Helmut Epple vor Gericht Zeugen bestätigen Pfefferspray-Angriff im Bus

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Das Urteil wird für 5. Juli erwartet. Foto: Pixabay

Leonberg - Es sind 16 Straftaten im Zeitraum von Oktober 2015 bis Oktober 2016, für die sich der 61-jährige Helmut Epple derzeit im Prozess vor dem Amtsgericht verantworten muss. Die Vorwürfe reichen von gefährlicher Körperverletzung, falscher Verdächtigung, Beleidigung, Missbrauch von Notrufen bis zur Verletzung des Kunsturhebergesetzes. Am dritten Verhandlungstag stand ein Vorfall vom Juli 2016 im Blickpunkt: Er soll einem Fahrgast im Bus nach einem Streit Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben.

Der 33-Jährige erklärte im Zeugenstand, er könne sich an den Vorfall noch genau erinnern, da er den Angeklagten seit 20 Jahren kenne. Er räumte unumwunden ein, dass er nach dem Genuss von ein paar Gläsern Bier auf einem Fest angetrunken gewesen sei und den Angeklagten im Bus provoziert habe. Schon als er eingestiegen sei, habe er den Angeklagten mit den Worten begrüßt, „Na, da ist ja heute Prominenz im Bus“. Auch seien Sätze gefallen wie „Wie viele Leute haben Sie denn heute schon angezeigt?“, „Ganz Weissach hasst Sie“ und „Du bist hirnlos“.

„Ich wollte ihn nur ärgern“

Als er aussteigen wollte, habe Epple ihm plötzlich aus kürzester Entfernung mehrere Sekunden lang Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. „Ich bin zusammen­gesackt, bekam Atemnot und mein Gesicht brannte“, sagte der 33-Jährige. Eine Stunde lang sei er an der Bushaltestelle gesessen und anschließend ins Krankenhaus gebracht worden. Er habe nie vor­gehabt, den Angeklagten anzugreifen oder auch nur zu berühren. „Ich wollte ihn nur ärgern“, sagte der Weissacher.

Der Busfahrer bestätigte die Aussage des 33-Jährigen in weiten Teilen. Der Mann habe den Angeklagten während der rund vierminütigen Fahrt lautstark pro­voziert. Er habe beiden gedroht, sie aus dem Bus zu werfen, wenn sie sich nicht beruhigen würden. Einen Angriff des 33-Jährigen habe er nicht erkennen können. „Die Attacke mit dem Pfefferspray kam ganz plötzlich, der Mann ging zu Boden und hatte Schmerzen“, sagte er. Auch er habe von dem Spray etwas abbekommen und die Fahrt rund 40 Minuten unterbrechen müssen.

„Ich wurde vom Staat allein gelassen“

Helmut Epple erklärte, für ihn habe es so ausgesehen, als ob er von dem 33-Jährigen gleich „eine gebombt“ bekomme. Er habe im Bus schon die 110 angerufen, aber keine Hilfe bekommen. „Ich wurde vom Staat allein gelassen und musste mich gegen einen unmittelbar bevorstehenden Angriff wehren“, erklärte er sein Verhalten. Zudem seien weiter hinten im Bus ein paar Mitfahrer gesessen, die ihm nicht „ganz geheuer“ gewesen seien. „Ich habe befürchtet, dass es zu Solidarisierungsaktionen kommt, dann hätte ich noch mehr pfeffern müssen“, führte Epple weiter aus.

Als Richter Thomas Krüger ihn fragte, ob Pfefferspray zu seiner Grundausstattung gehöre, wenn er aus dem Haus gehe oder ob er solches zu Hause aufbewahre, verweigerte Epple die Aussage und drohte mit einem weiteren Befangenheitsantrag. Zuvor hatte der 61-Jährige bereits zwei Befangenheitsanträge gestellt, die beide abgewiesen wurden. Einmal monierte er eine Verfahrensverzögerung, einmal beschwerte er sich, der Richter habe ihn in unangemessener Weise angebrüllt. Das Verfahren zog sich dadurch in die Länge, eine geplante Zeugenvernehmung musste verschoben werden. Als Epple während einer Zeugenaussage lachte, wies ihn Richter Krüger darauf hin, dass er die Möglichkeit habe, ihn wegen unangemessenen Verhaltens aus der Sitzung auszuschließen.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Das Urteil wird am 5. Juli erwartet.

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