Handball Ein Krisenplan mit mehreren Fragezeichen

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Nach dem November gibt es auch in den beiden nächsten Monaten keinen Handball-Punktspielbetrieb. Foto: imago images //Jörn Wolter

Leonberg - Zufriedenheit bei den einen, dass es nun „wieder ein Datum gibt, auf das man sich einstellen kann“, wie Julian Schwab, der Männertrainer des Bezirksligisten HSG Leinfelden-Echterdingen, sagt. Skepsis bei anderen, die nicht recht glauben wollen, dass es dann auch tatsächlich so kommen wird. Wieder andere wie Ralf Heimerdinger, der Abteilungsleiter des SV Leonberg/Eltingen, hätten gerne den Versuch gewagt, die gesamte Runde zu Ende zu spielen.

Das ist die Gefühlslage in der Handballszene nach dem württembergischen Verbandstag vom Samstag. In einer virtuellen Konferenz haben die Delegierten festgelegt, wie es mit der aktuell unterbrochenen Saison in der Corona-Krise weitergehen soll – unter der Voraussetzung, dass das Virus nicht erneute Striche durch die Rechnung macht. Die beiden wichtigsten Beschlüsse: um Punkte wird frühestens am Wochenende 6./7. Februar wieder gespielt. Zumindest bis dahin ist in allen Klassen von der Kreis- bis zur Württembergliga weiter Wettbewerbspause. Und: das Programm wird, wie bereits erwartet, auf eine Halbsaison reduziert. Keine Hin- und Rückspiele, sondern diesmal nur eine Einfachrunde.

Mit 98 Ja-Stimmen, bei 15-mal Nein und neun Enthaltungen, fand im Dringlichkeitsantrag des Verbandspräsidiums dessen präferierter Weg eine klare Mehrheit – wonach über die eingereichten Alternativmodelle dann erst gar kein Daumen mehr gesenkt oder gehoben werden musste. Ersatzlos gestrichen wird bei Männern und Frauen demnach die Hinrunde, die im Normalfall noch bis in den Januar liefe. Ausnahme: die Ergebnisse der im Oktober noch vor dem Lockdown absolvierten ersten drei Spieltage – jene bleiben in der Wertung. Basierend darauf, soll am Ende jeder gegen jeden einmal angetreten sein. Für alle weiteren Begegnungen gilt der ursprüngliche Rückrunden-Spielplan, eben mit Beginn am ersten Februar-Wochenende. So weit die Theorie.

Die Handball-Abteilung des SV Leonberg/Eltingen, deren erstes Männer-Team in der Württemberg-Liga spielt und die Frauen 1 in der Verbandsliga, stellt die Entscheidung des HVW vor eine große Herausforderung. „Auf diesem Niveau sind wir auf Sponsoren angewiesen, und wenn wir nicht eine komplette Saison spielen, oder vielleicht am Ende alles abgesagt wird, könnte das unter Umständen Auswirkungen finanzieller Natur haben“, sagt Ralf Heimerdinger. „Für ihre Vorleistung erwarten die Sponsoren natürlich, dass auch wir unsere sportliche Leistung erfüllen sowie Werbeflächen auf Bannern oder Trikots präsentieren.“ Jetzt, da die Entscheidung des HVW steht, „werden wir auf unsere Sponsoren zugehen und versuchen, eine Lösung finden, wie wir weiter verfahren. Ein Supergau wäre es, wenn wir alles zurückzahlen müssten“, sagt Heimerdinger. Zumal andere wichtige Einnahmequellen in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie versickert seien. „Wir haben einen jeweils fünfstelligen Verlust durch den Wegfall von Bewirtungseinnahmen sowie des fehlenden Beitragsrückflusses vom Gesamtverein“, rechnet Heimerdinger vor.

Jörg Kaaden, Trainer des Verbandsligisten TSF Ditzingen, wünscht sich in erster Linie, „dass wir wieder zur Normalität kommen, aber ich denke, das ist in weite Ferne gerückt“. Sollte tatsächlich Anfang Februar gespielt werden können, ginge das nicht mit einem Kaltstart. „Ein Vorlauf von vier Wochen wäre vernünftig, weniger Trainingsvorbereitung hochgradig gefährlich. „Ich habe keine Ahnung, wie es im Januar weitergehen sollte, wichtig ist jetzt, dass wir als Mannschaft beim Online-Training zusammenbleiben“, sagt Kaaden. Der sportliche Leiter der TSF Ditzingen, David Thomitzni, spricht ein deutliches Wort. „Ich bin für die Annullierung der Saison, dann können wir versuchen, die bestehenden Sponsoren-Verträge in die nächste Runde mitzunehmen.“

Einen Notplan zum Notplan für einen Start erst im März hat der Verband bereits erarbeitet. Die K.o.-Grenze verläuft dabei am 13./14. jenes Monats – das wäre laut der Verantwortlichen der spätestmögliche Beginn, um die Saison noch durchbringen zu können. In diesem Fall verlängerte sich die Runde um gut zwei Monate bis zum 27. Juni. Sollte es letztlich auch damit nicht klappen, bräuchte es wohl neue Beschlussvorlagen und Konferenzen. Was bei einem gezwungenermaßen abermaligen Abbruch des Meisterschaftsbetriebs passierte, ist noch nicht fixiert. Die vergangene Saison, zur Erinnerung, wurde schließlich mittels einer Quotientenregel gewertet. Allerdings waren damals dann wenigstens schon rund drei Viertel des Programms absolviert.

Info:
Hans Artschwager bleibt für drei weitere Jahre Präsident des württembergischen Handball-Verbands (HVW). Der Hildrizhausener wurde auf dem Verbandstag am Samstag in seine fünfte Amtszeit gewählt. Auch sonst ist an der Spitze Kontinuität angesagt: Artschwagers Präsidiumskollegen erhielten ebenfalls die Bestätigung. Im Vorsitz des Ausschusses für Jugend, Schule und Bildung hatte es im Februar einen Wechsel gegeben. Dort ersetzte Michael Daiber (Böblingen) den nach jahrzehntelanger Tätigkeit inzwischen kürzer tretenden Edwin Gahai (Oberstenfeld).

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