Hilfe für Ida Tapfer kämpft sich das Kind ins Leben zurück

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Große Geduld und ein starker Wille – Ida lässt sich nicht entmutigen. Foto: privat

Rutesheim - Die Krankheit ist so selten, dass sie anscheinend gar keinen Namen hat, doch das macht sie nicht weniger heimtückisch und gefährlich. Seit fast zehn Jahren bestimmt sie das Leben von Ida aus Perouse und den Alltag ihrer Familie.

Begonnen hat alles, als das Kind gerade mal sechs Monate alt war. Zuerst in den Augen, dann in der Nase und den Ohren sind sogenannte „Granulome“ (Zellwucherungen) aufgetreten. Diese müssen immer wieder operativ entfernt werden. Aufgrund dieser Krankheit musste Ida unter anderem den Morgen ihrer Taufe (25. Juli 2009) in der Notfall-Ambulanz verbringen. In ihrem bisherigen ­Leben hatte das tapfere Mädchen mehr als 20 große Operationen und etwa 300 ambulante Termine in verschiedenen Abteilungen der Universitätsklinik Tübingen.

Ein Granulom (von lateinisch granulum Körnchen) ist eine knötchenförmige Ansammlung der Fresszellen des Immunsystems (Makrophagen). Mit diesen kämpft es gegen Bedrohungen von außen an. Manche Granulome entwickeln eine bindegewebige Kapsel, andere weisen in ihrem Zentrum abgestorbene Zellen auf. Granulome entstehen, wenn die Makrophagen etwa Bakterien, Parasiten oder Fremdkörper nicht abbauen können, wodurch eine chronische Entzündung entsteht. Der Zweck des Granuloms besteht darin, den körperfremden Eindringling zu verkapseln und so an einer weiteren Ausbreitung zu hindern. Außerdem können Erreger über eine lokale Konzentrierung durch Enzyme und bakterientötende ­ Stoffe so effektiver bekämpft werden.

Ida hat noch einen langen Weg vor sich

Im Juni 2018 führte ein nicht erkanntes Granulom in der Luftröhre des Kindes dazu, dass sich das Leben von Ida und der ganzen Familie grundlegend veränderte: Ida ist völlig unerwartet fast daran erstickt. Nach 15 Minuten konnte sie zwar wiederbelebt werden, doch der Vorfall blieb nicht ohne schwerwiegende Folgen.

Es folgten Wochen im Koma auf der ­Intensivstation des Kinderkrankenhauses „Olgäle“ in Stuttgart. Die ersten Aussagen der Ärzte waren alles andere als gut: Große Teile ihres Gehirns gelten seither als irreparabel geschädigt. Da es bisher keinen medizinisch ähnlichen Fall gibt, in dem Granulome auch in der Luftröhre wachsen, gibt es noch nicht einmal einen Namen für die Krankheit.

Nahezu ein Jahr war Ida in einem Rehabilitationszentrum in Gailingen am Bodensee und kämpfte sich mit immenser Kraft und unglaublich großer Geduld ins Leben zurück. Sie spricht mittlerweile wieder sehr gut. Sie kann ihre ­Arme und Hände koordinieren. Und sie geht wieder erste Schritte.

Allerdings liegt noch ein sehr langer Weg vor ihr. Im Juni dieses Jahres durfte Ida dann endlich wieder nach Hause, wo die Wohnsituation jedoch alles andere als günstig ist. Das Bad im elterlichen Zu­hauses ist viel zu klein und nicht für ein derart pflegebedürftiges Kind ausgestattet. Deshalb muss das Mädchen bis heute zu den Großeltern gebracht werden, um sie dort zu versorgen.

Familie ist für jede Hilfe dankbar

Auf das Schicksal von Ida ist auch der Weissacher Verein „Helfen mit Herz“ aufmerksam geworden. „Im Haus muss dringend das Bad umgebaut werden, damit Ida angemessen gepflegt werden kann. Außerdem soll an das Haus ein Zimmer angebaut werden, das genügend Platz für ihr Krankenbett und diverse medizinische Geräte bietet“, weiß der Vereinsvorsitzende Frank Bauer. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Familie, die dieses Vorhaben finanziell nicht leisten kann, zu unter­stützen, dass sowohl der Badumbau als auch der Anbau stattfinden können.“

Die Koordination der Umbaumaß­nahmen könne der Onkel übernehmen, der als Bauleiter tätig ist, hat Frank Bauer in Erfahrung gebracht. „Es haben sich bereits viele Unterstützer gemeldet, aber der Umbau wird einiges kosten und die Familie ist für jede Hilfe dankbar“, so Frank Bauer.

Die Hilfsaktion „Lichtblicke“ unserer Zeitung schließt sich dem Vorhaben des Weissacher Vereins an. „Mit Hilfe der Großzügigkeit unserer Leserinnen und Leser haben wir die Möglichkeit, schnell und unbürokratisch in Notfällen zu reagieren“, sagt LKZ-Geschäftsführer Uwe Reichert, der Vorsitzende des Trägervereins „Bürger helfen“. „Alles ist willkommen: Spenden, freiwillige Helfer, Handwerker oder Sachspenden. Wer mithelfen will, kann uns ansprechen oder anschreiben“, sagt Frank Bauer.

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