Freie Wähler im LKZ-Gespräch „Verdichtung muss im Rahmen bleiben“

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Wir brauchen kleine Oasen: Axel Röckle (re.) und Thomas Slotwinski zwischen Post-Bäumen und Schuhfabrik. Foto: factum/

Leonberg - Ein kleiner Kastanienhain vor der ehemaligen Hauptpost sorgt im sommerlichen Leonberg für viel Gesprächsstoff. Die Bäume sollen fallen, wenn in diesem Bereich ein neues Stadtquartier entsteht. Ein Vorhaben, das nicht nur auf Gegenliebe stößt. Auch bei den Freien Wählern nicht, wie deren Fraktionsvorsitzender Axel Röckle beim Sommergespräch erklärt.

Herr Dr. Röckle, Sie haben als Interviewort die Grünfläche vor der alten Post gewählt. Werden die Freien Wähler nun zu militanten Baumschützern?

In dieser Form sicherlich nicht. Aber ­angesichts der Erderwärmung sind selbst solche kleineren Grünflächen wichtig für das Stadtklima. Wir hatten in den vergangenen Wochen Temperaturen bis an die 40 Grad. Da brauchen wir solche kleinen Oasen. Außerdem erhöhen Sie die Aufenthaltsqualität in der Stadt.

Die Firma Strabag, die das Gebiet entwickelt, verweist darauf, dass es ursprünglich keine Bedenken bei der Stadt gegen die Nutzung dieser Grünfläche für die Bebauung gegeben hat.

Auch Strabag kommt jetzt mit Forderungen, von denen vorher keine Rede war. So sollen das geplante Hotel und die anderen Gebäude ein Stockwerk höher werden. Als Begründung wird der felsige Untergrund genannt, weswegen man nicht in die Tiefe gehen könnte.

Wäre das so schlimm?

Ein neues Quartier auf dem Postareal muss die nächsten 100 Jahre Bestand haben. Wir und unsere Nachfolgegenerationen leben hier, der Investor ist dann weg.

Ihre Kritik orientiert sich nicht nur an ­ städtebaulichen Gesichtspunkten...

Das wesentliche Problem ist die Anlieferung eines geplanten Lebensmittelmarktes und eines Drogeriemarktes, der über zwei Etagen gehen soll. In Höhe der Reinigung Nährich ist eine Zufahrt mit Ladezone ohne Wendemöglichkeit geplant. Wenn die Sattelzüge kommen, müssen sie warten, bis die Ladenzone frei ist und dann rückwärts hereinfahren. Sie können sich vorstellen, was dann in der Eltinger Straße los ist. Wir haben nun einmal nur die Nord-Süd-Verbindung im Zentrum.

Ein Problem, das mit einer Umplanung ­gelöst werden könnte.

Hoffentlich. Aber auch der normale Verkehr wird uns in Schwierigkeiten bringen. Bisher ist die Rede von bis 1700 zusätz­lichen Autos. Wenn aber ein großer Supermarkt funktionieren soll, können diese Zahlen nicht realistisch sein. Vielmehr müssen wir mit weit mehr als dem Doppelten rechnen. Zumal direkt neben dem Postareal das Layher-Quartier ist. Problematisch finde ich zudem, dass der Investor auf dem Brückenschlag zum Marktplatz keine Fahrräder zulassen will. Die sollen am Rande der Eltinger Straße fahren. Mit Blick auf unsere Bemühungen die Altstadt zu beleben, geht das gar nicht!

Etliche Pläne müssen demnach überarbeitet werden. Das kostet viel Zeit.

Eine Verzögerung ist das kleinere Übel.

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