn Friedrich das Dilemma.

Impfung während der Behandlung

Aus diesem Grund wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um für die Patienten eine Impfung im Dialysezentrum zu ermöglichen. „Durch den Besuch des mobilen Impfteams müssen unsere Patienten nicht zu einem Impfzentrum fahren, sondern werden während der Dialysebehandlung geimpft. So entfallen für sie die Bemühungen, einen Impftermin zu erhalten, sowie die oft mühselige Fahrt zum Impfzentrum“, ist der ärztliche Leiter über die gegenwärtige Situation etwas erleichtert. Das Dialysezentrum hat dafür alle notwendigen Formalitäten erledigt.

Von den in den drei Dialysezentren der PHV-Stiftung tätigen Pflegekräften hat sich ein Großteil bereits impfen lassen, sodass nach erfolgter Impfung der Patienten für sie ein doppelter Schutz bestehe, sagt Björn Friedrich. Die gemeinnützige Stiftung PHV engagiert sich seit über 40 Jahren für die Versorgung dialysepflichtiger Patienten. Sie wurde 1973 als rechtlich und wirtschaftlich unabhängige gemeinnützige Stiftung zur Förderung der Heimdialyse errichtet. Doch es stellte sich heraus, dass viele Patienten für eine Heimdialyse nicht in Frage kommen und auch keinen stationären Klinikaufenthalt brauchen. So entstand schon 1974 das erste ambulante Dialysezentrum.

Dialysezentren für 7000 Patienten

Heute betreibt die PHV-Stiftung ein Netzwerk mit 90 Dialysezentren in der ganzen Bundesrepublik sowie jeweils einem Zentrum in Österreich und in der Schweiz. Die Stiftung zählt als zweitgrößte gemeinnützige Organisation zu den führenden deutschen Dialyseanbietern. Rund 2000 spezialisierte Mitarbeiter betreuen gemeinsam mit mehr als 150 qualifizierten Fachärzten insgesamt rund 7000 Dialysepatienten.

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