Frei lebende Tiere in Mönsheim Katzen müssen unters Messer

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Die Kastration eines Katers kostet rund 80 Euro, die Sterilisation einer Katze etwa 135 Euro. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Mönsheim - „Ich habe Katzen gern“, betont Simone Reusch, „aber eine Überpopulation von wild lebenden Katzen ist nicht gut.“ Die engagierte Sprecherin der Ortsgruppe Heckengäu des „Bunds für Umwelt und Naturschutz“ hat dabei das Elend dieser Tiere im Blick. Die frei lebenden, scheuen Tiere halten sich häufig in einer Gegend oberhalb des Ortes auf, besonders entlang der direkt an den Wald angrenzenden Buigenrainstraße, wo es in alten Scheunen, Schuppen und leer stehenden Häusern Unterschlupfmöglichkeiten gibt.

Simone Reusch ist nicht nur Umweltschützerin, sondern auch Gemeinderätin. Und als solche hat sie jetzt einen Erfolg errungen. Mit ihrer Fraktion, der Unabhängigen Bürgerliste Mönsheim, hat sie beantragt, eine Katzenschutzverordnung zu erlassen, was der Gemeinderat genehmigt hat. Damit gibt es jetzt für Katzenbesitzer im Ort eine Pflicht, ihre frei laufenden Tiere kastrieren und sterilisieren zu lassen.

Erste dritte Kommune im Land

Mönsheim ist erst die dritte Kommune in Baden-Württemberg, die das erlassen hat, nach Berglen (Rems-Murr-Kreis) und Schramberg (Kreis Rottweil). Der Landes­tierschutzverband, der das schon lange fordert, ist begeistert. „Das ist für uns ein sehr wichtiges Anliegen“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Martina Klausmann. Knapp 800 Kommunen in Deutschland haben die Kastrationspflicht schon, aber nur drei in Baden-Württemberg. „Wir können nicht nachvollziehen, warum nicht mehr Kommunen nachziehen“, sagt Klausmann. „Tierschützer müssen sich krumm und buckelig arbeiten, um die Katzen von Hand einzusammeln. Das aber ist ein Kampf gegen Windmühlen.“

Sie meint Tierschützer wie Simone Reusch in Mönsheim. Die Tiere, die häufig krank seien, vermehrten sich unkontrolliert und geben beispielsweise den gefürchteten Katzenschnupfen gleich an ihre Jungen weiter, erklärt sie. Bis zu ihrem oft qualvollen Tod hätten sie eine lange Leidenszeit. Die Tierschützer füttern die Katzen nicht nur auf eigene Kosten. Sie versuchen, die Katzen einzufangen, um sie kastrieren beziehungsweise sterilisieren zu lassen.

Schon 20 Katzen eingefangen

Seit 2015 ist ihr und ihren etwa zehn Mitstreitern das Einfangen allein an der Buigenrainstraße mehr 20 Mal gelungen, berichtete sie jetzt im Gemeinderat. Die Kastration eines Katers kostet rund 80 Euro, die Sterilisation einer Katze etwa 135 Euro. Dazu kommen noch die Tätowierungskosten in Höhe von 22 Euro. Die jährlichen Kosten für die Gemeinde lägen bei rund 1700 Euro im Jahr.

„Doch wir bewegen uns in einer Grauzone, sind rechtlich nicht abgesichert, wenn wir eine eingefangene Katze kastrieren lassen“, schildert sie das Problem für die im Tierschutz Engagierten. Denn oft könne man nicht ohne Weiteres erkennen, ob es sich um eine Streunerkatze ohne Halter handele oder um eine frei laufende Katze, die einem Katzenhalter gehört.

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