Heimsheim Modulbau fällt im Rat knapp durch

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  Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - Zeit hin oder her – mit knapper Mehrheit hat sich der Heimsheimer Gemeinderat beim neuen Kindergarten im Baugebiet Lailberg II für eine sogenannte elementierte Dicksperrholzbauweise entschieden statt für die von der Verwaltung favorisierte herkömmliche Modulbauweise. „Man kriegt für 100 000 Euro mehr ein wertigeres Gebäude mit geringeren Folgekosten“, fasste Andreas Wein (Freie Wählervereinigung) die wichtigsten Argumente gegen den gekippten Verwaltungsvorschlag zusammen.

Im Unterschied zur Modulbauweise mit Stahlfachwerk, bei der komplett fertige Baumodule vor Ort zusammengesetzt werden, wird bei der elementierten Bauweise zum einen mit Holz gearbeitet, zum anderen werden dabei nicht ganze Räume, sondern große, vorgefertigte Wandelemente angeliefert und zusammengesetzt.

Die FWV erhielt Unterstützung von der SPD. „Für mich ist der Zeitplan zweitrangig, aber das Problem der Raumluft wichtig“, führte Renate Niehaus aus. So sei das Raumklima bei Holz mit seiner optimalen Feuchtepufferung doch deutlich gleichmäßiger als im Modulbau, wie auch die vorgelegte Nachhaltigkeitsuntersuchung des beauftragten Architekturbüros Element 5 bestätigte. So stimmten FWV und SPD geschlossen gegen den von der Verwaltung favorisierten, mit Kosten von 2,98 Millionen Euro um gut 100 000 Euro günstigeren Modulbau. Unterstützung fand Bürgermeister Jürgen Troll dagegen bei CDU, Bürger für Heimsheim und dem fraktionslosen Gemeinderat Walter Gommel (Unabhängige Wählervereinigung). „Der Zeitplan ist für uns entscheidend“, unterstrich BfH-Rätin Sabine Kiedaisch. Die besondere Situation an diesem Abend: Während FWV und SPD vollzählig anwesend waren, fehlte bei CDU und BfH jeweils ein Fraktionsmitglied. So brachte die Abstimmung ein knappes 6:7 gegen den vorliegenden Beschlussvorschlag und das dadurch notwendige zweite Votum ein ebenso enges 7:6 für die elementierte Holzbauweise.

Was bedeutet das?

Die Entscheidung hat Konsequenzen. Der mit der herkömmlichen Modulbauweise anvisierte frühestmögliche Fertigstellungstermin Anfang Juni 2019 für die zweigeschossige Anlage mit vier Gruppen ist auf keinen Fall zu halten. Mit der jetzt beschlossenen Dicksperrholzbauweise dauere der Ausbau rund drei Monate länger, führten die Architekten Ulrich Homfeld und Stefan Schwarz in der Gemeinderatssitzung aus. Vorerst nicht realisiert wird eine ursprünglich angedachte fünfte Gruppe. Die Option dafür aber bleibt in Form einer Schattenhalle im unteren Geschoss des Gebäudes erhalten. Auch zukünftige Nutzungsänderungen sind wie beim herkömmlichen Modulbau problemlos möglich. Deutlicher Pluspunkt der beschlossenen Lösung ist dagegen ein gegenüber den kürzeren Renovierungszyklen bei den Gipskartonoberflächen des Modulbaus deutlich reduzierter Instandhaltungsaufwand durch robuste, langlebige und beschädigungsunempfindliche Oberflächenmaterialien.

In Lailberg II läuft jetzt die Erschließung. Später sollen dort um die 500 Menschen ein neues Zuhause finden. Auch ohne die Neubürger sieht es mit Kitaplätzen eng aus – trotz der erst vor Kurzem abgeschlossenen Erweiterung des Kindergartens Heerstraße. Aus diesem Grund möchte die Stadt beim neuen Kindergarten Lailberg II möglichst wenig Zeit verlieren. Ein bereits vor einem Jahr vorgestellter erster Entwurf für einen Massivbau ist deshalb inzwischen vom Tisch, stattdessen rückten die zeitsparenderen Bauweisen in den Fokus.

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