Fusion Wohin geht der Weg der Leonberger Vereine?

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Die stimmberechtigten Mitglieder der TSV Eltingen und die Delegierten des TSV Eltingen haben die Wahl. Foto: dpa, privat (2) Montage: Lenz

Leonberg - Wie der potenzielle neue Verein nach der Fusion heißen könnte, darüber haben die Mitglieder beider Fraktionen bereits abgestimmt. Doch ob die TSG Leonberg und der TSV Eltingen ab dem 1. Januar 2015 tatsächlich unter gemeinsamer Flagge als SV Leonberg/Eltingen auftreten werden – diese Entscheidung fällt am kommenden Freitag, 27. Juni, in den turnusmäßigen Hauptversammlungen, bei denen auch Wahlen stattfinden. Die Delegierten des TSV Eltingen tagen ab 19.30 Uhr in ihren Vereinsräumen an der Bruckenbachstraße, die Mitglieder der TSG Leonberg zeitgleich in der Jahnturnhalle.

Um grünes Licht für einen Zusammenschluss zu bekommen, müssen sowohl in Leonberg als auch in Eltingen 75 Prozent der stimmberechtigten Anwesenden für dieses Projekt votieren. Sollte dieses Ergebnis erreicht werden, kommen die Leonberger Vorsitzenden Harald Hackert und Michaela Feller noch am selben Abend zum TSV, um dort mit ihren Eltinger Kollegen Hartmut Müller und dessen drei Stellvertreter Matthias Groß, Manfred Buck und Reiner Heinz unter den Augen eines Notars den Verschmelzungsantrag zu unterschreiben. Der offizielle Tag der Vereinshochzeit würde dann auf den 1. Januar 2015 datiert sein, die Wahl eines neuen Vorsitzenden folgt bei der ersten Delegiertenversammlung.

Harald Hackert, der Leonberger Vereinschef, ist zuversichtlich, dass die Mehrheit der TSG-Mitglieder am Freitag für das Projekt Fusion stimmt. In seinen Augen hätten beide Vereine gar keine andere Wahl, als diesen Weg zu gehen. „Es gibt viele schlüssige Argumente, warum wir diesen Zusammenschluss vorantreiben“, sagt Hackert, der die Kapazitäten im Bereich des Personals – wie Führungskräfte, Trainer oder Übungsleiter – und der Liegenschaften bündeln möchte. Ein gemeinsamer Verein könne auf kommunalpolitischer Ebene ganz anders und gewichtiger auftreten. Die Mitglieder, die bislang sowohl in der TSG als auch beim TSV aktiv seien, bräuchten künftig nur noch einen Gesamtbeitrag zahlen. „Die Sportentwicklung würde von diesem Zusammenschluss profitieren“, ist sich Hackert sicher.

Er fordert die Kritiker gleichzeitig auf, einen Blick in die Zukunft zu wagen. „Durch die Ganztagsschulen werden wir mit Sicherheit einem Mitgliederschwund zusteuern, weil die Kinder nicht mehr in die Vereine kommen werden, sondern ihren Sport in der Schule ausüben.“ Hackert beobachtet zudem, dass die Bereitschaft, ein Ehrenamt auszuüben, mehr und mehr nachlässt. „Auch in diesem Bereich könnten wir unsere Kräfte gut bündeln.“

Viele Gespräche seit der vergangenen Delegiertenversammlung Ende des vergangenen Jahres hat Hartmut Müller, der Vorsitzende des TSV Eltingen, geführt. Während zu diesem Zeitpunkt 82 Prozent der Leonberger Vereinsmitglieder den Machern grünes Licht gegeben hatten, damit sie weiter alle Vorbereitungen für einen Zusammenschluss treffen konnten, waren es damals bei der Eltinger Delegiertenversammlung nur 63 Prozent.

„Es gibt nach wie vor einige Eltinger, die gegen dieses Projekt sind“, sagt Müller. Gegenwehr spürt er vor allen Dingen von der Jugendfußball-Abteilung. Deren stellvertretender Abteilungsleiter Udo Körner betont, er habe grundsätzlich keine Probleme mit einer Fusion. „Ich bin allerdings dagegen, weil ich seitens des Vorstandes noch nichts gehört habe, welche Visionen oder Ideen er hat“, sagt Körner. „Wir wissen nicht, wie es mit den Sportstätten weiter gehen soll und was in den nächsten fünf bis zehn Jahren passieren wird.“

Zudem befürchte die Abteilung, dass zu den eigenen 16 Jugendmannschaften noch mehr dazukommen. „Unsere Platzkapazität ist bereits erschöpft“, so Körner, der befürchtet, dass die Eltinger Jugendlichen künftig mit dem Fahrrad quer durch Leonberg zum Training fahren müssen. „Jetzt haben sie ihren Platz vor der Haustür.“

Ein Konzept mache erst Sinn, kontert Hartmut Müller, „wenn die Fusion vollzogen ist, wir müssen alle Schritt für Schritt zusammen wachsen, dabei sind auch die Abteilungen gefordert.“ Für Körners Argumente hat Matthias Groß, der stellvertretende Vorsitzende des TSV Eltingen, der von Beginn an in der Projektgruppe Fusion mitarbeitet, kein Verständnis. „Der Zusammenschluss ist eine einmalige, eigentlich die Chance, den Sport mit seinen vielen Facetten in Leonberg mit einem entscheidenden Schritt, nämlich mit der Verschmelzung, nach vorne zu bringen beziehungsweise weiterzuentwickeln.“ Damit könnten ein nachhaltiges Sportangebot garantiert und die Bestandsflächen wie Hallen und Plätze sowie die Mitgliederverwaltung optimiert werden. „Mein Appell an die TSV’ler und TSG’ler ist, es als Riesenchance zu betrachten, auch wenn es manchmal ein bisschen schwer fällt, über den eigenen Tellerrand hinaus zu sehen“, erklärt Matthias Groß.

Kommentar

Grabenkämpfe sind nicht mehr zeitgemäß

Verschmelzung
Persönliche Befindlichkeiten sind fehl am Platz, wenn es darum geht, die beiden Leonberger Vereine für die Zukunft sattelfest zu machen.

Wie sagte es unser Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt einst: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Wir wollen denjenigen, die gegen die geplante Verschmelzung der TSG Leonberg und des TSV Eltingen sind, nun keineswegs ein Krankheitsattest ausstellen. Immerhin leben wir in einer Demokratie, in der die Meinungsfreiheit das höchste Gut ist. Doch wenn Vereinsmitglieder gegen das Projekt sind, weil ihnen keine Visionen präsentiert werden, scheint diese Argumentation an den Haaren herbei gezogen zu sein. Die Verantwortlichen, die bereits unzählige Stunden investiert haben, um die beiden Vereine für die Zukunft sattelfest zu machen, können in diesem Moment noch nicht bis ins kleinste Detail planen. Der Zusammenschluss, falls er denn zustande kommt, ist ein Prozess, bei dem auch die einzelnen Abteilungen gefordert sein werden. Persönliche Befindlichkeiten oder alte Grabenkämpfe zwischen Eltingern und Leonbergern sind fehl am Platz und nicht mehr zeitgemäß. Schließlich wird gemunkelt, dass selbst Eltinger sich ein neues LEO-Kennzeichen zugelegt haben. Das ist doch ein guter Anfang. Nathalie Mainka

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