Heimsheim Wachwechsel im Gefängnis

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Ohne Schlüssel geht nichts: An Frank Jansens Arbeitsplatz sind jenseits des Verwaltungstrakts die Türen immer abgeschlossen. Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - Auf den ersten Blick sieht Frank Jansens Büro aus wie jedes andere. Sessel und Schreibtisch, Akten im Regal, Bilder an den Wänden. Genauso gut könnte es ein Zimmer im Heimsheimer Rathaus sein. Doch ein Blick nach draußen zeigt ein anderes Bild: Stacheldraht über den Mauern, Gitter vor den Fenstern der anderen Gebäude. Denn Frank Jansen ist der neue Leiter der Justizvollzugsanstalt in Heimsheim. Er hat im November die Nachfolge von Hubert Fluhr angetreten, der das Gefängnis 25 Jahre lang geführt und sich nun in den Ruhestand verabschiedet hat.

Der Familienvater Jansen kommt ursprünglich aus Köln, wo er auch Jura studierte. Danach zog es ihn gen Süden. Dort reizte ihn vor allem eines: „Die Justiz des Landes Baden-Württemberg hat viele interessante Stellen zu bieten und ist durchlässig. Das heißt, man ist auch im Verlauf seines Berufslebens nicht festgelegt, ob man beispielsweise als Richter oder Staatsanwalt arbeitet“, erklärt er. Von dieser Möglichkeit, beide Berufsfelder kennenzulernen, machte er rege Gebrauch. Mit seinen 41 Jahren blickt Jansen bereits auf eine bewegte Laufbahn zurück. Er war Jugendstaatsanwalt und Staatsanwalt für Wirtschaftsstrafrecht, Familien-, Straf- und Zivilrichter, Dozent für Strafrecht an der Uni Konstanz und von 2011 bis 2013 sogar stellvertretender Anstaltsleiter in der JVA Heimsheim. Dorthin ist er der promovierte Jurist nun wieder zurückgekehrt.

Erfahren, was die Menschen erwartet

Für viele sicher eine ungewöhnliche Wahl, sich ein Gefängnis als Arbeitsplatz auszusuchen. Nicht für Frank Jansen. „Als ich an der Uni Konstanz war, habe ich versucht, praxisnahe Vorlesungen zu halten, und habe mit den Studenten auch Ausflüge in verschiedene Haftanstalten gemacht.“ Daraus entstand bei ihm der Wunsch, „dass ich den Vollzug näher kennenlerne“. Für ihn sei es wichtig gewesen zu erfahren, „was erwartet die Menschen eigentlich, nachdem sie verurteilt worden sind?“.

Während seiner Zeit in Heimsheim vor einigen Jahren habe er einige sehr intensive Eindrücke gesammelt. „Ursprünglich war es meine Überlegung, diese Erfahrungen mit zur Staatsanwaltschaft zu nehmen“, so Jansen. Doch er habe gemerkt, dass ihm die Arbeit im Vollzug viel Spaß bereite. „Es ist sehr abwechslungsreich, und man hat viel mit Menschen und menschlichen Problemen zu tun, die man lösen muss, egal ob auf Seiten der Insassen oder der Mitarbeiter. Man trägt eine große Personalverantwortung und muss auch auf die uns anvertrauten Gefangenen achten.“ Also habe er sich entschieden, in dieses Berufsfeld zurückzukehren.

Seine Erfahrungen als Richter und Staatsanwalt seien gerade beim Verständnis für die Hintergründe der Gefangenen eine große Hilfe, sagt er. Eine besondere Herausforderung in seinem Job bestehe darin, den Spagat zu meistern zwischen dem Sicherheitsinteresse einerseits und dem Behandlungsauftrag andererseits. „Wir möchten die Insassen so behandeln, dass sie möglichst nicht rückfällig werden, und unserer Vorbildfunktion gerecht werden“, sagt Jansen. Sein Vorgänger sei in dieser Hinsicht sehr innovativ gewesen, was er im Rahmen seiner Möglichkeiten fortführen wolle. Gleichzeitig müsse die Sicherheit für das Personal und alle anderen gewährleistet sein.

Doch wie reagieren eigentlich Menschen aus dem privaten Umfeld, wenn sie hören, dass jemand als Gefängnisleiter arbeitet? „Die meisten sind eher überrascht und neugierig“, sagt Jansen. Vorurteile seien ihm selten begegnet. „Interessanterweise sind die Reaktionen deutlich heftiger, wenn man sagt, dass man bei der Staatsanwaltschaft ist“, erzählt er und lacht. „Da erschrecken die Leute viel eher.“

Die Justizvollzugsanstalt

Die JVA Heimsheim besteht aus weit mehr als nur aus Gefängniszellen und einem Verwaltungstrakt. Unter anderem befinden sich dort mehrere Werksbetriebe, in denen die Gefangenen bezahlte Aufträge für Firmen, Behörden oder auch Privatleute erfüllen. Unter anderem gibt es eine Schreinerei, eine Druckerei und eine Schlosserei. Darüber hinaus befindet sich auf dem Gelände die Transportzentrale des Landes Baden-Württemberg für Gefängnisbusse – und ein Motel für die Fahrer.

Vor Ort sind derzeit 360 Häftlinge untergebracht, vom Betrüger bis hin zum Mörder. Üblicherweise sind es um die 600, doch wegen umfangreicher Umbauten am Trinkwassersystem ist die Zahl über mehrere Jahre reduziert. Auf die Gefangenen kommen etwa 220 Mitarbeiter, vom Aufsichtspersonal über Psychologen und Seelsorger bis zu den Mitarbeitern in Verwaltung und Werkstätten.

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