Hundezucht in Leonberg Der Leonberger soll in seine Stadt zurück

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Familie Kaisser mit ihren Hunden. Foto: factum/Granville

Leonberg - Der Besuch bei Familie Kaisser ist von Beginn an ein Erlebnis. Über ein sich elektrisch öffnendes Tor und sehr viele Stufen gelangt man zu dem weit oben liegenden Haus mit der fantastischen Aussicht. Auch die Türe öffnet sich wie von Zauberhand. Schließlich erwarten, hinter einem Schutzgitter am Kopf der Treppe, zwei neugierige und wirklich sehr große Leonberger Hundedamen den Gast.

Der Hausherr nimmt Kiwi und Stella beiseite, um den Eintritt zu erleichtern. Doch dann ist ein erstes Beschnuppern des Neuankömmlings Pflicht. Schließlich betritt man das Reich ihrer Familie, bestehend aus Ralph und Melanie Kaisser, den Töchtern Jule und Raiya, den beiden Maine Coon-Mix Katern Paul und Dexter und natürlich den beeindruckenden Leos.

Schnell spürt man das Herzblut und die Begeisterung von Ralph und Melanie Kaisser für ihre Vierbeiner. Von der Entscheidung, sich einen Hund anzuschaffen, mit all den Überlegungen, die besser im Vorfeld genau beleuchtet werden, bis zum Einzug der damals acht Wochen alten Hündin Kiwi im April 2015, dauerte es rund ein Jahr.

Warum gerade ein Leonberger?

„Groß sollte er sein, familientauglich und ein tolles, freundliches Wesen haben. Das waren unsere Grundvoraussetzungen“, erzählt Melanie Kaisser. Als gebürtiger Leonberger findet Ralph Kaisser mit seiner Frau ziemlich schnell den Weg zu den sanften Riesen aus seiner Heimatstadt. Im Frühling 2016 komplettierte die Hündin Stella das Achtergespann der Familie. Doch nun sollen es noch mehr werden.

Woher kam die Idee einer Zucht?

„Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht“, sagt Kaisser. „In Deutschland ist der Leonberger Hund erstaunlicherweise recht wenig vertreten. Diese Rasse hat im Ausland einen höheren Bekanntheitsgrad. Nur rund 600 Welpen pro Jahr werden gezüchtet, und es ist gar nicht so leicht, eines dieser Tiere zu bekommen“, erklären die angehenden Züchter. „Wer glaubt, dass er nur hinzugehen braucht, um sich einen Welpen zu holen, ist auf dem Holzweg.“

Was ist nötig?

Der zukünftige Besitzer muss wichtige Voraussetzungen mitbringen. Das ist nicht alleine der nötige Platz , sondern vor allem ein Mensch, der weiß, dass große Verantwortung und auch ein nicht zu unterschätzender Aufwand damit verbunden sind. „Dabei ist das Futter mit rund 120 Euro pro Monat noch der geringste Posten“, betont Melanie Kaisser. „Anfallende Tierarztkosten und eventuell angestrebte Ausbildungen übersteigen das bei Weitem.“

„Der Hauptgrund für unsere Zucht ist aber der Wunsch, diese charakterstarken Hunde hier in Leonberg wieder präsenter zu machen“, berichtet Melanie Kaisser. „Es ist schon fast 30 Jahre her, dass in unserer Stadt ein Leonberger geboren wurde, und die hier lebenden Tiere kann man problemlos an zwei Händen abzählen. Das wollen wir ändern.“

„Außerdem müssen die Hunde zur Zucht zugelassen werden. Das bedeutet, dass unsere Mädels Standards in Bezug auf das Aussehen, ihr Wesen und Verhalten erfüllen und gesundheitliche Gutachten bestehen mussten“, ergänzt ihr Mann.

Wie registriert man eine Zucht?

Wer züchten will, muss in Deutschland leben und Mitglied im Deutschen Club für Leonberger Hunde sein. Der Zuchtwart des Vereins nimmt sowohl die Menschen als auch die Zuchtstätte in Augenschein. Es braucht genügend Platz und einige Sicherheitsvorkehrungen.

Was sind die Vorzüge?

Neben dem wahrhaft königlichen Aussehen mit dem charakteristischen langen Fell in den Farben löwengelb bis rotbraun und der dunklen Gesichtsmaske, einer imposanten Größe von 65 bis 80 Zentimetern, dem stattlichen Gewicht von 45 bis 70 Kilogramm macht vor allem der Charakter den Leonberger zum idealen Familienhund.

Diese Rasse zeichnet sich durch ihre ausgeprägte Souveränität und Sanftmut aus. Dabei sind sie wachsam, ausgeglichen und lassen sich selbst in brenzligen Situationen nicht aus der Ruhe bringen. Der Begriff Wesensfestigkeit macht sie auch zu wunderbaren Therapie-und Besuchshunden, etwa in Schulen oder Altersheimen.

Die Familie Kaisser hat mit Kiwi und Stella bei den Maltesern diese Ausbildung erfolgreich absolviert. „Es ist uns ein Anliegen, dass möglichst jeder Grundschüler wenigstens einmal in seinem Leben einen Leonberger gesehen hat und natürlich streicheln darf, wenn er möchte“, erklären die Kaissers. „Wir freuen uns über jede Kontaktaufnahme und kommen gerne zu einem Besuchstermin in die Schule.“

Wie hoch ist die Lebenserwartung? „Wie alle großen Rassen, werden auch die Leos leider nicht so alt. Realistisch sind acht bis neun Jahre“, sagt Ralph Kaisser.

Was ist mit dem Thema Urlaub?

„Entweder können die Hunde für diesen Zeitraum in einer Tierpension wohnen oder man gibt sie einem anderen Züchter zur Pflege“, sagt Melanie Kaisser. „Viele Familien planen aber ihre Reiseziele einfach entsprechend.“ Die Kaissers fahren gerne an die Nordsee oder die Ostsee und genießen gemeinsam die Zeit am Wasser.

Kiwi und Stella haben es sich nach ausführlicher Begutachtung per Hundenase längst gemütlich gemacht und strahlen im Schlaf Ruhe aus. Diese großen Hunde brauchen zwar ein hohes Maß an Familienanschluss, aber keine ständige Beschäftigung, berichten die Kaissers. „Natürlich sind Spaziergänge in der Natur wichtig. Aber durch ihre Gelassenheit können sie überall hin mitgenommen werden.“

Nun warten alle gespannt, ob das Anfang September stattgefundene amouröse Abenteuer der Hündin Stella mit dem ausgewählten Rüden erfolgreich war und die neue Hundezucht mit dem Namen „Löwe aus Leonberg“ begründet werden kann.

Kontakt: www.loeweausleonberg.de

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