Heimsheim Rat will „Schleglerstadt“

Von Brunhilde Arnold
Der imposante Schleglerkasten Foto: S. Granville

Weil der Stadt hat sie schon, die Zusatzbezeichnung im Stadtnamen. Wer in die ehemalige freie Reichsstadt fährt, kommt am Ortseingang am Schild mit dem Aufdruck „Keplerstadt Weil der Stadt“ vorbei. Damit weist sie auf den großen Astronomen und Mathematiker Johann Kepler hin, der 1571 dort geboren ist. Der Nachbarort Heimsheim möchte sich jetzt auch mit einem Zusatz schmücken. Deswegen beschloss der Gemeinderat einstimmig, die Bezeichnung „Schleglerstadt Heimsheim“ zu beantragen.

Eine Änderung in der baden-württembergischen Gemeindeordnung vor zwei Jahren macht eine solche Zusatzbezeichnung für Kommunen nun möglich, „die auf der geschichtlichen Vergangenheit, der Eigenart oder der heutigen Bedeutung der Gemeinden oder der Ortsteile beruhen“, wie es in Paragraf 5 heißt. Genehmigen muss diese Änderung allerdings das Innenministerium.

Eigentlich ist Heimsheim schon lange die Schleglerstadt und das nicht nur, weil das Schleglerschloss, auch Schleglerkasten genannt, alle anderen Gebäude in der Stadt überragt und schon von weitem her das Ortsbild prägt. Dass das Backsteingebäude nie von den Schleglern, einem losen Bund von Rittern und niedrigem Adel, betreten wurde, weil es erst um 1415 entstand und die Schlegler schon fast 20 Jahre davor ihr Ende fanden, tut dem keinen Abbruch.

Drei Schleglerkönige

Es ist auch deswegen die Schleglerstadt, weil drei „Schleglerkönige“ in Heimsheim gefangen genommen wurden. Sie waren die Anführer eines Bundes, der den Einfluss seiner Mitglieder mit kriegerischen Mitteln gegen die zunehmende Macht der erstarkenden Territorialfürsten und der Städte behaupten wollte. Das Kennzeichen dieser Ortsadeligen und oftmals verarmten Ritter waren Dreschflegel, also Schlegel. 1395 trafen sich die Anführer des Schleglerbundes in Heimsheim, um zu beraten, wie man den württembergischen Grafen Eberhard den Milden überfallen könnte. Dieser wartete aber nicht lange, sondern rückte mit einem Heer vor Heimsheim. Das kleine Städtchen wurde in Brand geschossen und die Schleglerkönige gefangen genommen. Damit war das Schicksal des Schleglerbundes nahezu besiegelt, wie es auf der Homepage von Heimsheim beschrieben wird.

Lebendige Erinnerung

Doch die Erinnerung an die Schlegler ist lebendig geblieben. Der Schleglerkasten ist zusammen mit dem Graevenitz’schen Schloss und der Zehntscheune von 1801 eines der wenigen Gebäude im Ort, das dem schweren Bombenangriff vom April 1945 nicht zum Opfer fiel.

Einige Vereine wie das Kuratorium Schleglerschloss, der kulturhistorische Mittelalterverein „Die Schlegler“ oder die „Schleglerhexen“ halten die Erinnerung an die historischen Ereignisse im 14. Jahrhundert bis heute lebendig.

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