Hesse-Bahn „Wann fährt eigentlich welcher Zug wohin?“

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Noch gehört die alte Schwarzwaldbahn, hier am Hirsauer Tunnel, weitgehend der Natur. Doch das wird sich bald ändern. Die Hesse-Bahn nimmt Fahrt auf. Foto: dpa/Lino Mirgeler

Renningen - Gegenwind blieb nicht aus, als der Verkehrsausschuss des Kreistags am Montag über die Einigung zur Hermann-Hesse-Bahn beschließen sollte. Doch letztlich war es nur eine Minderheit, die gegen den Kompromiss zur Reaktivierung der Schwarzwaldbahn votierte. Jetzt muss nur noch abschließend der Kreistag sein Okay geben, dann ist vonseiten des Kreises der Weg frei für die Hesse-Bahn.

In einem gemeinsamen Gespräch ­haben alle an dem Projekt Hesse-Bahn ­Beteiligten – der Regionalverband, das Land Baden-Württemberg sowie die Kreise Böblingen und Calw – ein Eckpunkte-Papier ausgearbeitet, mit dem zwar keiner zu 100 Prozent glücklich sein dürfte, auf den sich aber alle einigen konnten.

Neue Fördermöglichkeiten

Die wesentlichsten Punkte: Die Projektpartner halten am Stufenkonzept von 2015 fest. Das heißt, dass die Hesse-Bahn bis Renningen fährt. Gleichzeitig werden die Pläne für eine Verlängerung der Linie S 6 bis Calw weiter vorangebracht.

Außerdem wurde zugesichert, dass die S-Bahn, wenn sie zwischen Weil der Stadt und Renningen unterwegs ist, grundsätzlich Vorrang vor der Hesse-Bahn erhält: In     den Stoßzeiten, wenn die geplante ­Express-Bahn im 15-Minuten Takt auf diesem Abschnitt fährt, endet die Hesse-Bahn in Weil der Stadt. Voraussetzung für die Einigung war, dass die Stadt Renningen ihre Klage gegen das Projekt zurückzieht. Das ist mittlerweile geschehen.

„Es geschehen noch Wunder“, formulierte es Landrat Roland Bernhard. Vor ­allem der Aspekt, dass eine realistische Chance auf eine Verlängerung der ­S-Bahn-Linie bis Calw besteht, habe ihn besonders überrascht.

Hintergrund ist ein neues Förderprogramm des Bundes, über das allerdings erst im Februar endgültig entschieden wird. Damit könnten für ein Schienenprojekt wie die Verlängerung der S 6 bis zu 90 Prozent der Kosten übernommen werden. Mit dem Eckpunktepapier „stehen die ­Signale auf gelb. Sie können sie jetzt auf grün stellen“, so Bernhard.

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„Wo ist denn da der Kompromiss?“

Die meisten Kreisräte schlossen sich diesem positiven Blick an. Auch wenn nicht jeder Wunsch des Kreises Böblingen erfüllt wurde – vor allem die Renninger hatten sich bis zuletzt dafür stark gemacht, dass die Dieselzüge der Hesse-Bahn gar nicht nach Renningen fahren –, fand die Einigung Anklang im Gremium.

Kritische Worte fand vor allem Dieter Maurmaier von der FDP. „Wo ist denn da der Kompromiss?“, fragte der Leonberger. Er zweifelte stark daran, dass die in Aussicht gestellte Express-S-Bahn wirklich so schnell umgesetzt wird – wenn überhaupt –, wenn die Hesse-Bahn erst mal da ist. Ohne Umbau des Zuffenhausener Bahnhofs sei das doch sowieso gar nicht möglich. Dem widersprach das Landratsamt. Die Express-S-Bahn sei relativ unkompliziert umsetzbar, ohne „bauliche Begleiterscheinungen“. Dazu gebe es bereits eine Machbarkeitsstudie.

Tauziehen findet ein Ende

Freie Wähler, SPD und CDU begrüßten die Pläne. Ulrich Vonderheid (CDU) brachte jedoch die Unsicherheit seiner Fraktion zum Ausdruck: „Eine Frage, die sich uns immer noch stellt, ist: Wann währt eigentlich welcher Zug wohin?“ Da die Express-S-Bahn nur bis Zuffenhausen fahren wird und nicht bis zum Hauptbahnhof, stelle sich ihm die Frage, ob dieser zusätzliche Zug überhaupt Vorteile bringe, „wenn man nachher in Zuffenhausen zehn Minuten auf den nächsten Zug warten muss“. Er einigte sich mit dem Landrat darauf, dass ein Vertreter des Regionalverbandes das Konzept der Express-Bahn in einer der nächsten Sitzungen erklärt.

Mit dem positiven Votum des Ausschusses ist ein weiterer Schritt zur Reaktivierung der Schwarzwaldbahn gemacht. Dass das Jahre währende Tauziehen langsam ein Ende findet, dürfte nicht nur den Landrat freuen. Dessen Aktenstapel zur Hesse-Bahn „sind mittlerweile doppelt so hoch wie die zur Schönbuchbahn.“

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