Gemeinderatswahl in Leonberg Nach zehn Jahren hört die Neue Liste auf

Von
Acht Fraktionen und Gruppen sitzen derzeit im Leonberger Gemeinderat. Nur sieben Listen haben nun Kandidaten für die Wahl aufgestellt, die AfD ist nicht darunter. Foto: factum/Granville

Leonberg - Rainer Zachert ist kein Mensch, der lange um den heißen Brei herumredet. „Ich war schon immer dafür, die Amtszeit für politische Ämter zu begrenzen“, sagt der Stadtrat, der sich gemeinsam mit den übrigen Mitgliedern der Neuen Liste Leonberg entschlossen hat, bei der Gemeinderatswahl am 26. Mai nicht mehr anzutreten. Nach zehn Jahren wird die Neue Liste also nicht mehr im Leonberger Gremium vertreten sein.

Zeitraubende Arbeit

„Das ist auch lange genug“, sagt Zachert. Die Neue Liste, die er „eher eine offene Diskussionsrunde“ nennt, habe derzeit 26 Mitglieder. „Wir sind alles Unternehmer oder Selbstständige. Die interessieren sich natürlich für lokale Politik. Aber das ist eben auch eine Zeitfrage“, erklärt der Bäckermeister, der in Leonberg und Rutesheim insgesamt sechs Filialen betreibt. „Mein Wecker klingelt um halb eins. Eine Viertelstunde später stehe ich in der Backstube.“ Doch da viele Sitzungen des Gemeinderates oder der Fraktion, aber auch jede Menge Veranstaltungen in der Stadt, am Abend stattfinden, bleiben da oft nur wenige Stunden Schlaf. „Wer einen Job von 9 bis 17 Uhr hat, der schafft das vielleicht“, sagt Rainer Zachert.

Dennoch will er jedem Bürger ans Herz legen, die Erfahrung als Gemeinderat einmal zu machen. „Das kann ich jedem nur empfehlen. Außerdem brauchen wir dringend frisches Blut im Gemeinderat, nicht immer die gleichen Leute“, sagt er. Nur so könne es auch neue Ideen geben. „Man sieht doch jetzt, dass die jungen Leute anfangen, für ihre Zukunft auf die Straße zu gehen. Und dann soll ich für sie Entscheidungen treffen?“, fragt er.

Die Erfahrung möchte er nicht missen

Rainer Zachert Foto: privat

Die zehn Jahre im Gemeinderat möchte er nicht missen, auch wenn er sie oft als frustrierend empfand. „Man sagt ja: Gottes Mühlen mahlen langsam. Die im Gemeinderat mahlen aber noch langsamer.“ Als Beispiel nennt Zachert die Debatte um eine Toilette am Leonberger Bahnhof. Oder das Parkhaus unter der Altstadt. „Seit zehn Jahren rede ich, dass das endlich besser ausgeschildert und den Menschen schmackhafter gemacht wird“, sagt Rainer Zachert. Bis heute gebe es aber kein einziges neues Hinweisschild. Dennoch müsse man auch lernen, damit zurecht zu kommen, wenn man etwas nicht erreicht. „Man muss sich trotzdem für seine Herzesdinge einsetzen.“

Hier nennt er als Beispiel die Stelle des Citymanagers, die erneut ausgeschrieben wird. Dass es im Leonberger Gemeinderat, in dem derzeit acht Fraktionen und Gruppen vertreten sind, keine klare Mehrheit gibt, findet er förderlich für den politischen Prozess. „Es führt dazu, dass die Leute nicht so sehr nach Parteibuch abstimmen, sondern in der Sache“, sagt der Handwerksmeister.

Wechselvolle Geschichte

Die Neue Liste Leonberg war 2009 aus einer Absplitterung der CDU hervorgegangen. Die gewählten Stadträte Hansjörk Schneck, Heinz Blume und Kurt Vestner hatten die CDU-Fraktion verlassen und sich als Neue Liste Leonberg zusammengeschlossen. Kurze Zeit später war man bei der Kommunalwahl auch unter diesem Namen angetreten und behauptete die drei Mandate.

Nur ein Jahr später hörte der Architekt Schneck wieder auf, und Rainer Zachert rückte nach, wurde nach dem Rückzug von Bernd Mörk und Kurt Vestner im Jahr 2011 Fraktionschef. 2014 gelang die Wiederwahl mit zwei Mandaten für Rainer Zachert und Matthias Bolay, der sich nun wieder stärker seinem Betrieb und seiner Familie widmen will.

Artikel bewerten
9
loading
Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen