Herrenberger Jungunternehmer Geistreiche Flaschen vom Barkeeper

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Erst ein Hobby, jetzt ein Nebenberuf: Kevin Bandel als Barkeeper – mit seinen Bügelflaschen. Foto: factum/Granville

Herrenberg - Kevin Bandels Hobby hat viel Raum eingenommen: Im Wohnzimmer stellte der 26-Jährige extra eine Bar auf, um seiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Seit acht Jahren mixt er Cocktails, und mittlerweile hat er ein richtiges Geschäft daraus gemacht. Seine Drinks lassen sich per Internet nach Hause bestellen. Der Herrenberger füllt Caipirinha, Long Island Iced Tea und Mojito in kleine Flaschen ab und verschickt die hochprozentigen Pakete an seine Kundschaft. Auf die Idee hat ihn sein guter Geschmack gebracht. Denn die fertigen Cocktails, die es bereits auf dem Markt gibt, werden meist mit Zusatzstoffen haltbar gemacht. „Und deshalb schmecken sie einfach nicht wie an der Bar“, erklärt er den feinen Unterschied.

An seiner Bar im Wohnzimmer hat Kevin Bandel viel experimentiert. In seinen Produkten steckt weder Johannisbrotkernmehl oder Guakernmehl, das die Zutaten verbindet, noch Farbstoffe, das sie ahnsehlicher macht. „Ich verzichte komplett darauf“, erklärt er die Besonderheit seiner Produkte. Die Cocktails in der Glasfalsche müssen deshalb gekühlt gelagert werden und geschüttelt, bevor man sie serviert. Es kann durchaus vorkommen, dass sie sich in ihre Einzelteile zerlegen, aber einmal schütteln bringt den Drink wieder in Ordnung. Zehn Wochen beträgt die Haltbarkeit offiziell, aber auch nach zwei Jahren hat Kevin Bandel noch keinen Verfall an seinen Drinks feststellen können.

Koch hat er gelernt, und das ist ein Vorteil

Koch hat der 26-Jährige gelernt, und die Ausbildung empfindet er als großen Vorteil. Dadurch sei er in Geschmackssachen gut geschult. Fürs Barkeepen an sich gibt es keine Lehre, Kurse an der Barschule München belegte er dafür. „Mich begeistert das Handwerk“, sagt Kevin Bandel. Dass Barkeeper beispielsweise viel Erfahrung für gute Ergebnisse brauchen, dass sie präzise sein müssen bei den Mengen oder dass die Temperatur beim Mixen eine Rolle spielt. Das ein­stige Hobby ist längst zum Nebenberuf geworden, neben dem Versand von Cocktails in Flaschen betreibt er seit zwei Jahren auch eine mobile Bar. Hauptberuflich ist Kevin Bandel allerdings Barista – er managt acht Kaffeebars in den Werken der Daimler AG.

Mehr als ein Dutzend Cocktails hat der Jungunternehmer im Repertoire, lauter eigene Entwicklungen. Für das Böblinger Landratsamt hat er sich des Themas Streuobst angenommen. Der Schwäbische Cosmopolitan mit schwäbischem Calvados, Kirschsaft, Tripl Sec, Limetten und weißem Rohrzucker ist ein Ergebnis. Im Old Appled wird der Whisky mit Apfelsaft angereichert. Er hat einen Zwetschgen Daiquiri im Angebot und Birne sour. Greek Mojito ist seine Interpretation des Cocktails mit Ouzo als Grundlage. Und die Craft-Beer-Welle findet sich in Drinks namens Black Bock mit Kräuterlikör und Imperial Stout oder dem neuesten Renner Munich Fizz wieder, in dem Weißbier und Gin aus München stecken.

Die Flasche kostet sechs Euro

„So weit möglich arbeite ich regional“, sagt Kevin Bandel. Die Cocktails produziert er komplett in Handarbeit und frisch nach der Bestellung im Online-Shop. Dafür verfügt er über eine Arbeitsfläche in der Gastroküche im Hotel seines Vaters. Eine kleine Abfüllmaschine hat er sich außerdem zugelegt. Die 0,2-Liter-Bügelflasche kostet sechs Euro. Im vergangenen Jahr hat er 3000 Stück davon verkauft – 20-mal so viel wie zum Start vor drei Jahren. „Es wächst langsam“. sagt der 26-Jährige über seinen Ein-Mann-Betrieb. So ein Unternehmen aus eigner Kraft und mit eigenem Kapital aufzubauen, sei schwierig. Er setzt dabei auf den Ausbau seines Bekanntheitsgrades über Auftritte bei Messen oder Streetfood-Festivals. „Aber ich mache es vor allem, um damit Spaß zu haben“, ergänzt Kevin Bandel.

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