Gelöschtes Weiler Fasnet-Video Das abrupte Ende des Online-Umzugs

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Gedreht im Oktober, mit Masken und Abstand: Dennoch hat die Narrenzunft AHA das Video wieder aus dem Netz entfernt. Foto: LKZ

Weil der Stadt/Böblingen - Was hat sich da nur zugetragen in den Weiler Altstadtgassen? „Ein paar Narren sind im Häs die traditionelle Umzugsstrecke nachgelaufen. Oder einfach so in der Natur spazieren gegangen“, sagt Michael Borger, Vorstand der Narrenzunft AHA Weil der Stadt. Alles coronakonform im Familienkreis und nicht, wie sonst üblich am Fasnetsonntag in Weil der Stadt, in Form eines großen Umzugs.

Doch die vereinzelten Häs-Träger sind es nicht, die am Sonntagabend für einige Verwirrung sorgen. Um den heiligen Fasnetsonntag trotzdem gebührend zu feiern, hatten die Weiler Narren ein Video veröffentlicht, dass einen Mini-Umzug in den Hallen der Wagenbauer zeigt. Die Protagonisten tragen zwar Kostüm, aber auch Maske, es sind nur wenige Personen zu sehen. Ein Hinweis ist eingeblendet, das Video sei bereits im Oktober gedreht worden, also noch vor dem zweiten Lockdown. Soweit so gut.

Nur ein gut gemeinter Tipp?

Doch kurz vor Redaktionsschluss am Sonntagabend erreicht die Leonberger Kreiszeitung eine Nachricht des Social-Media-Teams der AHA: „Wir bekamen heute eine Nachricht vom Landratsamt, dass, selbst wenn dieses Video im Oktober gedreht wurde, es nicht coronakonform ist und dass, wenn wir es nicht löschen, dem nachgegangen werden muss.“ Deshalb habe man das Video gegen 17 Uhr von allen Kanälen gelöscht. Basierend auf dieser Mitteilung berichtete die Leonberger Kreiszeitung anschließend.

Auf Nachfrage beim AHA-Vorstand klingt das am Montagmorgen aber schon wieder anders. „Wir haben einen kleinen Tipp bekommen, dass das Video für uns gefährlich werden könnte“, sagt Borger. Warum genau, das sei „etwas schwammig formuliert“ gewesen, muss er zugeben. Der Tipp sei von einer der Narrenzunft nahe stehenden Person gekommen. „Wir wurden nicht angeschwärzt, es war nur ein gut gemeinter Tipp. Und es gab auch keine Anzeige“, sagt Michael Borger.

Zuvor viele Gedanken gemacht

Er sei seit 13 Jahren Vorstand der Weiler Narrenzunft, und da rechne man immer mit Überraschungen. „Wir haben uns vorher sehr intensiv Gedanken gemacht, was wir zur Fasnet machen können und was nicht. Aber wir waren davon am Sonntag doch etwas überrascht“, sagt der Vorstand. Dass das Video dann so schnell wieder aus dem Netz genommen wurde, hatte in den sozialen Netzwerken zu teils derben Reaktionen geführt.

„Solche Reaktionen gibt es im Moment doch bei fast allem. Da ist viel Frust mit dabei über den Lockdown und alles. Da trifft man vielleicht nicht immer den richtigen Ton“, meint Michael Borger. Das Video werde man vorerst nicht wieder einstellen. „Die Leute, für die es bestimmt war, haben es gesehen“, sagt er. Doch man sage niemals nie, denn auch in Coronazeiten gelte: „Nach der Fasnet ist vor der Fasnet.“

Landratsamt: Sind nicht involviert

Beim Böblinger Landratsamt ist man in Bezug auf das Weil der Städter Video ratlos. „Aus dem Landratsamt kam sicher keine solche Meldung“, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung. Zudem sei das Landratsamt gar nicht zuständig. Verstöße würden – wenn es denn welche gibt – seitens der zuständigen Ortspolizeibehörde geahndet.

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