Gedenksteine auf dem Engelberg Senioren investieren in Restaurierung

Von Arnold Einholz
Alfred Zepf ist zufrieden mit dem Ergebnis. Er hat sich beispielhaft für die Restaurierung der Schiller- und Schelling-Gedenksteine eingesetzt. Foto: privat

Am ehemaligen Wartturm auf dem Engelberg beim kleinen Engelbergturm hat der Leonberger „Verschönerungs-Verein“ 1895 zwei Gedenksteine für Schiller und Schelling aufstellen lassen. Sie ergänzten die beiden Linden, die 1888 zu Ehren der beiden mit Leonberg verbundenen Geistesgrößen gepflanzt worden waren. Doch der Zahn der Zeit ist nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen. Die Schrift war nur noch schlecht lesbar, da die Steine mittlerweile mit Moos bewachsen waren.

Geburtsjahrgänge 1934 und 1935 sammelten Geld

Ein Zustand, den Alfred Zepf so nicht hinnehmen wollte. Und so rief der Leonberger Gleichaltrige dazu auf, die Erneuerung der beiden Steine gemeinsam zu finanzieren. Mehrere Bürgerinnen und Bürgern der Geburtsjahrgänge 1934/1935 übernahmen die Kosten für die Aufbereitung. Die Arbeit der beauftragten Steinmetz-Werkstatt ist nun beendet, die Steine sind gerichtet und die Inschriften wieder gut lesbar: „Schiller Linde 1888“ und „Schelling Linde 1888“. So muss kein Spaziergänger mehr rätseln, was die Steine am kleinen Engelbergturm bedeuten.

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Diese beiden Gedenksteine sind zwei von insgesamt acht auf dem Engelberg. Die Steinmetz-Werkstatt Ludmann fertigte die schönen Findlinge im Jahr 1895 an. Sie kamen aus den Steinbrüchen im Glemstal.

Engelberg ist beliebter Freizeitort

Seit nunmehr 200 Jahren ist der Engelberg ein bei Leonbergern beliebter Ort für unterschiedlichste Aktivitäten. Einst landwirtschaftlich genutzt, wurde ein kleiner Wald angelegt, die Festwiese entstand. Die Bürger trafen sich zur Erholung, zum Feiern: Sängerfeste wurden hier abgehalten, das traditionelle Kinderfest neu belebt. In einem Blockhaus wurde von Familie Mundinger eine Sommerwirtschaft betrieben.

Nicht nur zu Ehren von Schiller und Schelling wurden Steine aufgestellt, auch der langjährige Vorsitzende des Liederkranzes, Sigmund Lindenberger, erhielt nach seinem Tod 1907 einen Gedenkstein am damals noch baumfreien Aussichtspunkt „Sängerlust“. Weitere Gedenksteine erinnern an das große Sängerfest von 1879 und an die in den beiden Weltkriegen gefallenen Sänger des Strohgäu-Sängerbunds.

Als Kind auf das Kinderfest am Engelberg besucht

Außerdem wurde zur Erinnerung an die Vermählung des württembergischen Kronprinzenpaares Wilhelm und Charlotte im Jahr 1886 ein Stein aufgestellt. Dieser Gedenkstein am Schlangenweg ist auch in einem desolaten Zustand. Seine Renovierung und Aufstellung liegt Alfred Zepf ebenfalls sehr am Herzen. „In meiner Schulzeit bin ich mit den anderen Kindern fröhlich und lustig zu Fuß aus der Stadt hinauf auf den Engelberg zum Kinderfest gezogen, da führte der schweißtreibende Schlussanstieg auf dem Schlangenweg vorbei am Stein für Wilhelm und Charlotte“, erinnert er sich an die unbeschwerte Zeit. Diese schönen Erinnerungen sind bis heute geblieben.

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Über die Errichtung der Schiller- und Schelling-Gedenksteine berichtete die Glems- und Würmgauzeitung (ein Vorläufer der Leonberger Kreiszeitung) am 1. Juni 1895: „Unser Engelberg ist wieder mit zwei schönen Denksteinen bereichert und dadurch ein neuer Anziehungspunkt geschaffen worden.

Die im Jahr 1888 gepflanzten Schelling- und Schiller-Linden hat der Verschönerungs-Verein mit sogenannten Findlingen aus den Steinbrüchen im Glemstal versehen, welche in deutlicher Blockschrift die Inschrift tragen: ‚Schelling- und Schiller-Linde 1888‘; sie wurden gefertigt von Steinhauer Ludmann. ... Möge unser Engelberg immer mehr zum deutschen Olymp auswachsen und einst durch die jetzt schon anmutig bewaldeten Bergpfade zu einem besuchten Luftkurort werden.“

Was Schiller und Schelling mit Leonberg verbindet

Schiller
 Elisabeth Schiller, die Mutter des Dichters Friedrich Schiller, verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Leonberger Schloss. Die Witwe lebte hier zusammen mit ihrer Tochter Louise, bis diese heiratete und mit ihrem Mann nach Cleversulzbach zog. Ihr Sohn Friedrich Schiller unterstützte sie finanziell. Nach ihrem Tod 1802 kümmerte sich das Leonberger Waisengericht um das Erbe. Aus dieser Zeit befindet sich ein Schriftstück mit Schillers Unterschrift im Stadtarchiv.

Schelling
 Friedrich Wilhelm Joseph Schelling ist im Jahr 1775 als Pfarrerssohn in Leonberg geboren und wohnte bis zu seinem zweiten Lebensjahr hier. Er studierte in Tübingen Philosophie. Ein wichtiges Werk ist seine „Naturphilosophie“, worin er die Welt als fortwährenden Schöpfungsprozess und damit als Manifestation des Göttlichen charakterisiert.

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