Höfingerin bei Mario Barth Absurdistan auf dem Wertstoffhof

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Runde und flache Tonne in Ditzingen, gelber Sack in Weilimdorf und Wertstoffhof in Höfingen – Linda Kloss erklärt die verschiedenen Mülltrennungssysteme in der Sendung von Mario Barth. Foto: LKZ

Leonberg - Linda Kloss steht in Ditzingen vor zwei grünen Tonnen. „Das hier ist rund und das ist flach“, erklärt sie in die Kamera. Dieses Trennungssystem für recycelbare Wertstoffe gibt es im Landkreis Ludwigsburg. In die „flache“ Tonne wirft sie zur Demonstration etwas Papier und Plastikfolie. In die „runde“ Tonne kommen eine Getränkedose und eine Kakao-Verpackung.

Dann hält sie einen gelben Sack hoch. „Und hierin sammelt man Verpackungen in Weilimdorf“, berichtet sie weiter. Das liegt nur vier Kilometer weiter und gehört zur Landeshauptstadt Stuttgart. Und in Kloss’ Wohnort Höfingen, ebenfalls nur vier Kilometer von Ditzingen entfernt, muss alles einzeln gesammelt und anschließend getrennt auf den Wertstoffhof gebracht werden. Dies ist das System im Kreis Böblingen.

Absurditäten im deutschen Müllsystem

Das Video, das das Nebeneinander von drei gänzlich verschiedenen Mülltrennungssystemen innerhalb weniger Kilometer zeigt, ist Teil eines größeren Beitrags in der Sendung „Mario Barth räumt auf“, die am Dienstagabend bei RTL ausgestrahlt wurde. Darin befassen sich der Komiker und die Kabarettistin Lisa Feller mit den Absurditäten des deutschen Müllsystems – wobei schnell klar wird, dass es eben nicht nur ein System gibt.

Doch wie kam die Höfingerin in die Show? „Ich schaue Mario Barths Sendungen sehr regelmäßig. In seiner letzten Sendung im März fragte er dann die Zuschauer, welche Themen sie interessant finden, und die Promis entschieden sich dann für Müll“, erinnert sich Linda Kloss. „Ich hatte da gerade frei und hab’ mich hingesetzt und eine E-Mail geschrieben.“

Kleiner Kulturschock im Süden

Drei Wochen später habe die Redaktion angerufen und sich das mit den drei verschiedenen Mülltrennungssystemen noch einmal erklären lassen. „Sie fanden das interessant und fragten, ob ich dazu ein Video machen könnte“, erzählt die 30-Jährige. Da die runde und die flache Tonne in dem Video auftauchen sollten, drehte Linda Kloss mit ihrem Freund vor dem Haus von dessen Mutter, die in Ditzingen wohnt.

„Ich würde ja verstehen, wenn es im ganzen Umkreis das gleiche System gäbe. Aber dass es innerhalb von nur wenigen Kilometern so unterschiedlich ist, hat mich stutzig gemacht, als ich hierher gezogen bin“, erzählt Kloss. 2016 hatte es sie aus dem hohen Norden nach Höfingen verschlagen. „Ich kannte von zuhause nur den Gelben Sack. Den gibt es da überall“, berichtet sie. Für sie das einfachste System. „Ich denke nicht, dass die Leute dann wieder mehr Dinge in Plastikverpackungen kaufen, wenn man den einführen würde. Aber es würde vielleicht mehr getrennt, weil es einfacher ist“, meint sie.

Mehr Bewusstsein geschaffen

Wobei das Böblinger Wertstoffhofsystem sie auch dazu gebracht habe, sich überhaupt einmal mit dem Thema Müll zu befassen. „Ich habe dann auch angefangen, bewusst Müll zu vermeiden. Zum Beispiel Joghurt im Mehrwegglas statt im Plastikbecher zu kaufen“, erzählt die Höfingerin. Sie hat aber auch nachgelesen, wie denn nun richtig getrennt wird – zumindest nach den Regeln des Abfallwirtschaftsbetriebs in Böblingen. Zusammengefasst auf 24 Seiten in einer Broschüre. Die findet sie nicht immer logisch. „Auf dem Wertstoffhof muss ich Papier von Kartons trennen. In die Altpapiertonne darf aber beides zusammen rein.“ Auch sei den Verbrauchern oft nicht gleich klar, aus welchem Wertstoff nun diese und jene Verpackung bestehe.

