Heimsheim/Friolzheim Freizeit mit 45 Kilo Metall am Leib

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In Friolzheim kreuzen die Schlegler in diesem Jahr die Schwerter. Foto: privat

Heimsheim/Friolzheim - Wo sie auftauchen, herrscht augenscheinlich das Mittelalter: die Heimsheimer Schlegler tragen lange, weite Gewänder, Kettenhemden und Ritterrüstungen. Ihre Lager bestehen aus großen Zelten, gekocht wird über einer Feuerstelle. Von Jeans und Turnschuhen keine Spur. Auch sonst machen sich die Schlegler nichts aus neumodischem Kram – Handy oder Tablet-PC haben auf den Mittelaltermärkten nichts verloren.

„Man taucht in eine ganz andere Welt ein“, erzählt Detlef Kleinecke und seine Augen leuchten. Er ist der Schatzmeister der Gruppe, kümmert sich um die Finanzen des Vereins. Seit den Anfängen im Mai 2004 ist er dabei, auch seine Frau und sein Sohn sind in dem kulturhistorischen Verein aktiv. „Das ist das schöne daran, es ist ein Hobby für die ganze Familie“, sagt Detlef Kleinecke. Und so reisen die Schlegler stets mit Sack und Pack an.

Sie kommen viel rum in der Region, sind bei Mittelaltermärkten in Mönsheim, Renningen, in Dobel im Schwarzwald bei den badischen Rittern oder in Niederstotzingen im Landkreis Heidenheim anzutreffen. Bei diesem Spektakel sei vor allem die Schlacht sehr beeindruckend, erzählt Kleinecke. „Wenn im Dunkeln brennende Strohballen und Pfeile durch die Luft fliegen, das ist toll.“

Die Schlegler haben ihre Wurzeln in den 1990er Jahren. 1995 legten neun heimatgeschichtlich interessierte Heimsheimer den Grundstein. Sie führten damals anlässlich des 700-Jahr-Stadtjubiläums das historische Schauspiel „Die Könige zu Heimsheim“ auf. In den folgenden Jahren brachten sie weiterem selbst verfasste Theaterstücke auf die Bühne. Anno 1998 brachen sie schließlich zu ­mittelalterlichen Veranstaltungen in der Region auf, machten mit höfischen und bäuerlichen Tanzeinlagen, Schaukämpfen und mittelalterlichem Lagerleben von sich Reden.

Die Anzahl der Mitglieder wuchs, 2004 gründeten sie den Verein, der inzwischen einen festen Platz im Heimsheimer Stadtleben hat. Etwa 130 Mitglieder haben die Schlegler. Unter den Hobbyrittern sind keinesfalls nur Heimsheimer. Sie kommen aus dem Raum Stuttgart oder Pforzheim. Auch altersmäßig ist der Verein bunt gemischt. Eine absolute Hochphase waren 2005 und die Folgejahre, erzählt Vereinsmitglied Heiko Meissner. Das zehnjährige Bestehen als Gruppe feierten die Schlegler mit dem ersten Historischen Schleglermarkt rund ums Rathaus und den Schleglerkasten.

„Das kam sehr gut an, unsere Mitgliederzahl ist schnell hochgegangen“, erzählt Meissner. Aber wie bei anderen Vereinen auch, schwanken die Zahlen. Dramatisch sei das zwar keineswegs, sagt Meissner. Aber: „Wir freuen uns über jeden, der sich für das Mittelalter interessiert“, sagt er und lacht.

Einmal im Jahr, immer am letzten Wochenende in den Sommerferien, veranstalten die Schlegler ihr Mittelalterspektakel. In diesem Jahr findet der Markt in aber Friolzheim statt. Detlef Kleinecke erklärt, warum: 2005 feierte die Nachbargemeinde 900-Jähriges, die Schlegler gaben Nachhilfe in Schwertkampf und mittelalterlichen Bräuchen. Einigen Friolzheimern habe das so viel Spaß gemacht, dass sie kurzerhand zu den Schleglern kamen. Auch der Bürgermeister Michael Seiß sei ein großer Fan des Vereins, erzählt Kleinecke. Und so findet der Markt im einen Jahr in Heimsheim, dann wieder in Friolzheim statt.

Woher der Faible für das Mittelalter kommt? „Ich glaube, es ist das Nicht-Alltägliche, das Menschen reizt“, erklärt Kleinecke. „In eine Fantasie abtauchen.“ Er ist der Spielmann der Truppe, bemüht die Gitarre, spielt Djemé, eine Bechertrommel, singt und ist aktiver Bogenschütze. Heiko Meissner dagegen fährt harte­Geschütze auf. Er ist Söldner, sein Schwert wiegt mehr als vier Kilogramm. Das sei aber eher die Ausnahme. Die ­Kampfschwerter wiegen etwa, anderthalb Kilo. „Schließlich müssen die Ritter auch noch das Schild halten“, erklärt Meissner. Die Rüstung des Schleglerritters „Felix vom Baum“ wiegt im übrigen stolze 45 Kilo. Je nach Geschmack werden die Schlegler auch in Tanz, Feuershow, Gesang und ­Peitsche ausgebildet. „Langweilig wird einem bei uns nicht“, erzählt der ­Bogenschütze Kleinecke.

Ein großes Spektakel ist das große ­Rittermahl. Dann fahren die Schlegler ordentlich auf, ganze sechs Gänge. Es gibt Obst, Gemüse und Fleisch, Wasser, Saft, Wein und Bier. Die Schlegler unterhalten ihre Gäste mit Schauspiel-, Musik- und Tanzeinlagen. Es gibt vier Termine in den Monaten Oktober, November, Februar und März. „Im Oktober sind noch ein paar Plätze frei, dann erst wieder im März“, verrät Detlef Kleinecke. Wer also neugierig auf längst vergangene Zeiten ist, der sollte sich das Rittermahl nicht entgehen lassen.

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