Hebammen In der Sprechstunde ist Zeit

Von Franziska Kleiner
Zur Hebammensprechstunde, einem Projekt im Kreis Ludwigsburg, sollen Frauen ab der dritten, vierten Woche nach der Geburt kommen. Foto:  

Es gibt zu wenige Hebammen. Diese Situation sei seit mindestens 15 Jahren unverändert, sagt Christel Scheichenbauer. „Es ist nichts Neues, dass wir eine Versorgungslücke haben.“

Laut der zweiten Vorsitzenden des Hebammenverbands Baden-Württemberg ist die Situation in allen Landkreisen der Region Stuttgart gleich. Hebammen, ob in Ludwigsburg oder Böblingen, seien bis Dezember „total ausgebucht“. Wer im Dezember entbinde, habe ein Problem, eine Hebamme zu finden, sagt Christel Scheichenbauer. Die Situation wird sich im Kreis Ludwigsburg in absehbarer Zeit wohl noch verschärfen, da etliche Hebammen um die 60 Jahre alt seien und jenseits der 60 reduzierten die Hebammen schon häufig ihren Arbeitsumfang.„Man kann sich ausrechnen, was in fünf Jahren passiert.“

Hebammen fehlen in der Familienphase

Es gibt zu wenig junge Hebammen – und diese fallen aus, wenn sie selbst eine Familie gründen. Hebamme sei immer noch ein Frauenberuf und Frauen fehlten in der Familienphase oder später, wenn sie Angehörige pflegen, sagt Scheichenbauer. Männer sind in dem Beruf noch immer rar, drei seien es derzeit bundesweit. Scheichenbauer wertet das nicht, aber sie macht auch deutlich, dass der Hebammenberuf aus wirtschaftlicher Sicht nicht vereinbar ist mit der Rolle des Manns als Versorger der Familie. Aber ganz gleich, ob Mann oder Frau – „wir haben viel zu lange viel zu wenige ausgebildet“, sagt Scheichenbauer.

So ungewöhnlich offenbar der Gedanke an einen Mann in der Rolle der Hebamme ist, so ungewöhnlich ist für viele Frauen offenbar noch der Gedanke, zur Hebamme in die Sprechstunde zu gehen – und dass die Hebamme von der dritten, vierten Woche an nach der Geburt nicht mehr nach Hause zu Mutter und Kind kommt.

Die Verwandtschaft fehlt

Genau das aber ist das Prinzip der Hebammensprechstunde in Ludwigsburg. Hier werden auch Frauen betreut, die keine Hebamme gefunden haben. „Die Sprechstunde wird nicht angenommen“, konstatiert Scheichenbauer jedoch. Dabei nehme sich die Hebamme auch dort rund eine halbe Stunde oder länger Zeit. Die Sprechstunde sei eine Möglichkeit, Kapazitäten zu schaffen, um eine weitere Mutter und ihren Nachwuchs zu betreuen. Zumal die Betreuung heute deutlich länger gehe, als früher, als die Verwandtschaft in der Nähe wohnte und half, das Kind groß zu ziehen.

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