„Müll ist ein Endlosthema“, sagt Linda Kloss. Und nicht nur die Frage, was in welchen Behälter gehört, treibt sie dabei um. „Der Wertstoffhof in Höfingen hat nur dreimal die Woche auf. Wie machen das Leute, die den ganzen Tag arbeiten? Und Menschen, die kein Auto haben?“, fragt sie. Zumal es nicht wirklich umweltfreundlicher sei, alles zu trennen und dann mit dem Auto zu transportieren. „Am Ende ist es doch oft so, wie Oliver Pocher in der Sendung gesagt hat: Die Leute schmeißen den Müll in die Tonne, die als nächstes abgeholt wird.“

Ein Denkanstoß mit Humor

Mit ihrem Video zur Mario-Barth-Sendung möchte Linda Kloss dazu beitragen, dass sich grundsätzlich mit dem Thema Mülltrennung und vor allem -wiederverwertung auseinandergesetzt wird. Sie findet es gut, dass der Sender RTL und der Komiker das Thema aufgegriffen haben. „Auch wenn die Problematik nur angerissen wurde und vieles recht allgemein war. Das Thema Digitalisierung in der Schule fand ich besser dargestellt“, sagt die 30-Jährige. Wenngleich die lustige und ironische Herangehensweise sicherlich beim Publikum besser ankommt als ein trockener Bericht: „Für viele ist erst so etwas ein Denkanstoß.“ Und der sei wichtig,

Info: So wird der Müll in der Region getrennt

Gelber Sack/gelbe Tonne
: Sie werden den Haushalten kostenlos zur Verfügung gestellt und abgeholt. Leere Säcke gibt es meist an Ausgabestellen. Rein dürfen Verpackungen aus Plastik (etwa Folien, Flaschen), Verbundstoffen (Tetrapacks) und Metall (Dosen, Alu), außerdem Styropor. Die einzelnen Stoffe werden mittels Sortiermaschinen getrennt. 2014 wurden allerdings 44 Prozent des Inhalts in Müllverbrennungsanlagen entsorgt. Gelben Sack und gelbe Tonne gibt es in Stuttgart, den Kreisen Rems-Murr, Esslingen und Göppingen.

Rund und flach
: Zwei Tonnen für recycelbare Stoffe gibt es im Kreis Ludwigsburg und im Enzkreis. In die runde Tonne dürfen Verpackungen aus Metall und Plastik (Flaschen, Becher, Tetrapacks, schmutzige Folien) sowie Glas. In die flache Tonne kommen Papier, Kartonagen, saubere Verpackungsfolien, Plastiktüten und Styropor. Die Abholung ist kostenlos, die Tonnen müssen aber bestellt werden.

Wertstoffhofsystem
: Im Kreis Böblingen sollen die gesammelten Altstoffe auf einen der 31 Wertstoffhöfe gebracht und dort in die jeweiligen Container geworfen werden. Getrennte Behälter gibt es für: Papier, Kartonagen, Plastikverpackungen, PET-Flaschen, Dosen, Aluminium, Verbundstoffe (Tetrapacks), Altmetall/Schrott, Korken, CDs. Dazu gibt es die auf Wertstoffhöfen üblichen Behälter für Sperrmüll, Gebrauchsplastik, Elektrogeräte und Altholz. Im Kreis Böblingen gibt es zudem die kostenpflichtige orangefarbene Wertstofftonne, in die Verpackungen, aber auch Altmetall und Elektro-Kleingeräte hinein dürfen.

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