Galerieverein in Leonberg Ein ungewöhnliches Duo

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Die großformatigen Arbeiten von Hendrik Czakainski bestehen immer aus drei Teilen. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Während Hendrik Czakainski unten an der optimalen Beleuchtung arbeitet, um eine seine großformatigen Stadtansichten in ein perfektes Licht zu setzen, misst Océane Moussé in der oberen Etage immer wieder aufs Neue ihre Bilder, die auf dem Boden liegen, mit dem Meterstab aus und kontrolliert dann den Freiraum an der Wand. Die verschiedenen einzelnen Zeichnungen sollen zu einem großen Ganzen zusammenfügt eins ergeben. Wenn man den beiden Künstlern, deren Ausstellung am Sonntag im Galerieverein eröffnet wird, beim Aufbau zuschaut, wird deutlich, dass viel Handwerk mit der künstlerischen Tätigkeit verbunden ist. Beide haben ihre Heimat in Berlin-Neukölln, Leonbergs Partnerstadt, und die Ausstellung sollte innerhalb der Feierlichkeiten zum 50-Jahr-Jubiläum stattfinden, die jetzt wegen der Corona-Pandemie verschoben werden mussten.

Betrachter schaut aus der Vogelperspektive

Auf den ersten Blick erscheinen Czakainskis Stadtansichten sehr düster. Erst wer näher an sie herantritt, erkennt hier und da Farben. Der Betrachter schaut aus der Vogelperspektive, macht viele Häuserzeilen aus, auch Ringstraßen, Bahngleise oder etwas, das wie eine Industriehalle oder ein Fußballfeld aussieht. Doch die urbanen Strukturen sind nicht mehr intakt, Zerstörung ist überall sichtbar. „Ich liebe Science Fiction“, nennt der Künstler eine seiner Inspirationsquellen. Und schließlich gebe es auf der Erde immer wieder Katastrophen. Früher sei er viel in Asien gewesen und habe das GPS genutzt, erzählt er – auch das hat seine Arbeit beeinflusst. Seinen Arbeiten geht immer eine Zeichnung voraus. Dann folgt das Bauen, Sägen und Tackern. „Zuerst ist die Arbeit schwarz. Dann fange ich an zu malen. Es geht immer vom Bau zur Malerei“, erklärt Czakainski. „Und ich benutze eigentlich immer dieselben Materialien.“ Die Grundplatte besteht meistens aus einer mitteldichten Faserplatte, zudem verwendet er finnischen Holzkarton.

Die Feder gibt mehr Energie

Die feinen, filigranen Landschaftsbilder Océane Moussés bilden gegenüber Czakainskis Werken zunächst einen Kontrast, und doch ergänzen sich beide Künstler gerade dadurch. Bei Moussé steht jedes Bild für sich, und dennoch funktionieren die einzelnen Teile zusammen, ergeben ein Ensemble. „Es ist kein perfektes Puzzle“, sagt die Französin. Es sei wie eine Partitur, die eine Sinfonie ergebe. Wird ein Bild herausgenommen, ersetzt sie es durch ein neues – eine Welt in ständiger Bewegung. Die Künstlerin malt die feinen Linien ihrer Landschaften mit Tuschefeder auf Papier. Früher hat sie mit einem Rotring-Stift gearbeitet. „Die Feder gibt mir mehr Energie, ist schneller und entspannter.“ Auch der leere ausgesparte Raum hat bei ihr seine Bedeutung: ein Gleichgewicht zwischen Leere und Malerei ist ihr wichtig. Auffallend in ihren Arbeiten ist auch immer wieder „le pli“ (Moussé), zu deutsch: die Falte. Und fraglos ist es für den Betrachter nachvollziehbar, dass das Thema Zeit für die Künstlerin eine große Rolle spielt.

Unter dem Papier ist ein Passepartout. „Ich arbeite ohne Rahmen. Das macht das Ganze leicht, der Kontakt ist direkter, es gibt keine Begrenzungen“, betont die Künstlerin. Im Galerieverein werden von ihr auch ein Video und Skulpturen aus Keramik zu sehen sein.

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