Hermann-Hesse-Bahn Ein buntes Allerlei auf den Gleisen

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Blick von Nordosten auf den Hacksberg, im Hintergrund Ostelsheim: Um die Schleife bei Schafhausen abzukürzen – die Gleise führen rings um den Hacksberg und dann durch Schafhausen –, wird unter anderem ein 500 Meter langer Tunnel durch den Berg gebaut. Foto: Holger Leicht

Renningen/Weil der Stadt - Hesse-Bahn, S-Bahn, Sprinter-S-Bahn und jetzt auch noch Batteriezüge – bei so vielen Verbindungen kann es schon mal unübersichtlich werden. Und dann ist da ja auch noch der Metropol-Express als Vorschlag der Bürgeraktion Unsere Schwarzwaldbahn. Wir haben die jüngsten Entwicklungen zum Projekt Hermann-Hesse-Bahn einmal zusammengefasst.

Wann und wohin fährt die Hermann-Hesse-Bahn? Mit der neuen Hermann-Hesse-Bahn werden die Gleise der ehemaligen Schwarzwaldbahn reaktiviert, die bis 1983 Calw mit Weil der Stadt verband. 2023, genau 40 Jahre später, sollen die ersten Züge wieder über die Strecke rollen. In einer Vorstufe wurde bereits die Busverbindung zwischen Calw und Weil der Stadt vom Land zur Regiobuslinie ausgebaut, die komfortabler ausgestattet ist und stündlich verkehrt.

Eine Prüfung hatte ergeben, dass der Einsatz der Hesse-Bahn nur wirtschaftlich ist, wenn sie nicht in Weil der Stadt endet, sondern bis Renningen fährt. Dagegen regte sich Widerstand im Kreis Böblingen. Viele fürchteten, dass die Hesse-Bahn den Takt der S-Bahn stören könnte, da zwischen Weil der Stadt und Renningen ein eingleisiger Abschnitt ist.

Vor allem Renninger wehrten sich gegen den Einsatz lauter Dieselzüge. Im Laufe der Planungen gestand das Verkehrsministerium zu, dass die neue Sprinter-S-Bahn S 62 Vorzug vor der Hesse-Bahn erhält: Während der Takte der S 62 wird die Hesse-Bahn in Weil der Stadt enden und Renningen nicht anfahren. Jetzt kam die Ankündigung, dass statt Dieselzügen nur Batteriezüge auf der Strecke der Hesse-Bahn eingesetzt werden.

Werden auf der Strecke der Hesse-Bahn ausschließlich die Batteriezüge fahren? Im Personenverkehr: ja. Auch wenn ein Zug mal defekt ist oder zur Wartung muss, wird er durch ein „baugleiches Fahrzeug“ ersetzt, so das Verkehrsministerium. Die Strecke wird allerdings als öffentliche Eisenbahninfrastruktur betrieben, die auch von anderen Eisenbahnunternehmen genutzt werden kann. Das bedeutet: Wenn Kapazitäten verfügbar sind, könnten auf der Strecke auch vereinzelt Güterzüge mit einer Diesellok verkehren oder etwa die Eisenbahnfreunde mit einer Dampflokomotive. Schon aufgrund der hohen Streckenauslastung im Personenverkehr sei das aber nur sehr selten möglich.

Wie laut sind die Batteriezüge? Die Lautstärke entspricht den Elektrozügen, wie sie zum Beispiel bei der S-Bahn Rhein-Neckar oder im Rheintal eingesetzt werden. Die genauen Lärmemissionswerte der klassischen S-Bahn sind dem Verkehrsministerium nicht bekannt. Man könne aber davon ausgehen, dass die neuen Batterie-Elektrozüge maximal so laut wie die S-Bahn oder sogar leiser sind.

Was genau ist die neue Sprinter-S-Bahn? Der Viertelstundentakt der S 6 zwischen Weil der Stadt und Renningen gilt von Montag bis Freitag zwischen 6 und 20.30 Uhr (ab dem 18. Dezember 2021 wird der Takt auf samstags zwischen 8.30 und 18 Uhr ausgeweitet). Die Sprinter-S-Bahn, es handelt sich um die S 62, soll ab dem 12. September 2022 den Viertelstundentakt unter der Woche verstärken und zusätzlich von Montag bis Freitag zwischen 6 und 9 Uhr sowie zwischen 15.30 und 19 Uhr im Halbstundentakt zwischen Weil der Stadt und Zuffenhausen verkehren. Die S 62 wird aber nicht alle Bahnhöfe anfahren, sondern voraussichtlich nur Leonberg, Ditzingen, Weilimdorf und Korntal, um diese Knotenpunkte zu entlasten.

Was hat es mit dem „Metropol-Express“ auf sich? Die Bürgeraktion Unsere Schwarzwaldbahn, die den Bau der Hesse-Bahn immer unterstützt hat, sieht in der neuen S 62 keine ideale Lösung, sondern befürwortet stattdessen einen Metropol-Express von Stuttgart bis Calw. „Renningen und die anderen Kommunen im Altkreis Leonberg zahlen an die Region Stuttgart für die zusätzliche Leistung, aber Fahrgäste von und nach Renningen haben nichts davon“, beklagt Hans-Joachim Knupfer, Sprecher der Bürgeraktion. Denn ausgerechnet der Bahnknoten Renningen solle von der S 62 nicht bedient werden. Darüber hinaus endet die S 62 in Zuffenhausen, sodass Fahrgäste nach Stuttgart-Mitte umsteigen müssen.

„Eine in jeder Hinsicht bessere Möglichkeit für eine optimale Zusatzverbindung ist der Metropolexpress, wie es ihn im Filstal zwischen Stuttgart und Göppingen schon gibt“, heißt es von der BAUS. Dieser könnte von Stuttgart über Weil der Stadt bis Calw durchfahren und nur größere Stationen bedienen. „Natürlich auch Renningen.“ Der Verband Region Stuttgart hat diesen Vorschlag bislang nie in Erwägung gezogen.

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