Heimsheim Der Supermarkt-Vorplatz bringt den Rat in Rage

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Die Wiese vor den Supermärkten macht einen eher kläglichen Eindruck. Foto: Simon Granville

Heimsheim - Ziemlich deutliche Worte hat der Gemeinderat Heimsheim zum Thema fehlende Begrünung vor den Supermärkten Lidl und Edeka am Kreisverkehr Mönsheimer Straße gefunden. Von einem „Armutszeugnis“ ist die Rede, von einem „erbärmlichen und beschämenden“ Verhalten. Anlass war der Vorschlag der Verwaltung, selbst Geld in die Hand zu nehmen, um auf den kleinen Grünbereichen zwischen Parkplatz und Gehweg eine insektenfreundliche Bepflanzung anzulegen. Die meisten Ratsmitglieder sträubten sich zunächst gegen einen positiven Beschluss. Damit würde ein unschöner Präzedenzfall geschaffen. Die Entscheidung wurde noch einmal verschoben.

Es ist ein leidiges Thema, das fast schon regelmäßig durch die Gemeinderatssitzungen geistert. Und man kann schnell den Eindruck gewinnen: Die Unzufriedenheit der Politiker wächst mit jeder Sitzung ein bisschen mehr. Die Krux ist, dass eine richtige Bepflanzung an dieser Stelle nicht vorgeschrieben ist, weshalb der Eigentümer nie aus eigenem Antrieb tätig geworden ist. An sich hätte er nicht mal die bestehende Wiese anlegen müssen. „Der Eigentümer macht also schon mehr, als er müsste, so verrückt es klingt“, gab Andor Varszegi, Leiter des Bauamts, zu bedenken. Diesen Schuh müssen sich die Stadt Heimsheim und der damalige Gemeinderat also selbst anziehen. Beide hatten ihre Hoffnung darin gesetzt, dass die beiden Mieter ein eigenes Interesse daran haben, ihre Außenanlagen ansprechend zu gestalten. Als positives Beispiel wurde der benachbarte DM-Drogeriemarkt genannt. Die Betreiber der Märkte verweisen auf Anfrage allerdings auf den Vermieter als den Zuständigen.

Eine Blühwiese für Insekten?

Recht zufrieden hatte der Bürgermeister Jürgen Troll im Gemeinderat zunächst berichtet, dass man zu einer Einigung mit dem Eigentümer der Flächen gekommen sei. Demnach könne die Stadt dort – auf eigene Kosten, versteht sich, – eine Blühwiese für Insekten anlegen und damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Fläche am nördlichen Ortseingang wird ansehnlicher, und der Natur kommt das Ganze außerdem zugute. Martin Häcker (Bürger für Heimsheim), zugleich Leiter der BUND-Ortsgruppe Heckengäu, zeigte sich erfreut, „dass wir uns nicht nur um E-Tankstellen kümmern, sondern auch um ,Tankstellen‘ für Insekten“.

Mit seiner Begeisterung blieb er allerdings weitgehend alleine. „Die Idee ist gut“, fand Rolf Vetter (SPD). „Was ich nicht gut finde, ist, dass diese Maßnahme von den Bürgern getragen werden soll. Es geht hier um private Flächen von Unternehmen, denen es in der Pandemie sicher nicht schlecht gegangen ist.“ Andere schlossen sich an. Andreas Wein (Freie Wählervereinigung) und Ralf Rüth (CDU) warnten vor der Schaffung eines Präzedenzfalls, wenn die Stadt plötzlich anfange, die Außengestaltung für Firmen zu übernehmen. „Jedes andere Unternehmen ist bemüht darum, seinen Eingangsbereich schön herzurichten, warum hier nicht?“, fragte sich Ralf Rüth. Ulrich Meeh (Unabhängige Wählervereinigung) und Gaby Wulff sprachen gar von einem Armutszeugnis.

Wulff: „Wir sollten nicht kneifen“

Jürgen Troll gab dabei zu bedenken, „dass der Investor erst mal nur das macht, was er machen muss. Wir müssen uns also im Klaren sein, wenn wir uns dagegen entscheiden, dann bleibt es bei dem Wiesenstück“. Dem schloss sich Gaby Wulff (BfH) an: „Wir sind es, die diese Stelle jeden Tag anschauen müssen, wir sollten daher nicht kneifen.“ Selbst Martin Häcker, der das Verhalten der Verantwortlichen „erbärmlich und beschämend“ findet, konnte die Einwände seiner Ratskollegen nachvollziehen. „Aber wir sprechen hier nicht von großen Beträgen. Ich sehe das als große Chance, für ein paar 1000 Euro etwas Gutes zu tun.“

Uwe Braun von der CDU wollte vor einer Zustimmung oder Ablehnung zunächst Kosten und Nutzen gegenübergestellt bekommen. Die Kosten für eine Bepflanzung und die anschließende Wartung hatte die Stadt aber noch nicht ermittelt. Das soll jetzt nachgeholt werden.

Während der Sitzung erfuhr der Rat zudem erstmalig, dass die genauen Grenzverläufe zwischen der besagten Fläche und dem städtischen Gehweg gar nicht ganz eindeutig sind, was sich wiederum auf die Zuständigkeiten auswirken würde. Auch diesen Punkt will die Verwaltung noch klären. Bis dahin wurde die Entscheidung noch einmal ausgesetzt.

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