Gläserne Produktion in Rutesheim Bewusst genießen, was die Heimat bietet

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Nachdem die Viehhaltung aufgegeben wurde, haben sich Rolf Vinçon und Tobias Fauser (hier mit Ehefrau Simone) auf die Kartoffel-Verarbeitung spezialisiert. Foto: factum

Rutesheim - Wie lassen sich die Produzenten der Nahrungsmittel und die Verbraucher einander näher- bringen, damit letzterer einen Einblick in die Herstellung erhält und ein Bewusstsein für die vor Ort geschaffenen Werte bekommt? Das hat den damaligen baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Gerhard Weiser (1931-2003) beschäftigt, als er 1991 die „Gläserne Produktion“ ins Leben gerufen hat.

Die landesweite Veranstaltungsreihe, die jetzt die Landratsämter koordinieren, wird nun auf dem Kartoffelhof Vinçon (Heimsheimer Straße 11 in Perouse) fortgesetzt. Der öffnet am Wochenende, 31. August und 1. September, seine Türen. Samstags ist ab 16 Uhr Programm, sonntags ab 10 Uhr.

Was die Minister vor fast drei Jahrzehnten beschäftigt hat, sei heute aktueller den je, sind nicht nur die Perouser Landwirte Rolf Vinçon und Tobias Fauser überzeugt. Auch der Vorsitzende der Kreisjägervereinigung Leonberg, Bodo Sigloch aus Weil der Stadt, und Reinhold Kratzer, der Leiter des Kreisforstamtes, stehen dahinter. Und so steht die Veranstaltung am Wochenende nicht von ungefähr unter dem Motto „Bauern, Jäger und Forst“. Mit den Gastgebern sind auch die Kreisjägervereinigung und der Forst Baden-Württemberg mit von der Partie.

Auf die Tiere folgen die Knollen

Der Hof der Familien Vinçon und Fauser wird inzwischen in der vierten Generation geführt. Nachdem die Viehhaltung aufgegeben wurde, liegt heute der Schwerpunkt des Betriebs auf dem Kartoffelanbau und deren Verarbeitung. Auf 30 Hektar werden die Knollen angebaut, die in der eigenen Kartoffelschälerei in Würfel oder Scheiben geschnitten oder zu Kartoffelsalat verarbeitet und dann direkt vermarktet werden. Dafür wurde 2015 der Hofladen in der Pinadelle eröffnet, in dem nun eigene Produkte und solche von regionalen Kollegen angeboten werden.

„Wir als Bauern, Förster, Jäger sind Mitglieder einer Urproduktion, die seit Menschengedenken auf dem gemeinsamen Boden arbeiten“, bringt es Kratzer auf den Punkt. Diese drei Berufsstände hätten viele Berührungspunkte und die gleichen Probleme – Missernten, Dürre, die Folgen des Klimawandels, von der Borkenkäferinvasion bis zur explodierenden Wildschweinpopulation.

„Wir sind keine Weltzerstörer“

„Wir wollen zeigen, dass Bauern hierzulande nicht die Weltzerstörer sind“, formuliert es Rolf Vinçon überspitzt. „Der Verbraucher hat es in der Hand, dass die heimische Landwirtschaft überlebt und nicht im Amazonas Wälder abgebrannt werden, damit das Fleisch im Supermarkt um ein paar Cent billiger ist“, sagt Andreas Kindler. Der Renninger Vorsitzende des Kreisbauernverbandes hat 2013 das Fest des Dreiergespanns aus Bauern, Förstern und Jägern initiiert. Zweimal fand es auf seinem Hof statt, vor zwei Jahren zum ersten Mal in Perouse auf der Pinadelle, wie das Areal heißt, auf dem der Hof von Vinçon und Fauser steht.

„Es geht uns darum, zu zeigen, was alle tatsächlich machen, zu erklären, aufzuklären und natürlich auch die Erzeugnisse der Heimat zu genießen“, formuliert es Stefan Sieber, der Sprecher der Kreisjägervereinigung. Einerseits herrsche großes Interesse, andererseits auch wenig Wissen, über das, was Bauern, Förster und Jäger leisten. Darum sei es wichtig, die Menschen, die sich oft ahnungslos in Wald und Flur bewegen, zu bewussten Verbrauchern zu machen, die lokal Erzeugtes kennen und wertschätzen.

„Die junge Generation ist bereit, das zu tun, das ist unsere Chance“, ist Bodo Sigloch optimistisch. Er hat zu den Helfern des Kartoffelhofes mehr als 160 Vereinsmitglieder für das Fest mobilisiert, denn 1,6 Tonnen Wildschweinfleisch als Bratwurst, Burger, Gulasch unters Publikum zu bringen, ist einiges an Aufwand. Und wenn das Wetter mitspielt, werden mehr als 5000 Besucher erwartet.

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