Gemeinderat Weil der Stadt Sie haben die Finger in die Wunden gelegt

Von
Die Schulen lagen ihr am Herzen: Nach zwölf Jahren verlässt Silvia Tanczos-Lückge den Gemeinderat. Foto: factum/

Weil der Stadt - Der Finger ist schnell gehoben. „Sich aber selbst ehrenamtlich hinzustellen und Freizeit zu opfern, ist nicht selbstverständlich“, sagt der Weiler Bürgermeister Thilo Schreiber (CDU) am Dienstagabend. Unter den Gemeinderäten blickt er dabei vor allem acht Gremienmitglieder an, denn sie verlassen zum Ende dieser Wahlperiode das Weiler Stadtparlament.

Seit 2015 war der Merklinger Emilio Diaz Ocampo (Freie Wähler) im Gemeinderat. „Sie haben den Finger immer sehr tief in die Wunde gelegt“, charakterisiert ihn der Bürgermeister. Da habe sich sein Berufsleben als Controller bemerkbar gemacht. „Danke, dass Sie uns gelegentlich die Augen geöffnet haben“, sagt Schreiber.

Nach einer Wahlperiode hatte Frank Gann (CDU) nicht mehr kandidiert. Auch Gann war ein kritischer Begleiter der Stadtpolitik, erinnert sich der Bürgermeister: „Die langsamen Mühlen der Bürokratie haben Sie nicht immer verstanden.“ Vor allem für die Jugend, zum Beispiel im Jugendbeirat, setzte sich Gann ein, weiß Thilo Schreiber.

Für einen guten Umgang im Gemeinderat

Schafhausen hatte die Grüne Rosemarie Sticker sieben Jahre lange im Gemeinderat vertreten. „Die Begrenzung von Neubaugebieten und möglichst wenig Flächenverbrauch war Ihnen wichtig“, sagt Thilo Schreiber. Darüber hinaus habe sie sich stets für einen guten Umgang im Gemeinderat eingesetzt.

Nach zehn Jahren verabschiedet sich zudem Wolfgang Fischer (Grüne), der auch zeitweise stellvertretender Bürgermeister war. „Ihren kritischen, streitbaren Rat hab ich immer geschätzt“, lobt der Bürgermeister und nannte ein Beispiel: Weil der Stadt als Fair-Trade-Town sei ihm zu verdanken.

Ebenfalls zehn Jahre hat Peter Mutschler (CDU) Hausen vertreten – als einziger Gemeinderat aus diesem Teilort, der in dieser Zeit zum Beispiel einen neuen Dorfplatz bekam. „Auch das Oberflächenwasser-Problem sind wir zusammen angegangen“, sagt Schreiber, auch wenn dieses Problem noch nicht gelöst sei.

Seit 2004 war die SPD-Frau Silvia Tanczos-Lückge im Gemeinderat, nur von 2009 bis 2011 durch eine kleine Pause unterbrochen. „Ihr Thema war die Weiterentwicklung von Weil der Stadt als Schulstadt“, lobt der Bürgermeister. Auch für die Umwandlung der Hauptschule in die Gemeinschaftsschule habe sie sich engagiert eingesetzt. „Sie haben zu mir auch immer gesagt: Vergessen Sie bitte den Marktplatz nicht, Herr Schreiber“, berichtet der Bürgermeister. Das hat in ihrer Amtszeit jetzt nicht geklappt. „Aber Sie erleben es noch“, verspricht der Rathauschef.

„Stillstand ist Rückschritt“

Mit Klaus-Peter Fritschi (Freie Wähler) verabschiedet sich noch ein Urgestein der Weiler Kommunalpolitik. Fritschi habe ihn immer auf Trab gehalten, berichtet Thilo Schreiber. „Stillstand ist Rückschritt ist Ihr Motto“, sagt er. „Sie haben auch gesagt, dass man mal groß denken muss.“ Zum Beispiel, wenn es um die Sanierung des Schulzentrums gegangen sei. „Ihre mahnende Stimme nehmen wir mit.“

Auf die längste Amtszeit all jener, die ihren Hut nehmen, blickt der Freie Wähler Markus Kling zurück. Nach 20 Jahren als Gemeinderat war er nicht mehr angetreten. „Sie hatten immer den Blick fürs Ganze“, hat der Bürgermeister an ihm beobachtet. Mit ihm verbunden bleibt zum Beispiel auch das Pflegeheim. „Als wir den Standort Jahnstraße abgeblasen haben, haben Sie gesagt: Es muss weitergehen.“

Und zu beiden Freien Wählern, Fritschi und Kling, findet der Bürgermeister am Ende noch persönlich Worte. Vor sieben Jahren waren sie in der Findungskommission, die für die Freien Wähler einen Bürgermeisterkandidaten suchte. Dass er auf Weil der Stadt aufmerksam wurde, lag an diesen beiden Namen. „Sie haben mich sehr ermuntert, zu kandidieren“, berichtet Thilo Schreiber.

Artikel bewerten
3
loading
Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen