Fürs Heizen Darf man Holz im Wald einsammeln?

Von Harald Czycholl
Als Grundregel gilt: Ohne eine Erlaubnis lässt man von Holz im Wald lieber die Finger. Foto: imago//Sus Pons

Wer einen Holzofen besitzt, könnte in diesem Winter klar im Vorteil sein. Denn angesichts drastisch steigender Preise für Gas und Öl ist Feuerholz eine Alternative, die es ermöglicht, die Zentralheizung erst später im Jahr anzuwerfen – und im Frühjahr eher auszuschalten. So lassen sich Energiekosten sparen. Doch diese Rechnung geht für dieses Jahr möglicherweise nicht mehr auf. „Dieses Jahr noch trockenes Brennholz zu bekommen ist fast unmöglich“, sagt Gerd Müller, Leiter der Geschäftsstelle des Bundesverbands Brennholz in Kamen. Denn die Nachfrage nach Brennholz ist angesichts der Energiekrise rapide gestiegen. Der Markt ist praktisch leer gefegt, das wenige noch vorhandene Holz wird zu exorbitant hohen Preisen verkauft. Da liegt die Idee nahe, einfach selbst in den Wald zu gehen und dort herumliegende Äste und Zweige zu sammeln, um sie anschließend im heimischen Kamin zu verbrennen. Doch das ist nur unter ganz bestimmten Umständen erlaubt. Was man beim Holzsammeln beachten muss.

Ist Holzsammeln im Wald erlaubt? Ob das Holzsammeln im Wald erlaubt ist, legen die Landeswaldgesetze der einzelnen Bundesländer fest. „In den meisten Bundesländern ist das Holzsammeln ohne Genehmigung verboten“, sagt Michaela Rassat, Juristin bei Ergo Rechtsschutz Leistungs-GmbH. Ausnahmen würden etwa in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gelten, wo Waldbesucher geringe Mengen auf dem Boden liegender Äste für den Eigenbedarf mitnehmen dürften.

Wie kommt man an eine Holzsammelgenehmigung? Eine Genehmigung für das Holzsammeln im Wald, oft auch Holzsammelschein genannt, kann man bei dem zuständigen Forstamt oder der jeweiligen Gemeinde beantragen. Je nach Laufzeit kostet sie zwischen fünf und 30 Euro. In der Genehmigung wird allerdings meist eine bestimmte Holzmenge festgelegt, die nicht überschritten werden darf – und für die man bei dem Förster oder der Gemeinde bezahlen muss. In Privatwäldern wiederum braucht man für das Holzsammeln die Erlaubnis des Eigentümers. Nachts zu sammeln, Äste abzuschneiden oder gar selbst Bäume zu fällen ist aber in jedem Fall tabu.

Welche Konsequenzen drohen beim Holzsammeln ohne Genehmigung? Holzsammler sollten sich vorab über die geltenden Regelungen und die Besitzverhältnisse des jeweiligen Waldstücks informieren. Denn wer sich beim illegalen Sammeln von Zweigen und Ästen erwischen lässt, macht sich strafbar und riskiert harsche Konsequenzen: „Wer ohne Sammelschein Brennmaterial mitnimmt, muss mit einem hohen Bußgeld oder sogar einer Anzeige wegen Diebstahls rechnen“, sagt Juristin Rassat. Das Problem des Holzdiebstahls habe zuletzt zugenommen, sagt Max Reger von Forst BW, dem größten baden-württembergischen Forstbetrieb. „Holzklau ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat“, betont er. Im Staatswald sind die Förster den Holzdieben seit einiger Zeit sogar mit Peilsendern auf der Spur: Die kleinen Geräte würden von den Forstwirten in am Wegesrand gestapelten Holzscheiten versteckt.

Welches Holz eignet sich am besten als Brennholz? Wer eine Genehmigung zum Holzsammeln bekommen hat, sollte beachten, dass Holz nicht gleich Holz ist: Mit Blick auf den späteren Brennwert kommt es nämlich darauf an, von welchem Baum die Äste und Zweige stammen, die man mitnimmt. Grundsätzlich gilt dabei: Je härter das Holz, desto höher ist auch sein Energiegehalt. Klassiker für den Kamin sind daher Harthölzer wie Buche, Birke, Eiche oder Obstgehölze. Weiche Hölzer sind zum Beispiel Kiefer, Tanne und Fichte. „Wer damit heizt, braucht mehr Scheite und muss öfter nachlegen“, erklärt Andreas Walburg vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks in Sankt Augustin in Nordrhein-Westfalen. „Besonders schnell verbrennt Fichtenholz, deshalb wird es gern als Anzündholz genutzt.“

Kann man das gesammelte Holz sofort als Brennmaterial nutzen? Wichtig ist, dass man ausschließlich trockenes Holz im Ofen verbrennt. „Trockenes Holz hat einen höheren Heizwert als feuchtes und ist daher energetisch effizienter“, sagt Schornsteinfegermeister Walburg. Luftgetrocknetes Holz mit einem Wasseranteil von 15 bis 20 Prozent hat einen durchschnittlichen Heizwert von vier Kilowattstunden pro Kilogramm. Frisches Holz mit einem Wassergehalt von 50 Prozent hat dagegen lediglich einen Heizwert von rund zwei Kilowattstunden pro Kilogramm.

Zudem lässt sich mit trockenem Holz auch umweltfreundlicher heizen: „Zu feuchtes Brennholz produziert mehr Ruß- und Staubpartikel, die durch den Schornstein in die Umwelt gelangen. Gleichzeitig lagert sich mehr Ruß im Ofen, Ofenrohr und Schornstein ab“, so Walburg. Und das hat auch Konsequenzen für die Heizkosten, denn mit der Zeit mindern die Verbrennungsreste auch den Wirkungsgrad des Ofens. Frisch gesammeltes Holz sollte man daher nicht sofort verheizen, sondern zunächst einige Zeit an einem trockenen, gut belüfteten Ort lagern.

Online-Betrug beim Holzkauf

Fake-Shops
 Die Polizei warnt vor Online-Betrügereien beim Holzkauf. So seien zuletzt mehrere Menschen auf Fake-Shops hereingefallen und hätten im Internet Brennholz oder Pellets bestellt, die dann nie geliefert wurden, teilte etwa das Polizeipräsidium Niederbayern mit.

Recherche
Fake-Shops wirken auf den ersten Blick oft professionell und authentisch, aber es gibt Hinweise, die auf Betrug hindeuten: Ein besonders günstiger Preis ist etwa verdächtig. Außerdem hilft es, den Namen des jeweiligen Anbieters vor dem Bestellen in eine Internet-Suchmaschine einzugeben. Oft findet man bereits entsprechende Warnhinweise zu den Angeboten. 

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen