Hilfe für Ida Rentschler Die Familie braucht ein behindertengerechtes Auto

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Rebecca (links), Sven und Ida Rentschler aus Perouse freuen sich über Unterstützung. Foto: privat

Rutesheim - Zusammengerechnet sind es rund 600 Kilogramm, die Rebecca Rentschler aus Perouse jeden Tag heben muss. Nicht aus sportlichen Gründen, sondern weil ihre zwölfjährige Tochter Ida auf ständige Hilfe und einen Rollstuhl angewiesen. „Der ist das Problem“, sagt die Mutter.

„Ida hat einen neuen Rolli bekommen, und der passt einfach nicht in unser Auto.“ Das Fahrzeug hatte die Familie gekauft, als alles noch normal war. „Dass wir eines Tages mit Rollstuhl unterwegs sein müssen, das konnte keiner ahnen“, sagt Idas Mutter. Im Moment baut sie deshalb bis zu zehnmal am Tag den Rollstuhl auseinander, für jede Fahrt in die Schule, für jeden Weg mit Ida. Die Ausrüstung ist so umfangreich, dass keine vier Personen mehr in den Wagen passen. „So geht das nicht weiter“, sagt Rebecca Rentschler.

Das Leben der Familie änderte sich vor drei Jahren schlagartig. Ida bekam beim Frühstücken keine Luft mehr. „Ich dachte erst, sie hat sich verschluckt. Aber sie ist einfach erstickt“, sagt ihre Mutter. Ein herbeieilender Nachbar reanimierte das Kind. In der Klinik konnte man Ida retten – doch der Sauerstoffmangel verursachte schwere Schäden. Ida kann nicht mehr laufen. Sie sieht nicht mehr richtig und kann deshalb nicht mehr lesen. Ida hat Epilepsie und ihre Atemwege müssen regelmäßig abgesaugt werden.

„Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt ja nichts“, sagt die Mutter pragmatisch. Dabei ist Idas Krankheit nicht das einzige, was die Familie belastet. An Sven Rentschler ist die Situation nicht spurlos vorbeigegangen. Idas Vater hatte vor einigen Wochen einen Herzinfarkt, musste eine dreifache Bypass-OP überstehen. „Er ist jetzt aus der Reha gekommen“, sagt Rebecca Rentschler. Wie es weitergeht und wann ihr Mann wieder arbeiten kann, ist allerdings unklar. „Er ist der Alleinverdiener, weil Ida ja eine Vollzeitaufgabe ist“, sagt sie.

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Das Schicksal des Kindes hat aber auch eine große Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft in der Region ausgelöst. Auf Initiative des Flachter Vereins „Helfen mit Herz“ unter seinem Vorsitzenden Frank Bauer ist erst dank großzügiger Spenden und breitem ehrenamtlichen Einsatzes das Badezimmer der Familie für die Bedürfnisse des Kindes umgebaut worden. Als eine Baustelle der Menschlichkeit und Solidarität ging dann das zweite große Projekt über die Bühne: der auf 135 000 Euro geschätzte Umbau des Elternhauses. Doch großzügige Lieferanten und Handwerker ermöglichten ihn für 40 000 Euro. Der Flachter Verein hatte 5000 Euro dafür erwirtschaftet, ferner 2500 Euro an Spenden bekommen. Der Magier Thorsten Strotmann hat zum Zehnjährigen seiner Magic-Lounge um Spenden statt Geschenken gebeten – das brachte 7000 Euro. Nicht zuletzt hat „Lichtblicke“, die Hilfsaktion der Leonberger Kreiszeitung und ihrer Leser, das Vorhaben mit 20 000 Euro unterstützt.

Über die Rutesheimerin Monika Friedrich, die Koordinatorin des Kinderhospizdienstes Leonberg, hat der Bundesverband Kinderhospiz nun erfahren, dass die Familie ein neues Auto benötigt. Dieser hat zu einer bundesweiten Spendenaktion aufgerufen. Der Dachverband der ambulanten und stationären Kinder- und Jugendhospizeinrichtungen in Deutschland ist auch Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kostenträger und Spender.

Unterstützung vom Ambulanten Hospizdienst

Der Ambulante Hospizdienst für Kinder und Jugendliche Leonberg unterstützt die Familie seit dem ersten Tag, als Ida auf der Intensivstation lag. Seitdem haben Ida und auch ihr 13-jähriger Bruder Hans jeweils eine eigene Betreuung. „Das ist eine unglaublich tolle Stütze“, sagt Rebecca Rentschler dankbar. Mit Ida wird gebastelt und gespielt. Ihr Bruder wird für Ausflüge abgeholt und hat auch abseits von Mama und Papa einen Ansprechpartner. „Die Familie meistert die schwierige Lage auf bewundernswerte und sehr offene Art“, sagt Monika Friedrich. „Aber sie brauchen nun dringend finanzielle Hilfe.“

„Idas Familie benötigt nun einen behindertengerecht ausgebauten Bus“, sagt die Geschäftsführerin des Bundesverbands Kinderhospiz, Sabine Kraft. Sie setzt sich für rund 50 000 Familien in Deutschland ein, die lebensverkürzend erkrankte Kinder haben. „Familien wie die Rentschlers haben es verdient, sich nicht auch noch um Geld sorgen zu müssen,“ sagt Sabine Kraft.

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