Heimsheim Das zähe Ringen um einen Weg nach Rutesheim

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Am Waldrand verläuft ein Spazierweg zwischen Rutesheim und Heimsheim. Die Über­querung der Landesstraße ist jedoch nicht ohne. Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - Schulanfang. Auch in Heimsheim machen sich viele Kinder und Jugendliche mit dem Fahrrad auf zur Schule im Ort, einige radeln sogar bis zum Gymnasium Rutesheim. Auch Freizeitradler und andere nutzen gerne Alternativen zum Auto, um in die Nachbarstadt zu kommen. Das Problem ist nur: Seit jeher gibt es keinen offiziellen Radweg zwischen Heimsheim und Rutesheim. Die empfohlenen Verbindungen führen in großen Teilen durch den Wald und direkt auf den Hauptstraßen entlang. Ein Thema, das die Stadt seit Jahren – oder eher: seit Jahrzehnten – bewegt. „Die Forderung der Stadt nach einem landesstraßenbegleitenden Radweg nach Perouse gibt es schon seit 1985“, sagt der Heimsheimer Bürgermeister Jürgen Troll.

Seit vergangenem Jahr ist wieder etwas Bewegung in die Sache gekommen. Heimsheim wird wohl wie erhofft einen straßenbegleitenden Radweg bekommen. Doch wann dieser umgesetzt werden kann, ist noch offen. Die ehemalige ­Gemeinderätin Renate Niehaus (SPD) ­bedauerte zuletzt in ihrer Abschiedsrede, dass sie die Fertigstellung des Radwegs in ihrer Amtszeit nicht mehr erleben durfte. Und sie war 20 Jahre in dem Gremium. Auch der CDU-Ratsherr Ralf Rüth hakt in den Sitzungen regelmäßig nach. Der einvernehmliche Wunsch von allen Beteiligten lautet: Zügig vorankommen. Denn egal ob Schüler oder Senior: Radler haben bislang nur die Möglichkeit, auf Schotter­wegen durch Wald und Feld zu fahren oder entlang der viel befahrenen Hauptstraße. Es gibt keine Alternative.

Es geht nur schleppend voran

„Alles geht hier sehr zäh voran“, bedauert Ralf Rüth deshalb. „Und der Bevölkerung brennt das unter den Nägeln.“ Der Kreis Böblingen habe ein so tolles Rad­wegenetz, der Enzkreis hinke hier viel zu weit hinterher. Mehr Initiative wünsche er sich vor allem von der Stadtverwaltung, „da fehlt mir der Druck nach oben“. Denn da es sich um eine Landesstraße handelt, ist für den Bau und die Planung des Radwegs das Land zuständig. Der Bürgermeister ist mit der Situation jedoch auch nicht glücklich. „Das Problem ist, dass das Land 33 Jahre gebraucht hat, um aus unserer Sicht überflüssigerweise alternative Routen zu prüfen. Dabei wäre es so einfach, man müsste doch nur auf die Ortskundigen hören. Ich weiß nicht, was daran schwierig sein soll.“

Troll spricht auf die Trassenführung des geplanten Weges an. „Das Landratsamt wollte keinen straßenbegleitenden Radweg“, erklärt Rüth. Also keinen, der weitgehend parallel zur L 1179 verläuft und dann über die Heimsheimer Straße nach Perouse führt. Was in seinen Augen umso eigenartiger ist, als bei dieser Führung der neue Radweg fast komplett auf bereits bestehenden Feld- und Graswegen verlaufen könnte, „da muss man kaum freies Feld oder Wiese anpacken.“ Trotzdem wurden in der Vergangenheit viele andere Varianten untersucht. „Letztlich konnten wir sie aber überzeugen, dass der straßenbegleitende Weg die beste Lösung ist.“ Dessen Planung läuft inzwischen, so Troll. „Gegenwärtig müssen die artenschutzrechtlichen Untersuchungen abgewartet werden. Sollten diese unkritisch ausfallen, kann weitergeplant werden.“

„Niemandem, den ich kenne, ist dieses Schild je aufgefallen“

Es gibt keinen Radweg von Heimsheim nach Perouse. Foto: StZ-Grafik_loc
Doch es gibt noch einen weiteren ­Aspekt rund um das Thema Radweg, das die Gemüter erhitzt. Am Waldrand von Heimsheim gibt es einen schmalen Pfad, der die Landesstraße L 1179 kreuzt. Diese Querung ist ziemlich unübersichtlich, vor allem in Richtung Norden ist die Sicht ­wegen der Kurve der Landesstraße sehr eingeschränkt. Aus diesem Grund hatte vor rund einem Jahr bei einer Verkehrs­begehung der Erste Beigeordnete der Stadt Rutesheim, Martin Killinger, eine Geschwindigkeitsreduzierung auf der Hauptstraße angeregt. 100 Kilometer pro Stunde sind dort derzeit erlaubt.

„Es ist ein schöner Spazierweg am Waldrand von Perouse am Sportgelände vorbei Richtung Heimsheim und umgekehrt“, so Killinger. Gerade mit Rücksicht auf Senioren sei die Verkehrssicherheit hier ein wichtiger Belang, „für den wir uns engagieren“. Zusätzlich zur Verbesserung der Sichtverhältnisse durch Rückschnitt der Sträucher hält er eine Geschwindigkeitsbeschränkung in diesem Bereich daher für notwendig.

Ralf Rüth teilt diesen Wunsch. „50 Stundenkilomter wären an dieser Stelle sinnvoll.“ Aus seiner Sicht müsse das keine Dauerlösung sein, aber wenigstens, bis der Radweg fertiggestellt ist. Nach seiner Erfahrung nutzen auch viele Schüler mit dem Rad diese Querung. Das Landratsamt erteilte dem Wunsch allerdings eine Ab­sage und verwies auf den „eindeutigen Außerortscharakter“ dieser Strecke, weshalb eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht sachgerecht wäre. „Stattdessen werden die Autofahrer in Fahrtrichtung Heimsheim durch das Warnzeichen ,Fußgänger’ sensibilisiert“, so das Landratsamt. Dieses Warnzeichen hält Rüth aber für einen müden Witz. „Niemandem, den ich kenne, ist dieses Schild je aufgefallen.“

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