Golf-Bundestrainer für Gehörlose Herausforderung Kommunikation

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Zusätzliche Aufgabe: Heiko Burkhard, langjähriger Trainer im Stuttgarter Golf-Club Solitude in Mönsheim, coacht nun auch das Nationalteam der Gehörlosen. Foto: Jürgen Bach

Leonberg - Auf Heiko Burkhard wartet neben seiner Tätigkeit als langjähriger Trainer im Stuttgarter Golf-Club Solitude ab sofort eine weitere spannende Aufgabe. Beim Deutschen Gehörlosen-Sportverband ist er der neue Bundestrainer in der Sparte Golf und tritt damit die Nachfolge von James Taylor an, der dieses Amt nicht mehr bekleiden wollte.

„Ich freue mich schon sehr auf diese Aufgabe, und für mich ist es eine große Ehre, den Bundesadler zu tragen“, sagt der 40-Jährige, der mit seiner Frau Gila – die Kapitänin der Stuttgarter Bundesliga-Frauen – und dem kleinen Sohn Tim in Leonberg wohnt. „Mir ist aber genauso wichtig, dass die Tätigkeit als Bundestrainer meine Arbeit in meinem Heimatclub nicht beeinflussen wird“, sagt Heiko Burkhard.

Das Frühjahrs-Trainingslager entfällt

Auf Grund der Coronapandemie kann er sich allerdings noch nicht so in die Nationalmannschaft – hier sind Damen, Herren und auch die Jugendlichen vereint – einbringen, wie er das gewollt hätte. „Ich hatte leider noch nicht die Gelegenheit, die Spieler persönlich kennen zu lernen“, bedauert der Trainer. In normalen Zeiten wäre er jetzt mit dem Team im Frühjahrs-Trainingslager irgendwo im Ausland – im türkischen Belek, in Spanien oder in Portugal. Der Bundestrainer hätte seine Schützlinge auf die geplanten großen Turniere in diesem Jahr vorbereitet. Auf die World Deaf Golf Championship in England oder die 24. Sommer Deaf Olympics.

Alles ist nun verschoben auf das Jahr 2022. „Trotzdem stehe ich schon in regem Kontakt mit allen, über WhatsApp oder E-Mail, und biete ihnen meine Hilfe in der Trainings- oder Turnierplanung an. Kommunikation ist vor allen in der jetzigen Zeit enorm wichtig“, sagt Burkhard. Telefonate hat er ebenfalls schon geführt, mit Hilfe eines Dolmetschers, der mit dem Gehörlosen visuell verbunden ist und das Gespräch übersetzen kann.

Kadermitglieder aus ganz Deutschland

Grundsätzlich trainieren die insgesamt neun Kadermitglieder mit ihren Coaches im heimischen Club. Sie kommen aus Garmisch-Partenkirchen, Oberstdorf, St. Leon-Rot, Mannheim, Heddesheim, aus München oder vom Golfclub Hösel. Top-Spieler ist Allen John, der schon im Nationalkader spielte, 2011 seine Profikarriere startete und unter anderem für den Golfclub St. Leon Rot im Einsatz war. Nach einer Verletzung ließ er sich reamateurisieren. Er holte neben dem Weltmeistertitel der Gehörlosen auch die Goldmedaille bei den Deaflympics.

Der erste Lehrgang ist im Juni am Stützpunkt in Heidelberg-Lobenfeld geplant, der zweite im September im Stuttgarter Golf-Club auf der Gemarkung Mönsheim. Bis dahin, hofft der Bundestrainer, ist auch die neue Übungsanlage, die sich derzeit im Bau befindet, fertig. Für Heiko Burkhard ist die Arbeit mit Gehörlosen Neuland. „Theoretisch habe ich mich damit schon auseinander gesetzt, und ich lerne gerade die Gebärdensprache.“ Wenn er etwas mache, dann richtig. „Und wenn ich alle das erste Mal sehe, möchte ich sie mit einer Begrüßung in Gebärdensprache überraschen.“

Arbeit mit Bildern

Er hat aber auch schon in Erfahrung gebracht, dass die meisten seiner Schützlinge ein Implantat haben, das wiederum ein individuelles Hörempfinden erzeugt. „Zudem können sie von den Lippen lesen, aber ich denke, dass ich viel visuell mit Bildern arbeiten werde“, sagt Burkhard, der einen Logopäden zurate ziehen möchte, um sich bestmöglich verständigen zu können. Burkhard: „Ich freue mich sehr auf die Arbeit und habe selbst noch ganz viele Fragen.“

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