Franz Laupheimer aus Weil der Stadt Der Mister Musikschule geht in den Ruhestand

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„Weil der Stadt als Ort hat mir auch zugesagt, deshalb dachte ich: Das mache ich“: Franz Laupheimer erinnert sich an seine Bewerbung vor 37 Jahren. Foto: factum/Andreas Weise

Weil der Stadt - Musik dringt Nachmittag für Nachmittag aus der alten Villa. Drinnen sitzt Franz Laupheimer, so wie immer. Die Villa Haag, das Domizil der Weiler Musikschule, und er gehören eigentlich zusammen. Laupheimer weiß, wo die Leiter steht, die der Fotograf benötigt. Schließlich wechselt er selbst die Glühbirnen aus, wenn was kaputt ist. Und im Sommer ist er schon vor 6 Uhr im Haus, um kühle Luft reinzulassen.

Niemand hat den Musikunterricht in der Stadt so sehr geprägt wie er. Dennoch: Am Donnerstag verabschiedet die Stadt ihren langjährigen Musikschulleiter. Viele Höhepunkte gab es – doch auch schwierige Momente hat er meistern müssen. Und die sind auch und vor allem mit diesem Gebäude verbunden.

„Als wir 1988 hier eingezogen sind, war das einer der schönste Momente meiner Laufbahn“, erinnert sich Franz Laupheimer. Sechs Jahre war er zu dem Zeitpunkt schon Musikschulleiter, die Unterrichtsräume aber waren auf die ganze Stadt verteilt, auf mindestens zehn Standorte. Dem damaligen Bürgermeister Friedrich Knobloch aber war es gelungen, die Fabrikantenvilla der vormaligen Firma Haag anzukaufen. „Danach ging es mit dem Musikschulbetrieb erst so richtig los, es war der Beginn unseres Aufschwungs“, berichtet Laupheimer. Die Musikschule war jetzt nach außen sichtbar, die Schülerzahlen stiegen, man konnte eine Bigband und ein Orchester gründen.

Ein Klavier gab es im Elternhaus noch nicht

„Auf all das hätte fünf Jahre zuvor noch niemand gewettet“, erzählt Franz Laupheimer im gewohnt gemütlichen Ton mit dem rollenden R. Er selbst kommt nicht aus Weil der Stadt, sondern aus Schönebürg bei Schwendi (Kreis Biberach). Ein Klavier gab es im Elternhaus noch nicht, erst später im Internat.

„Mir wurde im Bus immer speiübel“, erzählt er und muss schmunzeln. Die Fahrt mit dem Schulbus kam daher nicht in Frage, deshalb wechselte er mit 13 in die Einrichtung der Benediktiner in Laupheim. „Damit war aber auch der Weg zur Musik geebnet.“ Denn im Internat stand gleich ein Dutzend Klaviere, ein Pater gab ihm Unterricht.

Franz Laupheimer hatte Talent. Später durfte er am Wochenende heim nach Schönebürg fahren, wo er mit 16 Jahren die Organistendienste und die Leitung des Chors übernahm. Und dann hatte er irgendwann sein Abitur. „Ich dachte, ich versuche es einfach“, erinnert er sich an die Bewerbung an der Musikhochschule in Karlsruhe. Es klappt, Laupheimer schreibt sich fürs Gymnasiallehramt ein, zusammen mit dem Fach „Leibesübungen“.

Auch das Studium finanzierte er mit Orgelmusik. „Am Sonntag habe ich fünf Gottesdienste begleitet“, erinnert er sich. Zwischendrin nahm er sich ein Urlaubssemester, um in London bei dem Organisten und Komponisten Nicholas Danby Unterricht zu bekommen.

„Noch in London hat mir jemand erzählt, dass diese Stelle hier in Weil der Stadt frei wird“, sagt Laupheimer und schmunzelt wieder ein bisschen. Ob er am Gymnasium arbeiten wollte, oder an der Musikschule stand da noch gar nicht fest. Dann aber bekam er die Stelle. „Weil der Stadt als Ort hat mir auch zugesagt, deshalb dachte ich: Das mache ich.“

Vor 37 Jahren war das. Viel erlebt hat Laupheimer seitdem. Erfolge wie 1988 den Einzug in die Haag-Villa oder die Entscheidung des Gemeinderates 1992, den Verein zu übernehmen und damit die Musikschule zu einer städtischen Einrichtung zu verwandeln. Damit war finanziell die Zukunft gesichert, die Lehrer waren fortan Stadtangestellte mit Tarifvertrag.

2006 war das schwierigste Jahr der Musikschule

Weniger gern erinnert sich Laupheimer an 2006. „Das war der schärfste Einschnitt“, sagt er. Die Finanzlage der Stadt war schlecht, das Hallenbad und die Musikschule standen zur Debatte. Um 150 000 Euro einzusparen, waren die Maßnahmen drastisch: Die Gebühren für den Einzelunterricht wurden um die Hälfte erhöht, Stunden zusammengestrichen, neue Lehrer werden seitdem nur noch als Honorarkräfte engagiert. 100 Schüler haben damals die Schule verlassen.

„Wir haben das mittlerweile ganz gut verkraftet“, zieht Laupheimer eine vorsichtige Bilanz. Denn zugleich setzte auch der Trend mit Ganztagsschule und G8 ein, weshalb die Jugendlichen weniger Zeit haben. „Es wird jedes Jahr schwieriger, den Stundenplan zu machen“, sagt er.

Dennoch ist die Einrichtung, die er seinem Nachfolger, dem Saxofonisten Stefan Schneider, bislang Lehrer in Wildberg, hinterlässt, gut aufgestellt. „Zur Lebensqualität einer Stadt wie Weil der Stadt gehört eine Musikschule“, sagt Franz Laupheimer.

Und er selbst bleibt der Stadt ebenfalls treu. In der katholischen Stadtkirche St. Peter und Paul ist er weiterhin Organist, auch die drei Orgelschüler der Musikschule behält er. „Vorläufig übernehme ich auch einen Nachmittag Klavierunterricht in Merklingen“, berichtet der 65-Jährige. Und er klingt dabei nicht so, als würde er das bedauern.

Termin

Am onnerstag, 10. Oktober, wird Franz Laupheimer um 19 Uhr in der Aula des Schulzentrums verabschiedet. Zugleich wird sein Nachfolger Stefan Schneider ins Amt als neuer Musikschulleiter eingesetzt.

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