Fridays-for-future-Proteste Für viele hat die Schule doch Vorrang

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Zu Hunderten haben die Schüler am Freitag in Stuttgart demonstriert. Foto: dpa

Leonberg/Rutesheim - Mit Abschalten war nicht euer Gehirn gemeint!“, steht auf einem selbstgemalten Schild. „Wir lernen nicht für eine zerstörte Zukunft“, auf einem anderen. Hochgehalten werden sie von Schülern aus Stuttgart und weit darüber hinaus, die als Teil der „Fridays for future“-Bewegung in der Landeshauptstadt für besseren Klimaschutz und ein Umdenken in der Politik protestiert haben. Auch aus dem Altkreis Leonberg haben sich vereinzelt Schüler daran beteiligt. Vom Gymnasium Renningen haben am Freitag elf Schüler Demo-Plakate statt Füller in die Hand genommen. In Leonberg waren es etwa ein Dutzend und einige wenige in Rutesheim.

Unter Erwachsenen gehen die Meinungen bekanntlich weit auseinander über den Sinn und Unsinn von Demonstrationen während der Schulzeit. Doch wie stehen die Schüler aus der Umgebung rund um Leonberg zu dem Thema? Wir haben mit zwei Gymnasiasten aus Rutesheim und Renningen gesprochen.

„Es geht um unsere Zukunft“

„Ich finde es gut, wenn sich die Schüler für die Umwelt einsetzen“, sagt Tobias Maisenbacher, einer der Schülersprecher am Gymnasium Rutesheim. „Letztendlich geht es um unsere Zukunft und wie die Welt, in der wir später leben werden, aussieht“, meint der Schüler der Jahrgangsstufe 1. Ein globaler Umweltschutz, der diesen Namen auch verdiene, sei ein Thema, das von der Politik lange sträflich vernachlässig wurde und immer noch werde, meint der Jugendliche. Doch die Freitagsdemos, die derzeit überall stattfinden, sieht der Gymnasiast auch kritisch. „Ein Mal teilzunehmen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen, ist in Ordnung“, findet Tobias Maisenbacher. Aber das dauerhafte Fehlen vom Unterricht sei keine Lösung, sondern eher kontraproduktiv. „Eine gute Bildung, was nicht überall in der Welt selbstverständlich ist, ist eine der besten Voraussetzungen, um die Zukunft unserer Erde besser zu gestalten“, sagt der Schülersprecher.

Mika Mia Sharif, die Vorsitzende des Jugendgemeinderats in Renningen, betrachtet das Ganze etwas anders. Sie findet es gut, dass ihre Mitschüler und viele andere Jugendliche auf die Straße gehen. „Die Leute haben ja einen Grund, warum sie das machen“, sagt sie. „Ich sehe das auch nicht als Schuleschwänzen, sondern die Schüler nutzen ihre Möglichkeit zur politischen Mitbestimmung.“ Umso weniger sei es Schwänzen, wenn die Betreffenden den Stoff nachholen, wie es in Renningen und anderen Schulen der Fall sei. „Ich kann mich hier der Meinung der meisten anschließen: Wenn jetzt nicht bald etwas passiert, bringt uns unsere ganze Bildung auch nichts mehr.“

Abi hat Vorrang

Deshalb schätzt es Mika Mia Sharif auch sehr, dass das Engagement der Schüler am Gymnasium Renningen insoweit unterstützt wird, als die Jugendlichen nicht für ihr Fernbleiben bestraft werden, wenn sie den Stoff nachholen. Sie selbst hat an den Freitagsdemos bislang nicht teilgenommen. Denn das Abitur steht vor der Tür. „Da steht man natürlich immer vor der Entscheidung: Geht man dorthin oder doch lieber zum Unterricht?“ Anderen gehe es ähnlich.

Gerade vor dem Hintergrund Abi seien die Demos in ihrem persönlichen Umfeld gerade nicht wirklich ein Gesprächsthema, erzählt sie. „Aber ich kenne ein paar, die tatsächlich hingehen. Die engagieren sich sehr dafür und laden über die sozialen Netzwerke immer dazu ein. Wenn ich nicht bald Abi-Prüfungen hätte, würde ich sicher auch selbst hingehen.“

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