Hospiz Leonberg Von der Graswurzelbewegung zum letzten Haus

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Vor 20 Jahren wurde das stationäre Hospiz in der Seestraße eröffnet. Foto: Hospiz Leonberg

Leonberg - Am Samstag feiert das Hospiz in der Seestraße ein doppeltes Jubiläum: Seit 1994 gibt es den ambulanten Hospizdienst, vor 20 Jahren kam das stationäre Hospiz hinzu. Die Arbeit mit Menschen, denen der Tod vor Augen steht, hat sich aus dem Ehrenamt entwickelt. Wie sich das entwickeln konnte, hat bei jedem Haus eine eigene Geschichte. Doch der Aspekt der Ehrenamtlichkeit ist geblieben, er zeichnet die Arbeit aus, auch in einer Zeit zunehmender Standardisierung in diesem Bereich.

Alles begann Ende der 70er Jahre mit einer Selbsthilfegruppe nach einer Krebserkrankung, die von einer Sozialarbeiterin betreut wurde. Damals war Krebs eine Krankheit, über die man nicht sprach – heute kaum noch vorstellbar. Besonders der Brustkrebs bei Frauen war ein Thema, das nicht gesellschaftsfähig war. Wenig Kommunikation bedeutet im Allgemeinen aber auch wenig Wissen, bei den betroffenen Frauen und vor allem bei den Familien und in der direkten Umgebung. Fehlende Nachbetreuung war zu jener Zeit noch gang und gäbe.

Hospizbewegung kommt aus Amerika

Um dies zu ändern, verfolgte der Seelsorger Pfarrer Walther Strohal im Leonberger Krankenhaus die Idee einer Vereinsgründung, die er auch durchsetzte. „Mit der Krankheit leben“ wurde 1982 geboren. Gleichzeitig entstanden Pläne für den Ausbau der Sozialstation Leonberg in Richtung einer ambulanten Sterbebegleitung. Der Gedanke einer speziellen Wohnung, in der Schwerstkranke medizinisch versorgt und sogar psychosozial begleitet werden, wurde vom Gemeinderat unterstützt. Eine Krankenwohnung wurde angedacht.

Diese Vorstellungen hatten ihre Quelle in der Hospizbewegung, die von Amerika aus nach Deutschland schwappte. Das Buch „Interviews mit Sterbenden“ der amerikanisch-schweizerischen Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross wurde gleichzeitig ein Bestseller. Die dynamischen Kirchenvertreter dieser Stadt erkannten Anfang der 90er Jahre den Bedarf an der Begleitung schwerstkranker Patienten und konnten in der Ärzteschaft Leonbergs gute Unterstützung gewinnen. Da dem Plan auch vonseiten des Gemeinderates kaum etwas entgegenzusetzen war und der Kreistag in Böblingen von der Brisanz einer solchen Einrichtung überzeugt werden konnte, kam es 1991 zur Gründung des Fördervereins und der Ausbildung der beiden ersten ambulanten Hospizgruppen.

Viele Menschen machen es möglich

In jenen Tagen haben sich viele Menschen in dieser wichtigen Hilfe eingebracht. Erste Pläne für ein stationäres Hospiz als Ersatz-Zuhause entstanden. Die Erfahrung zeigte, dass Angehörige oft mit dem Sterben eines geliebten Menschen zu Hause überfordert sind, zumal die körperlichen Symptome eine medizinische Herausforderung darstellen. Mit der engagierten und großzügigen Unterstützung des Samariterstiftes und unglaublich großer Spendenbereitschaft der Bewohner Leonbergs, finanziell als auch mit Sachspenden, konnte schließlich das Haus Nummer 54 für eine geringe Miete zunächst für fünf Jahre bezogen werden. „Aus dem Nichts heraus“, entstand ein letztes Zuhause für sechs sterbende Menschen.

Große Spendenbereitschaft

Pflegekräfte wurden gesucht, das Hospiz Stuttgart leistete Starthilfe, jede ehrenamtliche Hand, jede Sachspende und jede Arbeitsstunde trug und trägt zum Erfolg und Wachstum der Hospizidee in Leonberg bei. „Die Spendenbereitschaft ist enorm groß, unser Haus ist ein fester Bestandteil der Stadt geworden, daher gilt unser Dank allen Menschen, die am Gelingen beteiligt waren“, freut sich Kristin Kuhl, die Vereinsvorsitzende.

Termin:
Der Festakt findet am Samstag, 18. Mai, 11 Uhr, im Haus der Begegnung (Eltinger Straße 23) statt. Der Mediziner Giovanni Maio hält einen Vortrag über „Sterben in Würde – Für eine Ethik der Sorge am Lebensende“. Die musikalische Begleitung übernehmen Bezirkskantor Attila Kalman und Pfarrer Dennis Müller, beide am Piano.

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