Gerlingen Eine Gemeinde für gemeinsame Aufgaben

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Die Pfarrerinnen Sabine Schneider-Wagner und Elke Kaltenbach-Dorfi gehen ebenso wie ihre Kollegen Jochen Helsen und Martin Weeber (jeweils von links) mutigen Schritts voran. Die Anspielung auf das Beatles-Album „Abbey Road“ ist eine Bildmontage der Gemeinde – die Perspektive gibt es in Gerlingen nicht. Foto: Kirchengemeinde Petrus und Lukas

Gerlingen - Am kommenden Sonntag ist der Erste Advent – damit beginnt ein neues Kirchenjahr. An diesem Tag wählen die Protestanten im Land nicht nur ihr Parlament, die Synode der württembergischen Landeskirche. Am 1. Dezember werden vor Ort auch die Kirchengemeinderäte neu gewählt. Dabei gibt es in Gerlingen einen Einschnitt: Die beiden Kirchengemeinden Lukas und Petrus fusionieren – die Gemeindeglieder wählen zum ersten Mal einen gemeinsamen Kirchengemeinderat. Ansonsten werde sich nicht viel ändern, meint der geschäftsführende Pfarrer Martin Weeber.

Auch auf der Bezirksebene steht ein Wechsel an: Der evangelische Kirchenbezirk Ditzingen, mit dem Strohgäu identisch, geht zum 1. Januar mit dem Bezirk Vaihingen zusammen. Beide Fusionen sind eine Folge der Sparpläne der Landeskirche. In allen Gemeinden und Bezirken müssen bis 2024 Pfarrerstellen abgebaut werden – weil die Gemeinden schrumpfen. Das könne nur mit der Zusammenfassung von Aufgaben ausgeglichen werden, meinen die Verantwortlichen.

Jochen Helsen muss gehen

In Gerlingen etwa muss bis in fünf Jahren eine Pfarrerstelle gestrichen werden – die von Jochen Helsen. Er muss sich bis Ende 2024 nach einer neuen Aufgabe umsehen. Zunächst aber sind alle vier Pfarrer auf die neue Zeit in einer Gemeinde gespannt. Die wird „Evangelische Kirchengemeinde Petrus und Lukas Gerlingen“ heißen. Sie freue sich auf die große Gemeinde, sagt Weebers Kollegin Sabine Schneider-Wagner. Die nächste Zeit werde für die neue Gemeinde ein „sanftes Aneinandergewöhnen“, meint Jochen Helsen, der dritte Pfarrer der bisherigen Petrusgemeinde. Und Elke Kaltenbach-Dorfi freut sich darüber, dass Gemeinsamkeit in beiden bisherigen Gemeinden schon selbstverständlich wurde, wie im Jugendbereich oder im Chor Lukas Voices. Mehr Angebote, so die Pfarrerin der bisherigen Lukasgemeinde, würden als Bereicherung empfunden.

Die neue Gemeinsamkeit bedeute nicht, dass Bewährtes aufgegeben werde, meint Martin Weeber. „Wir erfinden jetzt nichts neu, sondern lassen Bewährtes weiterlaufen. Wie es in fünf Jahren aussieht, ist freilich etwas Anderes.“ Bestes Beispiel dafür sind die traditionellen Adventsmärkte in beiden bisherigen Gemeinden am kommenden Wochenende. Auch Gottesdienste würden wie gehabt angeboten. Das ändert sich wohl erst, wenn Jochen Helsen Gerlingen verlässt.

Kirchengemeinderat hat 14 Sitze

Bestehende Gemeindegruppen würden nicht zusammengelegt, verdeutlicht Weeber. Bis auf die Kirchengemeinderäte. Aus zwei Leitungsgremien wird eines. Bisher waren es zwölf (Petrus) beziehungsweise neun Mitglieder (Lukas); der neue gemeinsame Kirchengemeinderat hat 14 Sitze. Dafür bewerben sich am Sonntag 17 Kandidaten. Weebers Fazit: „Es ist unser Ziel, dass die normalen Gemeindeglieder von der Fusion nicht schrecklich viel merken.“ Über eines allerdings sollen sich alle Gedanken machen: Für die Mitgliederzeitschrift der neuen Gemeinde wird noch ein Titel gesucht. Die neue gemeinsame Internetpräsenz hingegen ist schon bereit.

Einen Monat nach dem Zusammenschluss der Gemeinden in Gerlingen wird es eine weitere Fusion geben: Die der bisher selbstständigen Kirchenbezirke Ditzingen und Vaihingen zum Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen. Das Ziel: Theologen sollen von Verwaltungsaufgaben entlastet werden, um ihnen mehr Zeit für ihr Kerngeschäft, die Verkündigung und die Seelsorge, zu geben. In Ditzingen ging die Abstimmung dafür im Frühjahr relativ knapp aus, in Vaihingen stimmten zwei Drittel der Bezirkssynodalen dafür.

Im letzten Dreivierteljahr habe sich viel getan, meint der Vaihinger Dekan Rainer Zeyher. „Wir haben viel Energie investiert, um die Leute zu überzeugen und wesentliche Schritte zum Zusammenfinden getan. Jetzt ist das Gemeinsame das Thema.“ Und sein Kollege Friedrich Zimmermann ergänzt: „Unsere Gemeinden bekommen die Fusion letztlich nicht mit.“

Wesentlicher seien Änderungen infolge von Stellenkürzungen. Das zeigt sich im Strohgäu: Der Pfarrer Matthias Baral, für Kallenberg und Münchingen-Nord zuständig, verlässt die Gemeinde. Sein Nachfolger erhält nur noch eine halbe Stelle. Zimmermann: „Nicht jedes Gemeindeglied wird künftig noch jeden Sonntag in seiner Kirche seinen Pfarrer antreffen.“

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