Gefangene sind noch einsamer Wie geht die JVA mit dem Coronavirus um?

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Die Besucherräume der JVA bleiben bis auf Weiteres leer. Foto:  

Heimsheim - An der Pforte der Justizvollzugsanstalt Heimsheim ist seit Montag deutlich weniger los. Die kleine Halle, in der sonst Gefangene ihre Freunde und Familien begrüßen dürfen, ist verwaist. Wegen der Corona-Pandemie hat sich in der JVA einiges verändert.

So wurden alle Kontakte nach außen auf das Notwendigste beschränkt. Das heißt: keine privaten Besuche mehr von außerhalb, auch die Ehrenamtlichen, die sonst unter der Woche Freizeitangebote gestalten, müssen draußen bleiben, und für Gefangene gibt es keine Ausgänge mehr. „Und wo wir konnten, haben wir ein rollierendes System entwickelt, sodass sich möglichst wenige Bedienstete untereinander begegnen“, erklärt der Leiter der Anstalt, Frank Jansen. Deshalb ist auch die Mitarbeiterkantine geschlossen.

Abseits dieser Maßnahmen herrscht jedoch weitgehend Alltag hinter den Gefängnismauern. „An sich sind wir hier ja ein in sich abgeschlossenes System“, sagt Jansen. Die Gefangenen müssen also nicht auf den Zellen bleiben, sie haben untereinander weiterhin ganz normalen Kontakt. Es gibt keine Einschränkungen bei den Freizeiten, und auch die Arbeit in den Werkbetrieben geht weiter. „Unkritisch sind auch Gefangene, die aus anderen JVAs zu uns kommen, weil das auch geschlossene Systeme sind. Aufpassen müssen wir, wenn Gefangene von ,außen’ kommen, also von der Polizei zu uns gebracht werden.“ Nicht nur aus diesem Grund werden die Mitarbeiter wie auch die Gefangenen deshalb stetig für das Thema sensibilisiert, zum Beispiel in Hinblick auf die Hygiene, und über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten.

Schon seit dem 4. März gibt es Einschränkungen

„Wir hatten schon seit dem 4. März die Besuchszeiten eingeschränkt, seit damals schon dürfen auch die Ehrenamtlichen nicht mehr kommen.“ Anfang der Woche wurden die Vorgaben noch mal verschärft, um eine Ansteckung der Gefangenen zu verhindern. Für die Männer im Vollzug bedeutet das natürlich eine große Einschränkung. „Und man muss im Strafvollzug auch aufpassen, dass man nicht alle Angebote auf einmal streicht“, erklärt Jansen. Denn jede Einschränkung wirkt sich auf das Verhalten der Gefangenen aus. Momentan ist das Verständnis bei den Männern aber da, sagt Jansen. „Natürlich gibt es viele Reaktionen und Nachfragen bei den Fachdiensten, aber wie ich es mitbekomme, ist die Akzeptanz da.“

Das liege mit Sicherheit auch daran, dass man sich sehr bemühe, denn Alltag, gerade was die Freizeitangebote angeht, aufrechtzuerhalten. Besondere Freizeitangebote, die sonst Ehrenamtliche gestalten, wie die Schach- oder Malgruppe, betreuen jetzt vorübergehend Bedienstete der JVA. „Der psychologische Dienst hat einen Gesprächskreis ins Leben gerufen, in dem sich die Männer über das Thema austauschen können. Denn man merkt: Der Aufklärungs- und Gesprächsbedarf ist groß.“ Außerdem hat Jansen auf Wunsch der Gefangenen hin veranlasst, dass während dieser Zeit auch diejenigen einen Fernseher auf ihre Zelle bekommen können, die sich aus finanziellen Gründen bislang keinen leisten konnten. Ebenso können sich die Insassen wegen der Ausnahmesituation von zu Hause mehr Geld überweisen lassen als sonst, um zum Beispiel häufiger zu telefonieren, Zigaretten zu kaufen oder Ähnliches.

Hamsterkäufe haben keine Auswirkungen

Apropos Einkaufen: die Gefangenen haben in der JVA die Möglichkeit, ganz normale Waren aus dem Supermarkt zu kaufen. Sie bestellen sie, und die Waren werden in die JVA geliefert. Nach Frank Jansens Kenntnis haben die Hamsterkäufe der Bevölkerung aber noch zu keinen Engpässen geführt. „Sicher kaufen die Gefangenen auch mal ein Mehl, aber das kommt eher selten vor.“ Vor allem gehe es bei den privaten Einkäufen der Gefangenen um Luxusgüter wie Süßigkeiten und Tabak, „und davon gibt es genug“. In Bezug auf die Gefängnisküche ist ebenfalls noch alles da, im Notfall könnte das Gefängnis aber auch auf Catering zurückgreifen. „Ach ja, und wir haben ein großes Lager voll mit Klopapier – das hatten wir aber auch schon vor Corona“, erzählt der Gefängnisleiter schmunzelnd.

Doch was passiert, wenn sich wirklich mal ein Gefangener infizieren sollte? „Wir haben natürlich überlegt, was wir in so einem Fall machen würden“, so Jansen. Wie in Freiheit kann auch im Gefängnis in Absprache mit dem Gesundheitsamt eine Quarantäne angeordnet werden, während derer der Gefangene auf seiner Zelle bleiben muss. Inwiefern sich das dann auf die anderen Insassen auswirken wird, könne man so pauschal nicht sagen. Das komme immer auf die Situation an: Mit wem hatte der Gefangene welchen Kontakt? „Wie viele fahren wir jetzt erst mal auf Sicht und würden so etwas einzelfallbezogen entscheiden.“

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